"Mehr als idyllische Postkartenmotive": Diese denkmalgeschützten Almen in Bayern sind etwas Besonderes

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege verweist auf Almwirtschaften mit besonderer Historie. Ein Blick hinter die Kulissen – und vier Ausflugstipps.
von  Anne Hund
Die Bäckeralm bei Inzell. Die Alm und der ehemalige Stallstadel sind bis heute weitgehend originalgetreu erhalten.
Die Bäckeralm bei Inzell. Die Alm und der ehemalige Stallstadel sind bis heute weitgehend originalgetreu erhalten. © BLfD

Während man in Oberbayern von der Alm spricht, heißt sie im Allgäu zumeist Alpe. Blickt man auf ihre jeweilige Entstehungsgeschichte zurück, wird dem Betrachter schnell klar, was die historischen Alm- und Alpgebäude in den bayerischen Bergen verbindet: Funktional mussten sie sein, den Extremen der Natur standhalten und aus Materialien errichtet sein, die vor Ort in ausreichenden Mengen vorhanden waren.

Landesamt für Denkmalpflege über denkmalgeschützte Almen in Bayern

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) verweist auf genau solche traditionsreichen Gebäude, die bis heute von der jahrhundertealten Nutzungsgeschichte der Alpen zeugen. "Unsere denkmalgeschützten Almen sind weit mehr als idyllische Postkartenmotive", sagt der Generalkonservator Mathias Pfeil des BLfD. Sie seien "lebendige Zeugnisse unserer Kulturgeschichte". Menschen hätten diese funktionalen Bauten so konstruiert, "dass sie Jahrhunderte unter Extrembedingungen überstanden haben".

Und, so Pfeil: "Von diesen Denkmälern lesen wir heute nicht nur die Geschichte der Alm- und Alpwirtschaft ab, sie zeugen auch von der Handwerkskunst und einer beeindruckenden Genügsamkeit der frühen Älpler."  Die AZ stellt hier einige der vom Landesamt erwähnten denkmalgeschützten Almen im Freistaat vor. Wer zum Beispiel in den Sommerferien noch nach einem schönen Ausflugsziel sucht, kann das Ganze außerdem gern mit einer Wanderung verbinden. 

Bäckeralm bei Inzell

Die Bäckeralm (eine 1799 errichtete Einfirstanlage) liegt an der Südseite des Teisenberges auf rund 1067 Metern Höhe. "Die Bäckeralm wird seit der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg gastronomisch genutzt, Alm und ehemaliger Stallstadel sind dennoch bis heute weitgehend originalgetreu erhalten", schildert das BLfD zur Historie. Eine massive Trennwand zum ehemaligen Stall zeuge noch vom Standort der einstigen offenen Feuerstelle, die Holzbalkendecken der Räume seien "rauchgeschwärzt". Der Name gehe auf den ersten Besitzer zurück: Aus dem Hofnamen "Beim Bäck" entwickelte sich die heutige "Bäckeralm".

Die Bäckeralm bei Inzell. Die Alm und der ehemalige Stallstadel sind bis heute weitgehend originalgetreu erhalten.
Die Bäckeralm bei Inzell. Die Alm und der ehemalige Stallstadel sind bis heute weitgehend originalgetreu erhalten. © BLfD

Die Alm ist bis Mitte Oktober täglich geöffnet. Tipp: Ab dem Wanderparkplatz Adlgaß dem Weg Nr. 29 über die Forststraße folgen, die in einer Weggabelung mündet. Weiter geht es über naturbelassene Wege vorbei an einer Forsthütte und einer Almwiese. Anreise: über die Bundesstraße 306 bis Inzell (und zum Wanderparkplatz in der Ortsmitte). Oder man steigt am Bahnhof Traunstein in den Linienbus der RVO bis Inzell und nimmt den Dorflinien-Bus bis zum Wanderparkplatz.

Staffelalm am Rabenkopf bei Jachenau

Die rund 1320 Meter hoch gelegene Staffelalm unterhalb des Rabenkopfs wurde um 1868 errichtet. Ihre ursprüngliche Ausstattung ist bis heute erhalten. Juwel im Inneren der Alm: zwei Wandmalereien von Franz Marc, ein Kuhkopf sowie die "grünen Hirsche". Der Maler verbrachte zu Beginn des 20. Jahrhunderts wiederholt die Sommermonate auf der Staffelalm und ließ sich dort zu diversen Tier- und Landschaftsstudien inspirieren.

Die ursprüngliche Struktur und Ausstattung der Alm ist bis heute erhalten.
Die ursprüngliche Struktur und Ausstattung der Alm ist bis heute erhalten. © Maria Mangold

Hirsch und Hirschkuh seien aber erst in den 1990ern vom BLfD freigelegt worden, so die Experten. Zuvor habe die Kunstwerke über Jahrzehnte hinweg ein dicker Kalkanstrich überdeckt. Dem Almpersonal seien die Darstellungen der Hirsche als zu abstrakt erschienen, heißt es, weshalb sie damals überweißelt worden seien.

Während des Almsommers kann man an schönen Tagen (dienstags bis sonntags) auf der bewirtschafteten Staffelalm einkehren. Bei unbeständigem Wetter sollte man sich vorher informieren, ob sie geöffnet ist. Eine zweistündige Wanderung führt ab Pessenbach (über die Orterer Alm) zur Staffelalm. Start: Parkplatz/Bushaltestelle Pessenbach. Der MVV-Bus (Linie 392) fährt ab Kochel am See zur Haltestelle "Pessenbach".

Alpe Breitengehren im Rappenalptal

Die Alpe Breitengehren im Rappenalptal liegt rund 1150 Meter hoch. Der "erdgeschossige Blockbau mit Satteldach" zeichne sich durch eine "im Allgäu ungewöhnliche Bauweise" aus, teilt das BLfD mit: "Beidseitig sind Ställe angeordnet und umgeben die Sennküche sowie den Wohnbereich in der Mitte." Erstmals urkundlich erwähnt worden sei die Alpe 1746 – "eine dendrochronologische Untersuchung der verbauten Hölzer erbrachte eine Datierung des in die heutige Zeit überlieferten Gebäudekerns um 1803".

Ein schönes Ausflugsziel im Sommer: die Alpe Breitengehren im Rappenalptal im Oberallgäu.
Ein schönes Ausflugsziel im Sommer: die Alpe Breitengehren im Rappenalptal im Oberallgäu. © Alpe Breitengehren


1894 habe Prinzregent Luitpold die Alpe erworben und sie in sein Jagdgebiet eingegliedert, den "Prinzenbogen". Rund 100 Jahre später sei die Alpe als Teil des Prinzenbogens vom Haus Wittelsbach verkauft worden und gehöre "seit 2006 zur Manfred Kurrle Naturschutzstiftung Allgäuer Hochalpen".

Die im Sommer bewirtschaftete Sennalpe ist bei schönem Wetter montags sowie donnerstags bis sonntags (jeweils 11 bis 17 Uhr) geöffnet. Eine eineinhalbstündige Wanderung ist ab dem Parkplatz Fellhornbahn möglich. Alternative: Am Bahnhof Oberstdorf die Buslinie 7 bis Haltestelle "Alpe Eschbach" nehmen und in 45 Minuten gemütlich zur Alm hinauf wandern. 

Buchrainer Alpe bei Oberstdorf

Die Buchrainer Alpe bei Oberstdorf liegt auf etwa 1129 Metern Höhe am Eingang des Rappenalptals. Von dort aus blickt man auf die Allgäuer Bergwelt mit Mädelegabel, Trettachspitze und Hochfrottspitze. "Die Alpe geht in ihrer Geschichte bis ins 17. Jahrhundert zurück und wurde 1889 von Prinzregent Luitpold erworben, der sie in sein Jagdrevier einbezog", schildert das BLfD die Historie.

Das heutige Gebäude ist ein "erdgeschossiger Blockbau mit flachem Satteldach und charakteristischem Längsschopf", der im frühen 19. Jahrhundert weitgehend neu errichtet worden sei. Die Alpe wurde "wechselweise als Senn- und Galtalpe" genutzt.

Willkommen am Berg: die malerisch gelegene Alpe im schönen Oberallgäu.
Willkommen am Berg: die malerisch gelegene Alpe im schönen Oberallgäu. © Buchrainer Alpe

Während des Alpsommers ist die Buchrainer Alpe normalerweise täglich geöffnet (weitere Infos unter www.alpe-buchrainer.de). Zu Fuß (oder auch mit dem Radl) ist sie gut erreichbar. Beispiel: Ab dem Fellhornbahn-Parkplatz dauert die Wanderung ungefähr eine Stunde. Oder man nimmt am Oberstdorfer Bahnhof die Buslinie 7 bis zur Haltestelle "Birgsau" und geht von dort aus eine gute halbe Stunde hinauf zur Alm.

 

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