Man darf ja doch zum Wandern ins Risikogebiet Tirol

Österreichs Tourismus klagt über die Reisewarnung. Doch viele wissen nicht: Bergsport und Tagesausflüge sind für die Bayern weiter möglich - auch ohne Quarantäne.
| Klaus Wiendl, Lisa Marie Albrecht
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Zwei Wanderer bewundern den Achensee in Tirol - und wer nicht zu lange bleibt, kann es ihnen trotz Einreisebeschränkung gleichtun.
Zwei Wanderer bewundern den Achensee in Tirol - und wer nicht zu lange bleibt, kann es ihnen trotz Einreisebeschränkung gleichtun. © imago images / Westend61

Innsbruck - Die Stimmung der österreichischen Touristiker ist am Nullpunkt. Nach der Reisewarnung von deutscher Seite am Freitag reisten viele Urlauber überstürzt aus Tirol ab. Doch zumindest für Tagesausflügler gibt es Ausnahmeregelungen, was offenbar nur wenige wissen.

Der Corona-Hotspot in Tirol ist Innsbruck. Knapp 200 Infizierte sind dort aktuell registriert. Deutlich entspannter ist die Lage in den Grenzregionen wie Scharnitz und Ehrwald. Von dort werden aktuell keine Neuinfektionen gemeldet. Umso befremdlicher ist daher für die Touristiker in den Nachbarregionen die generelle Reisewarnung aus Deutschland.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hatte das gesamte österreichische Bundesland zum Risikogebiet erklärt. Demnach müssen sich Urlauber 48 Stunden vor oder nach der Einreise auf Corona testen lassen und sich bis zur Vorlage des Ergebnisses in Quarantäne begeben.

Bleibt dies so, fürchten Hoteliers und Bahnbetreiber im Nachbarland um die bestehenden Buchungen für die Herbstferien. Ein Strich durch die Rechnung wäre dies auch für den Skitourismus über Weihnachten. Viele Hoteliers würden sich daher überlegen, im Winter gar nicht mehr aufzusperren, klagen die Verantwortlichen von 34 Tourismusverbänden.

Ihr Unmut über die verhängte deutsche Reisewarnung ist groß. Sie hatten gehofft, dass Tirol doch nicht auf die rote Liste in Deutschland gesetzt wird. "Immerhin stammen 50 Prozent der Übernachtungen von deutschen Gästen", so Florian Phleps von der Tirol Werbung.

Bergfexe fürchten nach Söders Ansage um ihren Ausflug

Für Tagesausflügler aus Deutschland aber gibt es einen Lichtblick, der in den ständig wechselnden Reiseregelungen offenbar unterging: Wer sich weniger als 48 Stunden im Nachbarland aufgehalten hat, muss sich nach der Einreise nicht in Quarantäne begeben.

Einige bayerische Bergsportfreunde fürchteten um ihren nächsten Ausflug, nachdem Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im Vorfeld des Supercups in Budapest ("Fußball-Ischgl") eine Verschärfung der Einreiseverordnung verkündet hatte. Diese sieht auch für kulturelle und sportliche Veranstaltungen eine Quarantänepflicht vor.

Doch sie können aufatmen: Einzelne Wanderer und Tagesausflügler sind davon nicht betroffen. Auch Berufspendler sind weiterhin größtenteils aus dem Schneider.

Konkret heißt es dazu in der Verordnung über Quarantänemaßnahmen für Einreisende zur Bekämpfung des Coronavirus (EQV), in der Fassung vom 23. September: Von der Quarantänepflicht ausgenommen seien Personen, "die sich weniger als 48 Stunden im Ausland aufgehalten haben und deren Aufenthalt im Ausland nicht der privaten Teilnahme an einer kulturellen Veranstaltung, einem Sportereignis, einer öffentlichen Festivität oder einer sonstigen Freizeitveranstaltung gedient hat".

Die Behörden raten jedoch davon ab, sich unnötig ins Hotspot-Gebiet Innsbruck zu begeben. "Unabhängig davon empfiehlt die Staatsregierung Besuche in Risikogebieten auf das erforderliche Mindestmaß zu beschränken, vor allem für Besuche in Risikogebiete zu rein touristischen Zwecken", so eine Ministeriumssprecherin.

Ischgl lädt Ministerpräsident Söder zum Besuch ein

Etliche Wanderer aus Bayern wussten offensichtlich davon oder ließen sich nicht von den Reisewarnungen abhalten. Denn hoch über Achensee und Inntal hat Stefan Bichl von den Reisehindernissen am Sonntag "nichts bemerkt.

Die Stammgäste von euch waren alle da", sagt der Wirt des Berggasthofs Astenau Alpe auf knapp 1.500 Metern Höhe. Doch im Tal sei die Situation prekärer: "Einige Hotels werden jetzt wohl früher zusperren."

Derweil lädt Ischgl Markus Söder zu einem Besuch im Paznauntal ein. Denn es sei "unfair", dass er Ischgl "bei jeder sich bietenden Gelegenheit für Corona-Vergleiche heranzieht", beklagt der Tourismusverband in einem Brief an den Ministerpräsidenten. Er solle sich nun sein eigenes Bild von den "Anstrengungen in Ischgl" machen.

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