Oberlandbahn prüft nach Zugausfällen rechtliche Schritte

Tagelang fuhr beim Schneechaos im Januar im bayerischen Oberland fast kein Regionalzug. Nun debattieren die betroffenen Bahn-Unternehmen, wie es beim nächsten Mal besser laufen kann. Und im Raum steht auch die Frage: Wer hatte eigentlich Schuld?
| dpa
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Miesbach (dpa/lby) - Eineinhalb Monate nach dem Schneechaos im Süden Bayerns erwägt die Bayerische Oberlandbahn (BOB) wegen ausgefallener Züge rechtliche Schritte. Das Unternehmen prüfe unter anderem zivilrechtliche Schadensersatzansprüche gegen den Strecken-Betreiber DB Netz, sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. "Zusätzlich haben wir bei der Bundesnetzagentur Beschwerde eingereicht; dort wird der Fall derzeit geprüft."

Wegen der massiven Schneefälle musste die Bayerische Oberlandbahn für ihre BOB-Züge im Januar fast ein Viertel ihres Zugangebots streichen. Gut 23 Prozent der geplanten Kilometer seien nicht befahren worden, sagte der Vorstandschef der Bayerischen Oberlandbahn und der Bayerischen Regiobahn, Fabian Amini. Ein Grund sei gewesen, dass die Deutsche Bahn (DB) als Betreiber der Strecken nicht ausreichend geräumt habe. Es habe an Personal und an Räumfahrzeugen gefehlt. Für zehn Tage fuhr südlich von Holzkirchen fast kein Zug der BOB.

Die DB wies die Vorwürfe zurück. Die Wetterlage sei extrem schwierig gewesen, sagte ein DB-Sprecher. Alle betroffenen Strecken hätten in Landkreisen gelegen, in denen wegen der Schneemassen der Katastrophenfall galt. Auch im österreichischen Tirol seien viele Strecken in der Zeit nicht befahrbar gewesen.

Allerdings gebe es in dem Gebiet viele ältere Anlagen mit mechanischer Leit- und Sicherungstechnik, deren Räumung erheblich aufwendiger sei, sagte der DB-Sprecher. Zudem seien Bahnübergänge von den Räumdiensten der Straße "regelrecht zugeschippt" worden. "Wir sind auf dem Weg zu erarbeiten, wo wir besser werden müssen und wie wir den Winterdienst effektiver machen können." Hier müssten aber auch die Gemeinden ins Boot geholt werden. Auch die BOB müsse an ihren Fahrzeugen arbeiten, die teils nicht für große Schneehöhen geeignet seien. Die Bayerische Oberlandbahn wies dies zurück. "Die Fahrzeuge sind durchaus wintertauglich", sagte ein Sprecher.

Tatsächlich funktionierte es bei den Regionalbahnen in anderen Teilen Südbayerns besser. Bei der Bayerischen Regiobahn mit Ostallgäu-Lechfeld-Bahn und BRB sowie bei dem zur Bayerischen Oberlandbahn gehörigen Meridian hätten die Ausfälle im Januar bei maximal drei Prozent gelegen, sagte Amini. Allerdings habe es dort weniger Schnee gegeben als im Oberland.

"Wir werden das Störfallmanagement verbessern und Notfallkonzepte mit den öffentlichen Stellen erarbeiten", versprach Amini nach einem Treffen mit dem Miesbacher Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne). Zudem sollen der Ersatz von Zügen mit Bussen optimiert und die Fahrgäste in solchen Fällen besser informiert werden.

Rzehak mahnte, eine Situation wie im Januar dürfe sich nicht wiederholen. Ein großer Teil des Problems liege bei der DB Netz, die für den Betrieb auf den Schienen sorgen muss. "Wir brauchen eine bessere, belastbare Infrastruktur im Oberland. Jetzt zeigt es sich: Es wurde zu viel kaputtgespart." Rzehak kritisierte vor allem die Privatisierung der Deutschen Bahn. Aus Kostengründen sei auch viel Infrastruktur abgebaut worden, etwa viele Nebengleise, die als Ausweichmöglichkeit hätten dienen können.

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