Nach dem Beinahe-Unglück: Vietnam-Airlines-Jet hebt in München wieder verspätet ab
Nach dem Beinahe-Unglück einer Boeing 787-9 der Vietnam Airlines am Münchner Flughafen mussten Passagiere der Fluggesellschaft am Montag erneut Geduld aufbringen. Der Flug VN 34 sollte – wie bereits am Samstag – um 13.35 Uhr starten. Tatsächlich hob die Maschine erst um 15.57 Uhr ab.
Gewitter sorgen für Abfertigungsstopp
Grund für die Verspätung war nach Angaben eines Flughafensprechers die Wetterlage. Gewitter rund um den Flughafen führten zeitweise zu einem Abfertigungsstopp.
Der Vorfall vom Samstag beschäftigt derweil weiterhin die Experten. Die Boeing 787-9 war beim Start von der Südbahn erst hinter dem Ende der Startbahn abgehoben. Videos zeigen eine mächtige Staubwolke hinter der Maschine und heftige Erschütterungen in der Kabine.
Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt bezeichnete den Vorfall als Beinahe-Katastrophe. „Das hätte einen Feuerball mit hunderten Todesopfern geben können, wenn die Piloten die Maschine nicht noch hochgezogen hätten“, sagte er. Auch außerhalb des Flughafengeländes seien Menschen in Gefahr gewesen.

Nach Informationen der Plattform „Aviation Herald“ sollen vor dem Start mindestens die Bremsen auf der rechten Seite des Jets blockiert haben. Wegen der geringen Geschwindigkeit setzte das Heck der Boeing auf und wurde schwer beschädigt.
Rauch bei der Sicherheitslandung
Rund zwei Stunden später kehrte die Maschine nach München zurück. Vor der Landung überflog sie die Nordbahn zunächst zweimal in geringer Höhe. Bei einem solchen sogenannten Lowpass kann das Bodenpersonal nach sichtbaren Schäden suchen und diese an die Besatzung weitergeben.
Beim dritten Anflug landete die Boeing schließlich. Am Hauptfahrwerk war sofort Rauch zu sehen. Offenbar waren mehrere Reifen geplatzt und anschließend mit den Felgen und dem Asphalt in Kontakt gekommen. Videos zeigen, wie bei der Landung Teile davonfliegen. Die Passagiere blieben unverletzt und wurden nach der Landung mit Bussen in das Flughafengebäude gebracht.
Airline spricht von technischem Problem
Den Passagieren und der Besatzung gehe es gut, teilte Vietnam Airlines mit. Die Fluggesellschaft bestätigte ein "technisches Problem" - und entschuldigte sich "aufrichtig für die entstandenen Unannehmlichkeiten". Die Flugzeugbesatzung habe alle vorgeschriebenen Verfahren eingehalten.

Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung seien am Wochenende vor Ort gewesen, sagte ein Sprecher. Flugdatenschreiber und Voicerecorder seien sichergestellt und nun auf dem Weg nach Braunschweig. Die Untersuchung soll klären, was sich während des Vorfalls im Cockpit abgespielt hat. Sie werde mehrere Wochen in Anspruch nehmen, dann werde es zunächst einen Zwischenbericht geben. Bis zum Abschlussbericht dürften Monate vergehen.
Es lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös beurteilen, wieso die Maschine beim Start über das reguläre Ende der Startbahn hinausgeriet, erklärte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit. Für eine belastbare Bewertung lägen derzeit schlicht nicht genügend gesicherte Informationen vor. Aussagen zu möglichen technischen Faktoren seien Spekulation. Es gelte, die Untersuchungen und die Auswertung der entsprechenden Daten abzuwarten.
Piloten treffen Entscheidung zur Rückkehr
Die Entscheidung zur Rückkehr nach München sei im Cockpit getroffen worden, sagte die DFS-Sprecherin. Eine Rückkehr zum Startflughafen sei ein gängiges Prozedere bei derartigen Vorfällen. Dennoch hatte es rund zwei Stunden bis zur Landung gedauert.
Der Pilot habe vor der Landung in mehreren Schleifen den Flughafen überflogen und 60 Tonnen Kerosin ablassen müssen - Flugzeuge können nach dem Start zu schwer für eine sichere Landung sein.
Flughafen München sicherster Flughafen in Deutschland
Grundsätzliche Zweifel an der Boeing 787 sieht Großbongardt trotz des Vorfalls nicht: "Die 787 ist ein absolut sicheres Verkehrsflugzeug." Der Experte war bis 2004 Deutschland-Sprecher des US-Flugzeugbauers Boeing.
Die VC hatte den Flughafen München erst vor wenigen Tagen zum sichersten in Deutschland erklärt. Der Vorfall zeige, wie wichtig die vorhandenen Sicherheitsreserven rund um Start- und Landebahnen seien, hieß es nun. Ebenfalls positiv bewertete die Pilotenvertretung den inzwischen dauerhaften Betrieb von Lichtanlagen, die an den Zufahrten der Start- und Landebahnen im Boden eingelassen sind.
