NS-Raubkunst: Freistaat übergibt Gemälde an Erben in den USA

Eine Münchner Bankierswitwe floh 1938 vor der NS-Verfolgung in die USA. Ihr Umzugscontainer jedoch erreichte nie sein Ziel. Knapp 90 Jahre später will die Staatsregierung Unrecht wieder gut machen.
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Die deutsche Botschaft in Washington. (Archiv)
Die deutsche Botschaft in Washington. (Archiv) © Soeren Stache/dpa
München

Die Staatsgemäldesammlungen haben ein in der NS-Zeit unterschlagenes Gemälde des Malers Albert Lang an die in den USA lebenden Erben der 1965 gestorbenen Bankierswitwe Sofie Heilbronner übergeben. Die Zeremonie fand in der deutschen Botschaft in Washington statt. "Jeder aufgeklärte Fall ist ein wichtiger Schritt hin zu historischer Gerechtigkeit", erklärte Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU).

Die 1875 geborene jüdische Eigentümerin war Witwe des wohlhabenden Münchner Bankiers Hugo Heilbronner. Sie besaß unter anderem mehrere Häuser in München und Berlin und floh 1938 in die USA. Der Umzugscontainer jedoch wurde beschlagnahmt, der Inhalt 1943 in Berlin versteigert. 

Das Gemälde "Die Musik (Arkadische Szene)" ging nach dem Krieg an das Bayerische Landesamt für Vermögensverwaltung und Wiedergutmachung. Die heute nicht mehr existente Behörde war ungeachtet ihres Namens in den Nachkriegsjahren dafür bekannt, dass sie es Überlebenden und Angehörigen schwer machte, wieder an abgepresstes, unterschlagenes oder gestohlenes Eigentum zu kommen.

Herkunft laut Überprüfung zweifelsfrei geklärt

Dass die Heilbronners rechtmäßige Besitzer des Gemäldes gewesen waren, ergab sich demnach bei der Prüfung aus den erhaltenen Unterlagen zweier Kunstgalerien. "Es ist eines der wenigen noch existierenden Zeugnisse des Lebens unserer Familie in Deutschland vor Verfolgung und Vertreibung", wurde Urenkel Paul Laporte in der Mitteilung zitiert. Die Familie Heilbronner war kunstsinnig: Der 1904 geborene Sohn Paul war selbst Maler und Kunsthistoriker und emigrierte ebenfalls, zunächst nach Italien, später ebenfalls in die USA, wo er den Nachnamen Laporte annahm.

Staatsgemäldesammlungen wollen Prüfung ihrer Bestände fortsetzen

Der in Karlsruhe geborene Maler Albert Lang (1847 - 1933) lebte ebenfalls lange in München, er war unter anderem mit dem bekannteren Arnold Böcklin befreundet. Die Opposition im Landtag hatte die Staatsregierung in den vergangenen Jahren mehrfach wegen langer Überprüfungen vor der Übergabe von NS-Raubkunst an Erben kritisiert. Die Staatsgemäldesammlungen würden sich weiterhin für die umfassende Erforschung der Herkunftsgeschichte ihrer Bestände sowie für die Restitution zu Unrecht entzogener Werke einsetzen, erklärte Leiter Anton Biebl.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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