Mehr Geld für den Kinderschutz: Ministerium will 1,7 Millionen Euro investieren

Die Befürchtung, während Corona komme es zu mehr Gewalt gegen Kinder, lässt sich mit Zahlen bislang nicht belegen. Das ist aber kein Grund zur Freude.
| Lea Kramer
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Ministerin Carolina Trautner (l.).
Ministerin Carolina Trautner (l.). © Lea Kramer

Bayern - In Bad Kissingen stand kürzlich ein katholischer Priester vor Gericht, der eine Zwölfjährige mehrfach schwer missbraucht hat. In Karlsfeld soll ein Mann eine vierjährige Bewohnerin einer Asylunterkunft missbraucht haben.

Diese Taten sind keine Einzelfälle. In Bayern werden Kinder und Jugendliche täglich geschlagen, vergewaltig, körperlich oder seelisch misshandelt oder vernachlässigt. Um Minderjährige besser zu schützen, hat das Bayerische Staatsministerium für Familie ein Gesamtkonzept entwickelt - und will künftig weitere 1,7 Millionen Euro investieren.

Grüne: Bayern beim Thema Kinderschutz nur Mittelfeld

Die Kinderschutzambulanz am Institut für Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität ist seit drei Jahren Teil des Konzepts. "Wir haben in Bayern einen einzigartigen Dreiklang bestehend aus den Erziehungsberatungsstellen, den koordinierten Kinderschutzstellen der Jugendämter und der Kinderschutzambulanz geschaffen", sagt Familienministerin Carolina Trautner (CSU).

Die Opposition im Landtag klingt weniger positiv. Nach Angaben der Grünen liegt Bayern beim Thema Kinderschutz im gesamtdeutschen Vergleich nur im Mittelfeld.

Seit Beginn der Coronakrise ist der Druck in vielen Familien gestiegen. Zu Ausgangsbeschränkungen kommt in vielen Fällen noch finanzielle Not. Bereits zu Beginn der Pandemie hatten Schutzorganisationen vor zunehmender häuslicher Gewalt gewarnt.

Angehörige können sich telefonisch beraten lassen

In den Zahlen der Kinderschutzambulanz spiegelt sich die Befürchtung nicht wider. "Wir haben genauso viele körperliche Untersuchungen wie im vergangenen Jahr", sagt Leiterin Elisabeth Mützel. Die Ambulanz hat im vergangenen Jahr 90 Fälle vor Ort in München betreut.

Darüber hinaus begleiten zehn Ärzte sowie eine Sozialarbeiterin niedergelassene Kinderärzte bayernweit. In einem Onlineportal können sie Verdachtsfälle anonym hochladen und mit den Experten evaluieren. Darüber hinaus haben Angehörige, medizinisches Personal oder Mitarbeiter von Kindertageseinrichtungen die Möglichkeit, sich 24 Stunden am Tag telefonisch beraten zu lassen.

Die Rechtsmediziner prüfen so jeden Tag durchschnittlich mindestens einen Verdachtsfall, dokumentieren Verletzungen, sichern Beweise und stellen Diagnosen.

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