Neuer Food-Trend in Bayern: Bei diesen Kunden ist der fränkische Döner besonders beliebt
Kross angebratenes Fleisch, ein fluffiger Fladen, bestreut mit hellen Sesamkörnchen. Dazu knackiges Kraut, zwei saftige Tomatenscheiben und eine würzig-scharfe Soße, die langsam in das Innere des Bratwurst-Döners sickert.
Richtig gelesen: Bratwurst-Döner. Statt Lammfleisch vom Spieß füllen hier Nürnberger Würstl das Brot. Diese fränkische Version des türkischen Klassikers geht in der Metzgerei Pfettner in Nürnberg mittlerweile jeden Mittwoch zu Hunderten über die Ladentheke.
Hype aus Nürnberger Metzgerei: Statt Lamm vom Spieß gibt es hier Bratwürste im Döner-Brot
Die Idee hat vor ein paar Wochen Verkäuferin Rosi Zenger, erzählt Metzgerei-Chef Wolfgang Pfettner der AZ. "Die Rosi hat vor Fasching einen Döner bei ihrem Dönerhändler gegessen und hat dann vorgeschlagen, ob das nicht auch was für uns wäre", erinnert sich der 57-Jährige.
Der Metzgermeister ist anfangs skeptisch: "Wir sind doch auf Bratwürste spezialisiert", gibt er zu bedenken. Doch für Verkäuferin Rosi ist das kein Hindernis, sondern die entscheidende Zutat für das gewisse fränkische Etwas: "Naja, dann machen wir halt einen Bratwurst-Döner." Und so haben sie es gemacht.

Die Fladen holt die Metzgerei jeden Mittwoch frisch von einem Dönerladen um die Ecke. Deshalb gibt es das Bratwurst-Sandwich im Dönerstyle übrigens auch nur einmal in der Woche: "Wir wollen unserem Dönermann keine Konkurrenz machen", erklärt Pfettner ganz kollegial.
Das ist drin im Bratwurst-Döner der Metzgerei Pfettner
In den frischen Fladen packen die Metzgereimitarbeiter dann Krautsalat, Tomatenscheiben, Lauchzwiebeln und ein paar Röstzwiebeln für den Crunch. Und das Wichtigste: die fränkischen Bratwürste. "Die braten wir vorher ganz normal, lassen sie dann abkühlen und schneiden sie in ganz dünne Scheiben. Die braten wir dann noch einmal kross an", so der Chef. Getoppt wird alles von einer der zwei Spezialsoßen, die der Koch der Metzgerei kreiert hat – einmal scharf und einmal klassisch.
Wie schmeckt der Döner? Ein Foodtrucker hat ihn getestet
Einer, der die Kreation getestet hat, ist Klaus Wünsch. Der 55-Jährige hat einen Foodtruck und probiert regelmäßig neue Food-Trends aus. Die Videos mit seinen Resümees im sympathischen fränkischen Dialekt stellt er auf seinen Social-Media-Kanälen "Hand Food" online.
Beim Bratwurst-Döner sei er zunächst skeptisch gewesen, sagte er der AZ. Er habe befürchtet, dass er zu trocken sein könnte oder es geschmacklich einfach nicht zusammenpasse. Doch das Gegenteil ist der Fall: "Er war wirklich gut."
Auf die Frage, ob der Döner trotz der deutlichen Abwandlung noch an das Original erinnere, meint Klaus Wünsch: "Im Kopf assoziierst du das schon ein bisschen mit dem Döner, weil halt dieser spezielle Gewürzgeschmack auf dem Brot ist, aber ansonsten ist das eigentlich wirklich ein eigenständiges Essen."
Keine Selbstverständlichkeit, dass auch viel junge Menschen in die Metzgerei kommen
200 bis 260 der Döner-Abwandlungen gehen jeden Mittwoch über die Theke der Metzgerei, sagt Pfettner. Zum Vergleich: Von "normalen" Mittagessen verkaufe die Metzgerei sonst etwa 60 bis 70 am Tag.
Das Publikum, das sich an dem neuartigen Döner versucht, sei bunt gemischt, erzählt der 57-Jährige. "Das geht vom Bauarbeiter bis zum Rechtsanwalt." Vor allem die Stammkundschaft greife gerne zu. Doch seit der Bratwurst-Döner im Internet die Runde macht, kämen auch immer mehr jüngere Kunden, um das Schmankerl zu kosten. "Wir haben drei Straßen weiter eine Berufsschule, da waren jetzt auch schon ganze Schulklassen da."
Den Metzgerei-Chef freut das ganz besonders – denn es sei heute keine Selbstverständlichkeit mehr, "wenn auch unter 20-Jährige den Weg in eine Traditionsmetzgerei finden".
Eine Metzgerei mit Tradition und experimentellem Geist
Wolfgang Pfettner führt die Nürnberger Fleischerei in der Ludwig-Feuerbach-Straße 42 in vierter Generation. 1928 wurde sie von dem Wandergesellen Christoph Stein gegründet, dem Urgroßvater von Pfettner.
Obwohl die Metzgerfamilie aus einem Repertoire an Fleischer-Wissen schöpfen kann, das über Generationen weitergegeben wurde, experimentiert sie auch gern. Der Bratwurst-Döner ist nicht die erste außerordentliche Kreation: Zur Weihnachtszeit gab es etwa schon Leberkäs mit Glühweinzwiebeln. Auch für den Sommer plant das Team ein Schmankerl auf Zeit.
Was genau das sein wird, will Wolfgang Pfettner noch nicht verraten. Nur so viel: "Es ist für den Grill zu Hause gedacht, kann aber auch bei uns in der Metzgerei direkt verzehrt werden." Bis zur großen Enthüllung bleibt es aber erst einmal beim Bratwurst-Döner. Den gibt es aktuell übrigens noch zum Einführungspreis von 4,90 Euro – ab April soll er dann 5,60 Euro kosten.
Wo kommt der Döner her und was bedeutet "Döner Kebab" eigentlich?
Eine Nürnberger Erfolgsgeschichte also? Sicherlich auch – doch sie ist vor allem eine Hommage an die türkische Küche. Denn ohne den klassischen Drehspieß-Imbiss gäbe es heute auch keine fränkische Variante in der Metzgerei Pfettner.
In Anatolien hat die Zubereitung von Fleisch am Drehspieß eine lange Tradition. Schon frühe Aufzeichnungen belegen, dass das Fleisch auch in Brot verkostet wurde. In der türkischen Millionenstadt Bursa soll das Gericht dann erstmals seinen typischen Namen "Döner Kebab" erhalten haben, was soviel bedeutet wie "(sich) drehendes Grillfleisch".

Anfang der 1970er-Jahre etablierte sich das türkische Drehspießfleisch – und mit ihm der Kebab im Fladen – auch in Deutschland. Das kulinarische Angebot wurde durch türkische Gastarbeiter bereichert, die mit ihren würzigen Gerichten Wumms in die Straßenküche der Deutschen brachten – zwischen Fischbrötchen und Leberkässemmel.
Mittlerweile bekommt man Döner beinahe an jeder Ecke – mal mit Kraut, mal mit Salat, mit ausgefallenen Soßen oder Falafel als vegetarische Variante. Seit Jahren greifen viele Menschen, vor allem die jüngeren, lieber zum Döner als zur Currywurst.
Der Döner ist also eigentlich eine türkische Erfolgsgeschichte – und bekommt nun in Nürnberg in der Metzgerei Pfettner einen fränkischen Dreh.
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