Mückenplage in Bayern: Wie Sie sich schützen, worauf sie achten müssen

Am Ammersee muss ein Gasthaus abends schließen, weil die Gäste von Mücken zerstochen werden. Die Insekten würden immer aggressiver, sagt die Wirtin – stimmt das? Ein Biologe über die Moskito-Plage.
| Lisa Marie Albrecht, Natalie Kettinger
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Nervige Plagegeister: Eine Stechmücke beim Blutsaugen.
dpa Nervige Plagegeister: Eine Stechmücke beim Blutsaugen.

Wenn die Sonne sich in den Fenstern des roten Holzbaus mit den weißen Korbstühlen davor spiegelt, die Strahlen vom blauen Ammersee reflektiert werden, dann brummt das Geschäft von Wirtin Miriam Pavic – sollte man meinen. Für die Inhaberin des "Strandhaus" in Eching am Nordufer beginnt jetzt, wo die Temperaturen steigen, das Hauptgeschäft. Doch momentan brummt im Strandhaus gar nichts. Dafür sticht es umso mehr.

"Es ist so schlimm, dass man es sich nicht vorstellen kann", sagt Pavic der AZ – und meint damit die Mücken, die seit etwa zehn Tagen in so großer Zahl um ihre Gäste herumschwirren, dass einige sich nicht mehr trauen, auf der Terrasse des Restaurants zu verweilen. Deshalb musste sie in der vergangenen Woche an drei Tagen ihr Lokal schon früh am Abend schließen. Die Leute seien schon nicht mehr vom Parkplatz bis zum Strandhaus gekommen, so stark war die Plage, erinnert sich Pavic.

Viele Gäste hätten auch das Gefühl, dass die Stiche der Mücken wesentlich größer und schmerzhafter sind als früher. "Eine Frau sagte mir, sie habe drei Mückenstiche in die Kopfhaut bekommen." Babys und Kinder, die noch keine chemischen Mückenschutzmittel benutzen dürften, sähen aus wie von Windpocken übersät.

Ist die Mückenplage 2017 besonders schlimm?

Ist diese Mückenplage am Ammersee repräsentativ für Bayern? Viele haben heuer das Gefühl, dass die Moskitos nicht nur mehr, sondern auch gefährlicher werden.

Biologe Ernst-Gerhard Burmeister von der Zoologischen Staatssammlung in München gibt aber Entwarnung: Einen Anstieg der Mücken könne er nicht bestätigen. "Im letzten Jahr gab es aber so gut wie keine. Dadurch haben die Leute natürlich vergessen, wie es in den Vorjahren war."

Es stimme aber, dass in Überschwemmungsgebieten, zu denen auch der Ammersee zählt, mehr Mücken vorhanden sind, sagt der Professor. Dabei handelt es sich um die sogenannten Überschwemmungsmücken, die im Gegensatz zu den Hausmücken tagaktiv sind und ihre Eier auf trockene Gebiete legen, wohl wissend, dass diese irgendwann geflutet werden.

Große, rote Stiche – sind es Tropenkrankheiten?

Es gebe tatsächlich Belege, dass sich beispielsweise an den Rheinauen neue Mückenarten etabliert hätten, sagt Ernst-Gerhard Burmeister.  Auch die Malaria-Mücke ist in Deutschland heimisch.

Doch Angst vor Tropenkrankheiten wie Malaria oder Dengue-Fieber müssen Badende und Biergarten-Liebhaber trotzdem nicht haben. Denn um eine solche Krankheit zu übertragen, müsse sich die Mücke erst einmal selbst bei einem Kranken infizieren, sagt der Experte. Doch anders als in den Tropen sind diese möglichen Überträger hier meist in Krankenhäusern untergebracht und damit von Mücken abgeschirmt.

Was bleibt, sind die oft extrem roten, schmerzhaften und teilweise unnatürlich großen Stiche. Kann es nicht sein, dass diese von neuen Bakterien stammen, die die Stechmücken in sich tragen?

Burmeister hat eine andere Erklärung: "Wir werden sensibler." Schuld sind die Umwelteinflüsse wie Chemikalien oder Abgase, die auch immer mehr Allergien auslösen.

Deshalb reagieren wir wahrscheinlich auch auf die Stiche stärker als früher.

Es gibt ein Mittel gegen die Mücken – aber das hat Nebenwirkungen

Doch auch, wenn die Moskitos für uns weitgehend ungefährlich sind – lästig sind sie allemal. Strandhaus-Wirtin Miriam Pavic reicht es mit der Piekserei: Sie fordert eine biologische Bekämpfung der Plage, die so auch schon in den Rheinauen, am Chiemsee oder in den Amperauen bei Olching praktiziert wird. Dabei wird aus einem Bakterium ein Stoff gewonnen, der mit den Mückenlarven reagiert und sie zerstört.

BTI ist die Abkürzung für diese Methode, benannt nach dem Bakterium Bacillus thuringiensis israelensis. Mit der Initiative "Mückenplage – Nein, danke!" wirbt Pavic gemeinsam mit anderen Initiatoren, wie etwa dem Echinger Bürgermeister Siegfried Luge, für die Einsetzung des Bakterienstoffes auch am Ammersee. Schon über 1.000 Unterstützer haben unterschrieben, das Problem findet bei den Anwohnern großes Gehör. Pavic wünscht sich die Unterstützung aller Bürgermeister der Region. Dass die Bekämpfung nicht schon längst begonnen hat, ist für sie unverständlich.

Biologe Burmeister heißt die Stechmückenbekämpfung nicht gut. Zwar ist sie für den Menschen ungefährlich, allerdings würden durch die fehlenden Mücken andere Tiere ihre Nahrungsgrundlage verlieren, etwa Vögel oder Fledermäuse. Für Strandhaus-Wirtin und Anwohner wäre es eine Erleichterung.

An ein paar Tagen könne man es noch aushalten, sagt Pavic, viele Stammgäste brächten eigenen Schutz mit.

Das wirksamste Insektenabwehrmittel sei DEET, so der Experte. Übrigens auch gegen die Münchner Mücken, die dank der Regenfälle in Waldgebieten und rund um die Isar Probleme machen können. Aufs Badevergnügen muss hier aber keiner verzichten, sofern er sich gut einsprüht. Für viele andere Teile Bayerns heißt es aber weiterhin: in Deckung bleiben.

Lesen Sie hier: Zecken - So gefährlich sind sie, so schützt eine Impfung


Nervige Plagegeister: Eine Stechmücke beim Blutsaugen.
Nervige Plagegeister: Eine Stechmücke beim Blutsaugen. © dpa
In Deutschland weit verbreitet: die Gemeine Stechmücke. Foto:dpa

Tipps: So schützen Sie sich am besten vor Mücken und Moskitos

Martin Geier, Biologe aus Regensburg, der seit vielen Jahren zum Verhalten von Stechmücken forscht, hat drei Tipps, wie man sich davor schützen kann. Die Experten von Stiftung Warentest geben weitere Ratschläge.

Helle Kleidung: Dunkle Hemden und Hosen ziehen Mücken eher an als helle.

Wer sich also schützen will, sollte Schwarz von Kopf bis Fuß eher vermeiden. Sinnvoll ist natürlich auch lange Kleidung – dann haben die Mücken weniger Angriffsfläche.

Achtung: Auch die Knöchel sollten bedeckt sein: Die kleinen Blutsauger finden wirklich jede freie Stelle!

Mückenschutzmittel: Im Handel viele unterschiedliche Mückenschutzmittel, die auf die Haut aufgetragen werden. Häufig kommt der Wirkstoff DEET zum Einsatz, der einem Test von Stiftung Warentest zufolge am längsten hält. DEET gilt allerdings als schleimhautreizend.

Auch Mittel mit dem Wirkstoff Icaridin haben gut abgeschnitten.

Regentonnen abdecken: Stehendes Wasser ist Brutstätte für Mücken. Sinnvoll ist es daher, im Garten die Regentonnen regelmäßig zu leeren und abzudecken.

Nachcremen: Experten der Stiftung Wartentest weisen zudem darauf hin, dass die meisten Mückenschutzmittel wasserlöslich sind: "Reiben Sie sich daher nach dem Baden, oder wenn Sie stark geschwitzt haben, rechtzeitig wieder ein."

Warnung: Stiftung Warentest rät von der Nutzung von Biozidverdampfern ab.

"Die strombetriebenen Geräte verdampfen Insektizide gegen die Blutsauger – und können sie erfolgreich bekämpfen", so die Tester. "Doch je giftiger ihre Wirkung gegen Mücken, desto größer die Gefahr, dass die Chemikalien auch für Menschen und Haustiere ungesund sind."

Mücken in Deutschland: Die Exoten kommen

In Deutschland leben rund 50 Stechmücken-Arten – und es werden stetig mehr: Denn der Klimawandel bringt Moskitos in die Bundesrepublik, denen es hier noch vor wenigen Jahrzehnten zu kalt war. Einige Beispiele:

Asiatische Buschmücke: Dieser invasive Exot ist schon vor Jahren nach Süddeutschland eingewandert und breitet sich weiter Richtung Norden aus. Nachgewiesen wurde Aedes japonicus mittlerweile auch in Thüringen, Sachsen, Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Was die Art problematisch macht: "Sie kann prinzipiell beim Blutsaugen Krankheitserreger aufnehmen und beim nächsten Stich auch wieder abgeben, haben entsprechende Laborversuche ergeben", sagt Doreen Walther Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung bei Berlin, die gemeinsam mit ihren Kollegen den interaktiven "Mückenatlas Deutschland" erstellt (weitere Infos: www.mueckenatlas.de).

Asiatische Tigermücke: Auch der zweite eingewanderte Exot, Aedes albopictus, ist bereits vor einigen Jahren in Baden-Württemberg nachgewiesen worden. "Diese Mückenart ist als weitaus gefährlicher einzuschätzen. Weit mehr als 20 vor allem aus den Tropen bekannte Krankheitserreger kann sie nachweislich übertragen - darunter das Dengue-, Westnil- und Gelbfieber-Virus, aber auch das berüchtigte Zika-Virus", sagt Helge Kampen, Infektionsbiologe am Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit in Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern). Diese vier Krankheitserreger kommen hierzulande aber natürlicherweise nicht vor.

Die gute Nachricht: Die Tigermücke ist äußerst kältempfindlich und überlebt den deutschen Winter in der Regel nicht.

Ringelmücke: Ihr Verbreitungsgebiet reicht bis nach Nordafrika, Kleinasien und Vorderasien. Doch auch in Deutschland wurde Culiseta annulata schon nachgewiesen, oft in Gesellschaft der Gemeinen Stechmücke.

Das Problem: Ringelmücken sind mögliche Überträger des Tahyna-Virus.

"Unerträglich!" - Das Leid der Mücken-Opfer

Auf der Webseite der Initiative "Mückenplage – Nein, danke!" klagen viele Unterstützer der Initiative in den Kommentaren ihr Leid. Sie zeigen, dass das Problem nicht nur den Ammersee betrifft. Eine Auswahl:

"Man freut sich wochenlang, bis es endlich wieder wärmer wird und man draußen sitzen kann. Leider ist das bei uns im Garten nur möglich, wenn man sich entweder von Kopf bis Fuß mit starken Anti-Mücken-Mittel einreibt (...)oder sich unter ein Moskito-Netz verkriecht und sich darunter nicht mehr hervor wagt. Unbeschwertes Draußensein, Grillen oder auch nur Gartenarbeit – nicht möglich."

"Die Kinder müssen eingesprüht in den Kiga– die Kinder haben teilweise über 20 Stiche am Körper!!! Unerträglich für die Kleinen – vorallem kratzen die sich auf…"

"Auch am Wörthsee ist es zum Teil unerträglich!"

"So macht Ammersee keinen Spaß mehr und die Unternehmer gehen auf Dauer daran kaputt."

"2016 war es unerträglich in Berg / Aufkirchen. Hoffentlich kommt in Berg bald das versprochene BTI mit Hubschrauber-Einsatz (...)."

"Auch in Grafrath waren die letzten Jahre anstrengend und Aufenthalt im Freien nicht möglich.. Dampfschiff, Badestrand unerträglich. (...)Die Stiche extrem angeschwollen. (...) es muss etwas passieren!"

"Mücken sind sehr lästig und eventuell auch bald gefährlich. Ich meide Orte, an denen vermehrt Mücken auftreten und bin für eine biologisch verträgliche Lösung des Problems."

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