Mutter sagt im Prozess um verdurstetes Jesiden-Mädchen aus

Ein kleines, jesidisches Mädchen verdurstet angekettet in der Sonne, eine junge Deutsche schaut tatenlos zu: Die Vorwürfe gegen die mutmaßliche IS-Anhängerin Jennifer W. sind heftig. Nun hat eine Frau ausgesagt, die als wichtigste Zeugin in dem Terrorprozess gilt.
| dpa
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Eine Bronzestatue der Justitia steht in Frankfurt am Main. Foto: Arne Dedert/Archivbild
dpa Eine Bronzestatue der Justitia steht in Frankfurt am Main. Foto: Arne Dedert/Archivbild

München (dpa/lby) - Im Prozess um ein verdurstetes jesidisches Mädchen hat am Donnerstag die Frau vor dem Oberlandesgericht (OLG) München ausgesagt, die die Bundesanwaltschaft für die Mutter des toten Kindes hält. Die 47 Jahre alte Nora T. tritt als Nebenklägerin im Mordprozess gegen eine junge Frau aus Niedersachsen auf, die sich im Irak der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) angeschlossen haben soll.

Laut Anklage hielten Jennifer W. und ihr irakischer Ehemann gemeinsam Nora T. und deren kleine Tochter im Irak als Sklaven. Das fünfjährige Mädchen soll verdurstet sein, als es zur Strafe in praller Sonne - bei 45 Grad - angekettet wurde, weil es ins Bett gemacht hatte. Die 28-Jährige ist wegen Mordes und Kriegsverbrechen angeklagt.

Ranja habe ihre Tochter geheißen, sagte die Nebenklägerin vor Gericht. Der Name sei ihr vom IS gegeben worden. Auf die Frage, wie das Kind ursprünglich hieß, gab es unterschiedliche Angaben. Alles, was die Frau vor Gericht sagte, wurde mühsam aus dem kurdisch-irakischen Dialekt Kurmandschi übersetzt. Es gab immer wieder Verständigungsprobleme. Auf die Frage, wann ihre Tochter geboren wurde, sagte die 47-Jährige, sie könne sich nicht erinnern.

Die Angeklagte, die auch Mutter eines kleinen Mädchens ist, soll die Tat selbst einem verdeckten Ermittler bei einem erneuten Ausreiseversuch aus Deutschland in den Irak in einem verwanzten Auto geschildert haben. Auf die Nebenklägerin wurde die Bundesanwaltschaft erst nach Anklageerhebung aufmerksam.

Die Mitarbeiterin einer jesidischen Hilfsorganisation habe sie in einem Flüchtlingscamp im Irak getroffen und sei von ihrer Geschichte erschüttert gewesen, sagte die Frau im Juni als Zeugin vor Gericht. Als die Organisation dann von der Anklage gegen Jennifer W. in Deutschland gehört habe, habe sie Kontakt zur Justiz aufgenommen. Die Vernehmung von Nora T. ist nach Angaben des Vorsitzenden Richters auf vier Verhandlungstage angelegt.

Die bekannte Menschenrechtlerin Amal Clooney, Ehefrau von Hollywood-Star George Clooney, ist eine der Anwältinnen von Nora T., erschien aber bislang nicht vor dem Münchner OLG. Nach Angaben des jesidischen Hilfsorganisation Yazda ist es die weltweit erste Anklage wegen Straftaten von IS-Mitgliedern gegen die religiöse Minderheit der Jesiden.

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