Nürnbergs CSU-Chef Söder: 86 Prozent – und Lob von Seehofer

Bezirksparteitag: Zwölf Deligierte verweigerten Nürnberger Minister die Unterstützung
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Horst Seehofer spricht, Markus Söder beobachtet die Lobrede seines Vorsitzenden skeptisch.
B. Meyer 2 Horst Seehofer spricht, Markus Söder beobachtet die Lobrede seines Vorsitzenden skeptisch.
Die Nürnberger Ehren-Vorsitzenden Oscar Schneider und Günther Beckstein mit Seehofer.
B. Meyer 2 Die Nürnberger Ehren-Vorsitzenden Oscar Schneider und Günther Beckstein mit Seehofer.

Bezirksparteitag: Zwölf Deligierte verweigerten Nürnberger Minister die Unterstützung

FÜRTH Der mögliche Kronprinz betritt vor dem Ministerpräsidenten den Tagungssaal im Hotel Pyramide in Fürth. Gemessenen Schrittes führt Umwelt- und Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) seinen Kabinettschef Horst Seehofer in die vorderste Reihe, wo unter anderem Staatssekretärin Dagmar Wöhrl und der frühere Ministerpräsident Günther Beckstein warten. Harmonisch geht es zu am Samstag beim Bezirksparteitag der CSU Nürnberg/Fürth/Schwabach in Fürth. Dort wird Söder als CSU-„Bezirksfürst“ wiedergewählt, wenn er auch einige Nein-Stimmen einstecken muss.

Während der CSU-Chef zwischen Wöhrl und Beckstein, der mit der goldenen Ehrenraute ausgezeichnet wurde, Platz nimmt, geht der alte und neue Bezirksvorsitzende Söder zum Rednerpult. Er bedankt sich bei Seehofer für sein persönliches Engagement in Sachen Schaeffler und für die gute Zusammenarbeit. Dabei wird das Verhältnis der beiden als durchaus angespannt beschrieben...

Doch Seehofer gibt das Lob zurück. Söder sei nicht nur Mitglied des Kabinetts, sondern ein „Leistungsträger“. Er habe seinen Aufgabenbereich „glänzend und erstklassig angepackt“ und der CSU damit in vielen Bereichen wieder mehr Akzeptanz verliehen. Nachdem er sich auch bei seinem geschassten Vorgänger Beckstein für die „kollegiale und kameradschaftliche Wegbegleitung“ bedankt hat, zeigt er Parallelen zwischen sich und Söder auf. Sie seien als Populisten und Krawallmacher verschrien, dennoch sei es Politiker-Pflicht, auch Unangenehmes anzusprechen.

Zwar ist die Distanz zwischen Seehofers Rednerpult und Söders Platz als Bezirksvorsitzender relativ groß, dennoch zeigen Ministerpräsident und Minister persönliche Nähe. Vor der Pyramide scherzen sie gut gelaunt, die Frotzeleien des Franken gegen den Bayern gehen auch im Saal weiter. „Wir kämpfen und werden bald Bayern München wieder schlagen“, prophezeit Söder in Anspielung an den 1. FC Nürnberg und erzählt genüsslich von Seehofers Einladung zum Zweitligaderby Ingolstadt gegen den Club. Damals sei er so gesetzt worden, dass er bei einer Niederlage den Blicken der Ingolstädter ausgeliefert gewesen wäre. „Wir haben dann 3:0 gewonnen“, sagt Söder spitzbübisch.

Michael Frieser und Dagmar Wöhrl schnitten schlechter ab

Bei dem Bezirkstag wurden dem Karriere-Politiker aber in den eigenen Reihen ein wenig die Flügel gestutzt. Bei seiner Wiederwahl gab die Partei zwar offiziell ein Ergebnis von 86 Prozent an. Parteiüblich wurden die fünf ungültigen Stimmen aber nicht mitgezählt. In nackten Zahlen ausgedrückt erhielt Söder von 88 gültigen Stimmen 76 Ja-Stimmen, zwölf Delegierte verweigerten ihm die Unterstützung. Zwei seiner Stellvertreter – Fürths Landrat Matthias Dießl (91 %), Fraktionsvize Karl Freller (90,4 %) erhielten einen größeren Vertrauensbeweis. CSU-Nürnberg-Chef Michael Frieser (75,5 %), Staatssekretärin Dagmar Wöhrl (65,9 %) schnitten schlechter ab. Sein Ergebnis schien den Minister aber noch kämpferischer zu machen: „Die Zeiten, wo wir uns selber teilweise nicht ganz ehrlich mit Wahlergebnissen von 100 Prozent bedient haben, sollten vorbei sein.“

Im Schatten von Wirtschaftsminister Theodor zu Guttenberg als Hoffnungsträger der Partei sehen die Delegierten der Mittelfranken-CSU Söder nicht. „Das ist ein Unterschied zwischen München und Berlin“, stellte Werner Schilling aus Nürnberg fest. Ein anderer Christsozialer, der nicht namentlich genannt werden will, fügt an, Guttenberg habe effektiv noch nichts erreicht. Trotzdem zeigte er sich skeptisch, was die Chancen Söders in der CSU angehen: Er polarisiere zu stark. „Entweder man liebt ihn, oder man hasst ihn.“ Ohnehin dürfte Söder „für das Ministerpräsidentenamt noch zu jung sein“, findet der Delegierte. Seehofers auffälliges Lob für Söder und auch für seinen Vorgänger Beckstein betrachtet er distanziert: „Er ist ein Instinktpolitiker und weiß, dass er den Franken etwas entgegenkommen muss.“Ralph Bauer

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