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Redaktionsleiter Andreas Hock zur Berichterstattung über den "Marsch durch Fürth" und die Reaktionen.
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Der „Marsch“ von 2000 Club-Anhängern durch Fürth und die Berichterstattung hierüber schlagen noch immer hohe Wellen.
Berny Meyer Der „Marsch“ von 2000 Club-Anhängern durch Fürth und die Berichterstattung hierüber schlagen noch immer hohe Wellen.

Redaktionsleiter Andreas Hock zur Berichterstattung über den "Marsch durch Fürth" und die Reaktionen.

NÜRNBERG Die Resonanz auf unsere Berichterstattung über den Marsch der Club-Ultras durch Fürth – sie hat uns ganz ehrlich überrascht. Viele Reaktionen haben uns Freude, weil sie uns Recht gegeben haben. Manche haben uns nachdenklich gemacht, weil sie uns Dinge unterstellten, die wir so nicht meinten. Und manche haben uns schlichtweg schockiert. Weil sie nicht druckbare Inhalte enthielten, persönliche Beleidigungen, Drohungen.

Deswegen wollen wir die Sache nicht einfach auf sich beruhen lassen. Und uns auf diesem Weg an all jene wenden, die sich von unserem Bericht angesprochen fühlten – egal in welcher Form. Ich selbst bin seit meiner Kindheit Club-Fan; mit einer Dauerkarte in der Nordkurve, Block 12. Niemals könnte und wollte ich diesen Platz gegen einen auf der Pressetribüne eintauschen. Ich bin Jahr für Jahr bei vielen Auswärtsspielen dabei. Insofern glaube ich, mir daher auch ein Urteil über unsere Anhängerschaft erlauben zu können, zu der ich selbst so gerne gehöre.

Klar ist zunächst: Es gibt beim Club nicht mehr oder weniger schwarze Schafe als anderswo. Natürlich sind, das ist vollkommen unstrittig, die allermeisten Anhänger des 1. FC Nürnberg friedliche und unpolitische Zeitgenossen; auch in der Ultras-Bewegung. Sie eint die Liebe zu einem Verein, der einmalig ist in Deutschland und auf dessen Tradition wir alle stolz sein können.

Erscheinungsbild und Metaphorik ließen zweideutige Schlüsse zu

Allerdings mischen sich immer wieder und immer öfter Menschen mit erheblichem Gewaltpotenzial unter uns „Normalos“. Das ist sicherlich kein Problem des FCN. Sondern ein Phänomen, mit dem auch andere gesellschaftliche Bereiche zu kämpfen haben. Diese Entwicklung bereitet Anlass zur Sorge, finden wir.

Der so genannte Marsch durch Fürth war sicher kein Aufmarsch von Rechtsradikalen. Das haben wir auch nie behauptet. Aber die Veranstalter müssen sich schon den Vorwurf gefallen lassen, warum sie sich eines Erscheinungsbilds und einer Metaphorik bedienen, die zumindest zweideutige Schlüsse zulassen. Und die von einigen wenigen Unverbesserlichen auch missbraucht werden können.

Zu einem Derby gehören Emotionen, Sticheleien, auch kleine Provokationen. Aber Feuerwerkskörper auf Menschen und Tiere zu werfen, „Tod und Hass“ zu skandieren (wie übrigens die Fürth-Fans auch!), das hat nichts mehr mit Rivalität zu tun. Das ist einfach nur dumm. Max Morlock würde sich im Grab herumdrehen.

Andreas Hock, Redaktionsleiter

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