Pächter noch gesucht: Oberland-Hütte in Tirol mit Spenden überschüttet

Die Vorderkaiserfeldenhütte in Tirol brauchte dringend eine Sanierung. Aktuell ist sie geschlossen, mitten in den Bergen wird gewerkelt. Die österreichische Hütte der DAV-Sektion Oberland ist offensichtlich extrem beliebt bei den Gästen und Bergsportlern. Wie ist es sonst zu erklären, dass bereits mehr als 300.000 Euro an Spenden für die Baumaßnahmen zusammengekommen sind?
Die Sektion teilt der AZ auf Anfrage mit: "Aus unserer Erfahrung mit einem Spendenaufruf für die Renovierung der Falkenhütte haben wir mit Unterstützung durch Spenden gerechnet."
Aber: "Dass so viele Menschen unser Herzensprojekt unterstützen, hatten wir uns jedoch nicht erträumt."

Man freue sich über jede weitere Spende. Das Zuckerl für Hütten-Fans: Ab einer Spende von 100 Euro werde man namentlich auf der Ehrenwand der neuen Hütte genannt. Wer noch mehr spendet, kann sich ein Bett, Zimmer oder die Nebenstube widmen lassen. Für 100.000 Euro trägt das Selbstversorgerhaus den eigenen Namen.
Insgesamt kostet die Sanierung 5,2 Millionen Euro
Das Bauprojekt kostet die Sektion Oberland rund 5,2 Millionen Euro. Die Finanzierung erfolgt über Vereins- und Fördermittel sowie Spenden.

Warum ist die Groß-Baustelle notwendig? Die Sektion teilt mit: "Die Spuren des Verschleißes sowie die Herausforderungen durch wiederholte Aufstockungen und Umbauten haben einen Ersatzbau des Haupthauses plus Sanierung des Schlafhauses (Baujahr 1913) unerlässlich gemacht." Das Bauen am Berg sei allerdings teuer.
Weiter heißt es auf der Seite der Sektion, warum unter anderem Arbeiten erforderlich sind: "Schlaflager mit einer Höhe von nur 1,43 Metern, offene Treppenhäuser bis zum Dach und organisatorische Hürden entsprechen weder den modernen Anforderungen noch den heutigen Brandschutzvorschriften."
Niedrige Decken: Darum hat ein Gast gespendet
Gast René Kubon erzählt dazu passend, warum er für die Berghütte Geld hergegeben hat: "Den Zahmen Kaiser und die Vorderkaiserfeldenhütte besuche ich mindestens einmal pro Jahr, weil es eine der schönsten Gegenden ist, die man sowohl mit dem Auto als auch mit der Bahn verkehrsgünstig von München erreichen kann."

Er kennt die typisch niedrigen Decken, andere nicht: "Als ich dort übernachtete, gab es eine Gruppe, die offenkundig selten in Berghütten übernachtete und weit nach Beginn der Hüttenruhe bei völliger Dunkelheit, einer nach dem anderen, die Treppe hinauf kam und sich auf der Suche nach den noch unvorbereiteten Schlafplätzen mehrfach die Köpfe anstieß, wodurch alle bereits Schlafenden geweckt wurden." Deswegen hat Kubon für ein Zimmer gespendet.
Die Arbeiten dauern voraussichtlich noch bis Herbst 2026
Im Frühling 2025 wurde mit den Arbeiten begonnen. "Das neue Haupthaus und das Selbstversorgerhaus – ideal für Familien und Gruppen – stehen bereits", teilt die Sprecherin mit. Vor der Winterpause seien die Fenster eingesetzt und die Photovoltaik-Anlage montiert worden.

Der weitere Plan: "In einigen Wochen, wenn der Schnee geschmolzen ist, kann die Materialseilbahn wieder in Betrieb genommen werden und der Innenausbau beginnen."
Noch werden neue Pächter gesucht
Neben dem Ersatzbau des Haupthauses, der Sanierung des Schlafhauses und einem neuen Selbstversorgerhaus mit Winterraum (anstelle des Nebenhauses) wird unter anderem von der Elektroheizung auf eine Stückholz-Anlage umgestellt. Eine Zisterne soll Regenwasser nutzbar machen, die PV-Anlage dient zur Stromgewinnung.
Noch in diesem Jahr soll der Betrieb wieder losgehen, voraussichtlich im Herbst. Die langjährigen Pächter haben im April 2025 aufgehört. Nach knapp zehn Jahren. Aktuell befinde sich die Sektion in Gesprächen mit Bewerbern, "die bisher sehr vielversprechend verlaufen".