Naturschützer begrüßen Änderungen im Hochwasserschutz

Hochwasserschutz ist nötig - da sind sich alle einig: Aber wie - das ist strittig. Nun bekommt die Staatsregierung mit ihren Plänen unerwartete Schützenhilfe von den Naturschützern.
| dpa
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München (dpa/lby) - Im Streit um den Hochwasserschutz an der Donau bekommt die Staatsregierung Unterstützung vom Bund Naturschutz in Bayern (BN). Die Naturschützer begrüßen die Koalitionsvereinbarung von CSU und Freien Wählern, wonach auf die bisher geplanten Polder Bertoldsheim (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen) und Eltheim/Wörthhof (Landkreis Regensburg) verzichtet wird. Polder sind eingedeichte Rückhalteflächen, die bei Hochwasser geflutet werden können und so erhebliche Wassermassen aus den Flüssen nehmen.

Der BN betonte, er habe die Fixierung des Hochwasserschutzes in Bayern auf zentrale große Polder entlang der Donau schon immer sehr kritisiert. Die Wirksamkeit von Poldern sei begrenzt und im Ernstfall mit massiven Verlusten von Arten in den wertvollen Auen-Gebieten verbunden. Anstatt sich nur auf Abflussspitzen bei Extrem-Hochwasser an den großen Flüssen zu konzentrieren, habe der BN von Anfang an einen dezentralen ökologischen Wasserrückhalt im gesamten Einzugsgebiet und vor allem an den kleineren Zulaufgewässern gefordert. Dazu müssten auch Renaturierungen der zahlreichen kleinen begradigten Gewässer und Rückverlegungen von Deichen ins Hinterland gehören, was mehr natürlichen Überflutungsraum schaffe.

Der BN begrüßt daher auch die Formulierung im Koalitionsvertrag, wonach die Hochwasserschutzstrategie Bayern "stärker auf dezentrale Regenrückhaltung" ausgerichtet werden soll. "Das ist aus Sicht des BN der richtige Ansatz, die Hochwasserprobleme angesichts Klimawandel und zunehmender Starkregenereignisse an der Ursache anzugehen anstatt nur Symptome zu bekämpfen", erklärte BN-Landesvorsitzender Richard Mergner. Die bayerische Donau habe im Laufe der Jahre etwa 70 Prozent ihrer früheren Überschwemmungsflächen verloren, hieß es.

Der BN sieht die Staatsregierung nach deren neuen Akzenten nun aber in der Pflicht, genügend Fördermittel zur Verfügung zu stellen und eine groß angelegte Werbung für dezentralen ökologischen Hochwasserschutz zu starten. Denn dieser erfordere mehr Fläche und damit die Beteiligung von sehr viel mehr Eigentümern, Bewirtschaftern und Kommunen als bisher.

"Von der Verbesserung des Wasserhaushaltes durch intakte Moore, Feuchtgebiete, Gewässer und wasserspeichernde Böden profitieren die Menschen nicht nur bei Hochwasser, sondern auch in den durch den Klimawandel ebenfalls zunehmenden Trockenzeiten", sagte die stellvertretende BN-Landesvorsitzende Christine Margraf zu Synergieeffekten des ökologischen Hochwasserschutzes. All dies diene auch der Bodenqualität und dem Schutz vor Erosion.

Fünf Kommunen entlang der Donau hatten dagegen den geplanten Verzicht auf Polder kritisiert und sich an Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gewandt. Der beabsichtigte Verzicht auf bisher geplante 50 Millionen Quadratmeter Rückhaltebecken sei nicht hinnehmbar, hatten die Landräte von Deggendorf, Passau und Straubing-Bogen sowie die Oberbürgermeister von Passau und Straubing in einem Schreiben an Söder betont. Sie befürchten Nachteile für die donauabwärts gelegenen Gebiete. In den Landkreisen Deggendorf und Passau hatte 2013 ein Jahrhunderthochwasser enormen Schaden angerichtet.

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