Nach 50 Jahren Knast: "Mittagsmörder" kommt frei

Als brutaler "Mittagsmörder" wurde er vor Jahrzehnten bekannt: Ein damals 26-Jähriger ermordete Mitte der 60er fünf Menschen. Nach 50 Jahren in Haft kommt er nun frei. Ein "relativ einmaliger Fall".
| dpa
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Am 1. März wird Deutschlands längster Gefangener aus der JVA Straubing entlassen.
dpa Am 1. März wird Deutschlands längster Gefangener aus der JVA Straubing entlassen.

Nürnberg - Fünf Jahre mordete er in Nürnberg. Dann wanderte er ins Gefängnis - lebenslang. Jetzt nach 50 Jahren kommt Klaus G. alias der "Mittagsmörder" auf Bewährung frei.

Nach fast einem halben Jahrhundert im Gefängnis kommt der sogenannte Mittagsmörder in diesem März auf Bewährung frei. Der heute 74-Jährige hatte in den 1960er-Jahren fünf Menschen im Großraum Nürnberg umgebracht - und zwar stets um die Mittagszeit. 1967 sprach das Landgericht Nürnberg-Fürth den damals 26 Jahre alten Mann wegen fünffachen Mordes schuldig und verurteilte ihn zu lebenslanger Haft. Bislang waren seine Versuche, in Freiheit zu kommen, stets gescheitert. Das Risiko, dass der Mann erneut ein Verbrechen begehen könnte, wurde als zu hoch eingeschätzt.

2012 entschied das Nürnberger Oberlandesgericht (OLG) dann, dass der Rest der Haft zum 1. März 2015 zur Bewährung ausgesetzt wird. An dieser Entscheidung habe sich auch nach einem weiteren Sachverständigengutachten im Jahr 2014 nichts geändert, teilte OLG-Sprecher Michael Hammer am Dienstag mit - und daher komme der Mann nun frei. Bei der Einstufung des Mannes als nicht mehr gefährlich spielte auch sein fortgeschrittenes Alter eine Rolle.

Kaum ein anderer Häftling hat bisher so lange wie der "Mittagsmörder" im Gefängnis gesessen. Hammer bezeichnete den Fall als "relativ einmalig". 1965 wurde der Mann festgenommen. Zusammen mit der Untersuchungshaft wäre er im kommenden Juni 50 Jahre in Haft gewesen.

Da der 74-Jährige keine Verwandten hat, bei denen er unterkommen kann, soll er nach seiner Entlassung in einem Männerheim untergebracht werden, in dem er von Sozialarbeitern betreut wird. "Zwei Einrichtungen in Bayern sind bereit, ihn aufzunehmen", sagte Hammer. Wo diese sind, will die Justiz nicht sagen, um dem Mann eine Chance auf Resozialisierung zu geben.

In den vergangenen Jahren wurde der 74-Jährige auf sein Leben in Freiheit vorbereitet. Im Gefängnis bekam er von zahlreichen Neuerungen nur wenig mit. Wie mehrere Medien berichtet hatten, unternahm der Mann aus der Justizvollzugsanstalt in Straubing heraus unter Aufsicht Ausflüge mit anderen Häftlingen. Außerdem habe man ihm gezeigt, wie man Geld an einem Bankautomaten abhebt, was ein Smartphone ist und wie man in einem Discounter einkauft.

Im Jahr 2012 schrieb der Mann in einem Leserbrief an die "Hersbrucker Zeitung", er habe sich seit den Taten "vollkommen geändert". Er bereue sie zutiefst. Die Opfer und ihre Angehörigen täten ihm leid.

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