Interview

Michaela Kaniber zu Covid-19: "Angst? Ein schlechter Ratgeber"

Kaniber ist Bayerns Ministerin für Landwirtschaft und Abgeordnete für das vom Coronavirus stark betroffene Berchtesgadener Land - was sie zu sagen hat.
| Clemens Hagen
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Bilderbuchkulisse: Das Örtchen Schönau im Berchtesgadener Land, von wo aus die Ausflugsboote über den Königssee ablegen (Archivbild von 2018).
Bilderbuchkulisse: Das Örtchen Schönau im Berchtesgadener Land, von wo aus die Ausflugsboote über den Königssee ablegen (Archivbild von 2018). © Lino Mirgeler/dpa

München - AZ-Interview mit Michaela Kaniber: Die 43-jährige CSU-Politikerin ist seit 2013 Landtagsabgeordnete für den Stimmkreis Berchtesgadener Land und seit 2018 Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. In der AZ spricht sie über das Coronavirus und eine Ausgangsbeschränkung im Berchtesgadener Land.

Michaela Kaniber (CSU), Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.
Michaela Kaniber (CSU), Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. © Peter Kneffel/dpa

AZ: Frau Kaniber, wie konnte es soweit kommen, dass ausgerechnet in Ihrer idyllischen Heimat, dem Berchtesgadener Land, quasi über Nacht Deutschlands schlimmster Corona-Hotspot entsteht?
MICHAELA KANIBER: Leider sind für das Virus Idylle oder Sympathie keine Kriterien. Wir haben immer davor gewarnt: Das Virus ist hoch ansteckend und gefährlich. Jetzt muss der Schutz von Gesundheit und Leben im Vordergrund stehen. Es geht darum, die weitere Ausbreitung des Infektionsgeschehens einzudämmen. Ich bin zuversichtlich, dass die Gesellschaft jetzt zusammenhält und die Maßnahmen verständnisvoll unterstützt.

Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe? Eine überfüllte Shisha-Bar in Freilassing, der kleine Grenzverkehr mit Österreichs Hotspot Kuchl oder liegt es doch an den vielen Tagestouristen, die täglich über den Königssee geschippert werden?
Vermutlich waren es mehrere Gründe, die hier zusammenkommen. Dass wir mit dem Salzburger Land und mit Hallein von Gebieten mit hohem Infektionsgeschehen umgeben sind, kann einer der Auslöser sein. Eine Region mit hoher Mobilität ist immer stärker gefährdet als andere. Ursachenforschung und das Nachverfolgen von Verbreitungswegen sind wichtig, Schuldzuweisungen helfen aber nicht weiter. Wir müssen jetzt nach vorne schauen. Deshalb danke ich den Verantwortlichen vor Ort, allen voran Landrat Bernhard Kern, dass schnell Maßnahmen ergriffen wurden, um eine weitere Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Vorsichtsmaßnahmen: "Mehr Normalität ermöglichen"

Landrat Kern bezeichnet den Lockdown als nötig, hofft aber auf mehr Normalität nach den Herbstferien. Teilen Sie seinen Optimismus?
Zunächst einmal haben wir keinen Lockdown, sondern eine Ausgangsbeschränkung. Allen Entscheidungsträgern ist der Ernst der Lage bewusst. Wenn jetzt alle an einem Strang ziehen, wenn Vorsicht und Umsicht, Rücksichtnahme und Disziplin beherzigt werden, können wir die Kurve wieder abflachen. Alle Bewohner in den betroffenen Gebieten haben es in der Hand, dass wir durch umsichtiges Verhalten wieder ein Stück mehr Normalität ermöglichen.

Wie groß ist die Gefahr, dass die Krankenhäuser in Ihrem Stimmkreis durch Covid-19-Patienten überlastet werden?
Genau das wollen wir verhindern, indem wir jetzt weitreichende Vorsichtsmaßnahmen ergriffen haben. Alle Reaktionen und Stimmen, die mich in meiner Heimat erreichen, zeugen von großem Verantwortungsgefühl. Leider spiegelt sich die hohe Zahl an Infektionen auch in den Aufnahmen in die örtlichen Krankenhäuser wider. Wir sehen die Entwicklung mit Sorge und werden sie weiter beobachten.

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Ihre Familie lebt im Berchtesgadener Land - wie groß ist Ihre persönliche Angst vor einer Corona-Infektion? Und wie überzeugen Sie Ihre drei Töchter?
Derzeit bin ich als Ministerin und Stimmkreisabgeordnete stark gefordert. Aber man kann nicht völlig abschalten, dass man auch Ehefrau und Mutter ist. Und natürlich macht man sich auch Sorgen um seine Liebsten. Angst ist aber ein schlechter Ratgeber. Wir sind vorsichtig in unserer Familie und alle beherzigen die bekannten Vorsichtsmaßnahmen. Es gibt keine Garantie, sich nicht anzustecken, aber wir tun alles, um die Risiken zu minimieren. Meine Töchter sind ja nicht mehr klein und agieren da sehr verantwortungsvoll.

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