Nürnberger Prostituiertenmorde: Ist der Täter ein religiöser Fanatiker?

Im Fall der ermordeten Prostituierten in Nürnberg geht die Polizei einem gruseligen Verdacht nach: Steckt ein christlicher Religionsfanatiker mit psychopathischen Zügen hinter den grausamen Taten? Einige Hinweise sprechen dafür.
| Helmut Reister
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
"Miyoko" und "Yenna" wurden ermordet. Ist der Täter ein christlicher Fanatiker?
NEWS5/Pieknik/dpa/ho "Miyoko" und "Yenna" wurden ermordet. Ist der Täter ein christlicher Fanatiker?

Im Fall der ermordeten Prostituierte in Nürnberg geht die Polizei einem gruseligen Verdacht nach: Steckt ein christlicher Religionsfanatiker mit psychopathischen Zügen hinter den grausamen Taten? Einige Hinweise sprechen dafür.

Nürnberg - Zwei ermordete Prostituierte, vermutlich der gleiche Täter - und eine Befürchtung mit garantiertem Gänsehaut-Effekt: Hinter den beiden Verbrechen im Nürnberger Rotlicht-Milieu könnte ein religiöser Fanatiker mit psychopathischen Zügen stecken.

Behördensprecher Michael Petzold vom Polizei-Präsidium Nürnberg wollte sich zwar nicht zu Details der Ermittlungen äußern, er bestätigte jedoch auf Anfrage, dass die Möglichkeit eines christlich-religiösen Hintergrundes bei den beiden Morden im Fokus der Soko "Himmel" stehe. Wichtig war ihm in diesem Zusammenhang jedoch die Feststellung, dass "in alle Richtungen" ermittelt werde.

Psychogramm liefert Hinweise auf religiösen Hintergrund

Als Yenna, das erste Mordopfer, in der Nacht zu Jesus Christus Himmelfahrt gefunden wurde, stand ein mögliches religiöses Motiv nicht zur Debatte. Aber die Auffindesituation der ermordeten Frau, die in einer ausgebrannten Modelwohnung gefunden wurde, vermutlich gefesselt und erdrosselt oder erwürgt, veranlasste die Nürnberger Kripo, die Operative Fallanalyse des LKA einzuschalten.

Chef ist Alexander Horn, der Star-Profiler unter den Ermittlungsspezialisten. Er hat nach dem zweiten Mord, der nur zehn Tage später am Pfingstmontag geschah und Parallelen zum ersten aufwies, ein Psychogramm des Täters erstellt. Das Ergebnis seiner Analyse: Viele einzelne Faktoren, die ein schlüssiges Gesamtbild ergeben, liefern Hinweise auf einen möglichen religiösen Hintergrund bei den Verbrechen – und auf das hohe Gefährlichkeitspotenzial des Täters.

Morde an Christi Himmelfahrt und Pfingsten

Auffallende Überschneidungen zwischen den Abläufen der Verbrechen und markanten religionsbezogenen Anlässen, die eine Initialzündung gewesen sein könnten, sind nicht nur für Profiler schnell erkennbar. War es etwa Zufall, dass beide Morde an Pfingsten stattfanden, der eine in der Nacht zu Jesus Christus Himmelfahrt, der andere an Pfingstmontag?

Am Tag des ersten Mordes, dem 24. Mai, wurden die Nachrichten in allen Medien von drei Komplexen dominiert: Der islamistische Anschlag in Manchester vom Tag vorher lieferte das Schreckens-Szenario, die Eröffnung des Evangelischen Kirchentags fand mit Bundeskanzlerin Angela Merkel statt, und Donald Trumps Besuch bei Papst Franziskus flimmerte über alle Bildschirme. Löste diese Mixtur die Mordlust des Täters aus?

In zahlreichen Vorträgen, in Büchern, Fachzeitschriften und Interviews hat sich Alexander Horn immer wieder über Sexualmorde geäußert. Die Täter teilt er strukturell in drei etwa gleich große Gruppen auf: diejenigen, die nicht töten wollen, aber denen eine Handlung aus dem Ruder läuft, jene, die eine Straftat verdecken wollen, und solche, die psychisch abnorm sind, Dominanz ausüben wollen und Töten als ultimative Machtausübung verstehen. Gehört der Prostituierten-Mörder zu Kategorie 3?

Religionsfanatismus gepaart mit Ausländerhass?

Ein unbekannter psychopathischer Mörder, der sich auf religiöse Motive bezieht, ist für die Polizei alles andere als eine Wunsch-Figur. Kommt im Fall des Prostituierten-Mörders auch noch Hass auf Ausländer und Flüchtlinge dazu? Wenige Stunden vor dem zweiten Mord wurde die religiöse Besinnlichkeit der Pfingstfeiertage durch die schreckliche Bluttat in einem Flüchtlingsheim in Arnschwang (Oberpfalz) gestört.

Hat diese Messerattacke eines Flüchtlings, durch die ein fünfjähriges Kind starb und dessen Mutter schwer verletzt wurde, den Prostituiertenmörder erneut zum Töten gebracht? "Wir versuchen alles, um den Täter so schnell wie möglich ermitteln zu können", erklärte Polizeisprecher Michael Petzold.

Er weiß, dass die Ermittler der Soko "Himmel" durchaus ins Kalkül ziehen, dass die Mordlust des Täters erneut die Oberhand über ihn gewinnen könnte. Die mögliche religiöse Motivlage bringt die Ermittler mit Blick auf den Kirchenkalender schwer ins schwitzen. Am nächsten Donnerstag ist Fronleichnam, der Bluttag.

Lesen Sie hier: Zwei Frauen getötet - Prostituiertenmorde: Polizei setzt auf Infokampagne

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren