Starnberger See schon betroffen: Welche beliebten Ausflugsziele nun geschützt werden sollen

Aktuell ist beste Badezeit in Bayern. Doch Wassersportler und Badegäste können eine invasive Muschel-Art unbewusst verbreiten. Das Landratsamt Starnberg hat nun zahlreiche Hinweisschilder aufgestellt und will den Pilsensee und den Wörthsee dringend schützen. Welche Regeln gelten und wie es um den Ammersee und Starnberger See steht.
von  Rosemarie Vielreicher
Der Wörthsee ist ein beliebtes Ausflugsziel im Münchner Umland. Noch gibt es dort keinen Befall mit der Quagga-Muschel.
Der Wörthsee ist ein beliebtes Ausflugsziel im Münchner Umland. Noch gibt es dort keinen Befall mit der Quagga-Muschel. © imago/Philippe Ruiz

Muscheln sind beim Strandurlaub gern gesehen. Doch dieses Exemplar wollen daheim alle loswerden: die Quagga-Muschel. Die invasive und schädliche Süßwassermuschel kommt bereits im Bodensee und im Chiemsee vor. Ebenso im Starnberger und Ammersee.

Die anderen heimischen Seen sollen vor einem Befall geschützt werden. Es geht dabei mitunter um die bei Münchnern beliebten Badeseen Pilsensee und Wörthsee, wie das Landratsamt Starnberg mitteilt.

Dort wurden neue Hinweisschilder angebracht, um Badegäste und Wassersportler zu sensibilisieren. Insgesamt habe man an 22 Orten Infotafeln aufgestellt. Denn jeder See-Gast kann potenziell dazu beitragen, die Quagga-Muschel in neue Gewässer einzuschleppen.

Die Quagga-Muschel sorgt für viele Probleme

Was ist das Problem bei dieser Muschel? "Die Quagga-Muschel gilt als eine der invasivsten Süßwassermuscheln Europas und kann Gewässerökosysteme innerhalb weniger Jahre nachhaltig verändern. Die invasive Muschelart vermehrt sich in kurzer Zeit stark und kann dabei vielfältige Probleme verursachen", so die Behörde.

Überlingen am Bodensee: Das Rohr zeigt, wie sich die Quagga-Muschel vermehrt und ausbreitet.
Überlingen am Bodensee: Das Rohr zeigt, wie sich die Quagga-Muschel vermehrt und ausbreitet. © Felix Kästle/dpa

Zum Beispiel überwuchere sie Schiffsrümpfe und Bojen, verstopfe Wasser- und Abwasserleitungen, beschädige Fischernetze oder setze die Motorkühlung von Booten außer Betrieb.

Scharfe Kanten können für Badegäste gefährlich werden

Auch für Badegäste hat sie direkte Auswirkungen, weil sie scharfe Kanten hat. Zudem: "Auch aus ökologischer Sicht kann ihre Ausbreitung negative Auswirkungen haben, da sie etwa mit einheimischen Fischarten um Nahrung und Lebensraum konkurriert und diese nach und nach verdrängt."

Ursprünglich kommt die invasive Art aus dem Mündungsgebiet des Schwarzen Meeres.

Auf AZ-Anfrage teilt eine Sprecherin der Starnberger Behörde zur Lage am Ammer- und Starnberger See mit: "Bereits im vergangenen Jahr wurden genetische Analysen an Muscheln im Starnberger See und im Ammersee durchgeführt. Dabei wurde festgestellt, dass sich unter den untersuchten Exemplaren auch Quagga-Muscheln befinden."

Wohl noch "Anfangsstadium" an den zwei Seen

Wie schlimm ist die Ausbreitung bereits? Unklar. "Wie ausgeprägt der Befall ist, kann man nicht genau sagen. In beiden Seen dürfte es sich um das Anfangsstadium handeln."

Die Dreikantmuschel ähnelt der Zebramuschel und ist deswegen für Laien gar nicht so einfach zu erkennen.
Die Dreikantmuschel ähnelt der Zebramuschel und ist deswegen für Laien gar nicht so einfach zu erkennen. © imago/imageBROKER/Rolf von Riedmatten

Die bisher gute Nachricht: "Konkrete negative Auswirkungen wurden bisher noch nicht festgestellt. Aufgrund der oben genannten Gründe gilt es nun, alles zu unternehmen, die Verbreitung der Quagga-Muschel in den Seen zu verhindern."

Die KLAR-Regeln: Was Badegäste beachten müssen

Eine Maßnahme: die KLAR-Regeln. Die Abkürzung steht für Kontrollieren, Leeren, Abspülen und Ruhen. Es geht dabei um Wassersportgeräte und weitere Ausrüstung, die von See zu See zu möglichen Überträgern werden könnten.

Zunächst sollten Wassersportler also kontrollieren, ob sie mit einem Gegenstand in den zurückliegenden fünf Tagen in einem anderen Gewässer unterwegs waren.

Zwei SUP-Boards bei Possenhofen im Landkreis Starnberg.
Zwei SUP-Boards bei Possenhofen im Landkreis Starnberg. © imago/Ulrich Wagner

Mögliches Restwasser sollte sodann vollständig entfernt werden.

Im Anschluss sollten Badegäste und Sportler ihre Ausrüstung gründlich reinigen. Und dann für eine Trocknungsdauer von mindestens fünf Tage trocknen lassen. Dazu rät das Landratsamt Starnberg.

"Fällt die Kontrolle (K – Kontrollieren) positiv aus und sind sowohl A – Abspülen als auch R – Ruhen nicht möglich, sollte die Ausrüstung mit Quagga-Desinfektionstüchern auf Basis von Wasserstoffperoxid gereinigt werden. Diese sind am nächstgelegenen Kiosk erhältlich", heißt es in einer Mitteilung.

Larven auch an Badekleidung?

Können sich die Larven auch an Badekleidung wie Bikini und Badehose verbreiten? "Grundsätzlich ist das nicht auszuschließen. Darum empfehlen wir die Anwendung der KLAR-Regeln bei allen Gegenständen und Sachen, die mit Seewasser in Berührung kommen", so das Landratsamt Starnberg zur AZ.

Sascha Scharpff von der Unteren Naturschutzbehörde beim Aufstellen der Hinweisschilder zu den KLAR-Regeln.
Sascha Scharpff von der Unteren Naturschutzbehörde beim Aufstellen der Hinweisschilder zu den KLAR-Regeln. © Landratsamt Starnberg

Wie groß ist das Risiko für andere heimische Seen? Die Gefahr, auch Pilsensee und Wörthsee zu belasten, sei sehr hoch, "da die Larven der Quagga-Muschel mit bloßem Auge nicht sichtbar und nur unter dem Mikroskop erkennbar sind".

Muss man Funde melden?

Zudem bewegten sich die Larven frei im Wasser und könnten "durch Luftmatratzen, Boote, SUPs und andere Wassersportgeräte" übertragen werden. Auf Oberflächen hielten sie fünf Tage durch, in Restwasser noch länger.

Wie erkennt man die Quagga-Muschel? Sie ist eine recht kleine Dreikantmuschel mit einer Schalenlänge von bis zu drei Zentimetern. Ihre dunkel-hell gestreifte Schale erinnert an das Muster eines Quagga-Zebras. Die Quagga-Muschel ähnelt der bereits etablierten Zebra-Muschel stark. Für Laien ist es schwierig, sie auseinanderzuhalten.

Verdächtige Muschel-Funde brauche man übrigens nicht melden, so das Landratsamt auf AZ-Nachfrage. "Die Seen werden regelmäßig von Fachleuten beprobt. Das ist die effizienteste Art des Monitorings."

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