Mintgrüne Strandbar am Ammersee: Burger, Spritz und Sonnenuntergang

Eigentlich sollte es Salbeigrün werden. Dann öffnete der Maler den Farbtopf – und heraus kam ein Mintgrün. "Ich fand das mega-schön", sagt Tina Pachner (43) im Gespräch mit der AZ und lacht, "weil es genau der Farbton war, den ich mir eigentlich gewünscht hätte, aber mich gar nicht getraut habe vorzuschlagen." Jetzt leuchtet die kleine Hütte am Südostufer des Ammersees in Mintgrün und Rosa zwischen den Bäumen, überall stehen kleine Froschfiguren und davor wartet der See. Wer einmal da war, versteht schnell, warum die Stammgäste die beiden Betreiber nur noch "die Frösche" nennen.

Tina Pachner und Andy Prach (46) haben den Froschgartl am Badegelände Wartaweil zu Ostern übernommen. Drei Monate ist das her – und trotzdem fühlt es sich an, als wären die zwei schon immer hier gewesen. Der Bürgermeister von Andechs ist Stammgast, eine Truppe junger Handwerker kommt täglich in der Mittagspause zum Burgeressen, und zwei Gäste, die sie erst seit dem Frühjahr kennen, sind bereits auf ihre Hochzeit eingeladen. "Wir wurden so toll hier angenommen", sagt Prach. "Das ist Wahnsinn."
Vom Party-Steg in die Idylle
Prach kennt das Geschäft am See. Vier Jahre lang hat er den Steg 1 am Starnberger See geleitet. Dort haben sich die beiden auch kennengelernt. Irgendwann war es Zeit für etwas Eigenes. "Wenn du jemanden über dir hast, bist du manchmal eingeschränkt", erzählt der 46-Jährige. "Und wenn du was Eigenes hast, kannst du dich das erste Mal voll entfalten."

Das Eigene fanden sie hier in Wartaweil. Die Vorpächter hatten den Kiosk nur ein Jahr betrieben. Pachner und Prach krempelten im Winter alles um. Die Rollenverteilung ist klar: Er macht Organisation und Abläufe, sie, gelernte Grafikdesignerin und nebenbei noch in Teilzeit Flugbegleiterin bei der Lufthansa, den kreativen Part.
Burger, Burger, Burger
Wofür der Froschgartl schon vorher bekannt war, das haben die beiden verfeinert. "Wir verkaufen am Abend wirklich Burger und Burger und Burger", so Prach. Die Patties kommen jetzt von einem Metzger aus der Region, die Burgersoße ist selbst gemacht. Die Zwiebeln werden in Butter angeschmolzen, und wenn der Duft über die Liegewiese zieht, weiß man am Froschgartl, dass gleich Rushhour ist. Tagsüber sei es hier entspannter, am Abend bilde sich meist eine Schlange bis fast zur Wiese hinunter.

Wer kein Fleisch isst, wird trotzdem satt: Es gibt einen Kimchi-Burger mit knusprigem Kimchi-Patty und Spicy Mayo (11,50 Euro), eine vegane Currywurst (11,50 Euro), Reiberdatschi mit Apfelmus (6,80 Euro). "Mir ist wichtig, dass wir auch die Vegetarier und Veganer abholen", sagt Pachner. Dazu kommen Kiosk-Klassiker wie Currywurst mit Pommes (10,50 Euro). Am Wochenende gibt es Steckerlfisch, die Backfischsemmeln (6,50 Euro) werden in Fischform serviert, und wer Glück hat, bekommt vom Ofen weg ein warmes Franzbrötchen (3,50 Euro) am besten mit Cappuccino (4,50 Euro). Und manchmal entsteht etwas ganz spontan, auf Wunsch der Kunden. "Das sind die Kleinigkeiten, die das Leben ausmachen", sagt Prach. "Ich kann es dir hinfuttern, damit es einfach das Geld ist – oder ich mache es mit Herz."
Ein Spritz in Froschgrün
Die neueste Erfindung des Hauses ist der Froschgartlspritz (7,50 Euro): Prosecco, Orangensaft, Blue Curaçao – das Ergebnis ist ein sattes Froschgrün. Überhaupt, die Spritzkarte: Es gibt einen Weißbierspritz aus Aperol, Limettensaft und Holunderblütensirup, aufgegossen mit Weißbier, Schaumkrone inklusive (7,50 Euro). Freitags heißt es "Spritz & Chips" – jeder Spritz sieben Euro, Chips gibt's dazu, "so ein bisschen wie in Italien". Für Mädelsabende zum Sonnenuntergang gibt es Spritztower zum Einhängen der Gläser.

Der Sonnenuntergang ist ohnehin das heimliche Hauptgericht. Das Badegelände liegt am Ostufer, der Blick geht über den See auf Dießen und an klaren Tagen bis zu den Alpen. Ab und an kommt Livemusik dazu: Neulich spielte eine Lehrerband der Carl-Orff-Schule aus Dießen, "die Leute haben getanzt, alles war in goldenes Licht getaucht. Ich bekomme in solchen Momenten immer Gänsehaut", erzählt Pachner.
"Ich glaube, man zieht immer das an, was man ausstrahlt"
Was den Froschgartl ausmacht, ist dieses Gemeinschaftsgefühl, das die beiden ganz bewusst pflegen. Als an einem Sonntag die Tomaten ausgingen, postete Pachner kurzerhand auf Instagram: "Wer hat noch Tomaten zu Hause?" Und es meldeten sich tatsächlich einige Leute. Wenn die Schlange am Wochenende zu lang wird, gehen die beiden mit Haribo-Fröschen durch die Reihe: "Jeder kriegt einen Geduldsfrosch." Am Fenster empfängt Prach seine Gäste mit einem "Schön, dass du da bist" – oder auch mit seinem Lieblingsspruch: "Was kann ich dir heute antun?" Die Liegestühle darf man sich kostenlos nehmen, mit der Bitte, sie beim Gehen zurückzubringen. Es funktioniert. "Ich glaube, man zieht immer das an, was man ausstrahlt", so die 43-Jährige.

Jüngster Zugang im Team ist eine mintgrüne Piaggio Ape, die hinter der Hütte parkt. Künftig sollen aus dem Dreirad Kaffee oder Crêpes verkauft werden, im Winter vielleicht Froschburger auf Tour. Daneben gibt es eine kleine Strandbar samt Mini-Konzeptstore. Die Flugbegleiterin verkauft hier Fundstücke aus der ganzen Welt: Popcorn aus New York, Taschen und Sarongs aus Thailand und noch vieles mehr.
Eine Hochzeit in Orange und Pink
Und dann ist da noch die Hochzeit. In vier Wochen heiraten die beiden, an ihrem zweiten Jahrestag, drüben am Starnberger See auf dem Museumsschiff MS Tutzing. Motto: "That's Amore", Deko in Orange und Pink. Am Tag danach folgt ein Frühstück mit allen Gästen – natürlich hier, am See.
"Ich bin überzeugt: Was du ins Universum raussendest, kommt zu dir zurück", sagt Pachner. "Ich hab den Andy beim Universum bestellt." Sie hat damals eine Liste geschrieben, was ihr wichtig sei – und bei ihm überall einen Haken setzen können. Nach einer Woche habe sie zu ihm gesagt: Mit dir könnte ich mir vorstellen, eine Beachbar zu eröffnen. Jetzt stehen sie hier, sieben Tage die Woche und denken sogar schon über Glühwein und Feuertonnen im Winter nach.
Neuigkeiten auf Instagram
Der Froschgartl liegt am Badegelände Wartaweil, Wartaweil 82 in Andechs, und hat sieben Tage die Woche geöffnet, warme Küche gibt es ab 11.30 Uhr – mindestens bis Mitte September, wahrscheinlich länger.

Wer öffentlich anreist, nimmt die S8 bis Herrsching und dann den Bus Richtung Weilheim bis zur Haltestelle Wartaweil – oder spaziert am Ufer entlang. Was gerade los ist, posten die Frösche auf Instagram unter @froschgartl.kiosk.