Luther und Gesang: Darum geht es am Reformationstag
Als Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine Thesen öffentlich macht, kann niemand ahnen, dass mehr als fünf Jahrhunderte später an diesem Abend Kürbislaternen leuchten, verkleidete Kinder um die Häuser ziehen und Menschen sich auf zig Partys gruseln. Für die evangelische Kirche ist der 31. Oktober trotz aller Halloween-Begeisterung in Deutschland vor allem Reformationstag und damit ein wichtiger Gedenktag.
"Martin Luther und andere Reformatoren wollten die Kirche erneuern und das Evangelium ins Zentrum rücken. Entscheidend war die Erkenntnis: Gottes Liebe und Gnade sind ein Geschenk an uns Menschen und können nicht verdient werden", teilte die Landeskirche mit. "Aus dieser Bewegung gingen die evangelischen Kirchen hervor."
Bayerns evangelische Geschichte
Bayern gilt heute weitgehend als katholisches Land, obwohl vor allem in Franken auch die protestantische Bewegung von Bedeutung war: Als erste Reichsstadt wurde in Nürnberg die Reformation 1525 offiziell eingeführt. Gottesdienst gefeiert und gepredigt wurde fortan nur noch nach lutherischem Bekenntnis, katholische Bräuche wie Prozessionen und Reliquienverehrung wurden abgeschafft. Zwei der zentralen Kirchen in Nürnberg - St. Sebald und St. Lorenz - sind heute noch bedeutsame Gotteshäuser des Protestantismus.
Auch in Regionen wie um Ansbach, um Hof, Coburg oder Bayreuth gibt es noch mehr Protestanten als Katholiken. Die Veste Coburg spielte sogar unmittelbar in den Jahren nach Luthers Thesenanschlag eine zentrale Rolle - der Reformator verbrachte dort 1530 einige Monate, weil er unter Reichsacht stand und so nicht in katholisches Gebiet zum Reichstag nach Augsburg reisen durfte. Bei seinem Aufenthalt in Coburg entstanden zahlreiche Briefe und Schriften, zudem predigte er in der Kirche St. Moriz.
Im Süden des heutigen Freistaats freilich entstand ein Bollwerk gegen den Protestantismus - das Kurfürstentum Bayern blieb streng katholisch. Doch nicht nur das: München wurde zu einem Zentrum der Gegenreformation. Sichtbares Zeichen ist die Kirche St. Michael in der heutigen Fußgängerzone, die als bauliches Symbol der damaligen Stimmung im durch und durch katholischen München galt. So hatte die Reformation auch direkten Einfluss auf das Münchner Stadtbild.
"Alle sollten mitsingen können"
Zum Reformationstag in Bayern feiert Landesbischof Christian Kopp einen Gottesdienst im unterfränkischen Kitzingen. Dabei soll vor allem der Gesang im Mittelpunkt stehen - denn die evangelische Kirche erinnert aktuell an den bekannten Liederdichter Paul Gerhardt ("Geh' aus, mein Herz, und suche Freud"), der vor 350 Jahren starb. "Die Reformation war auch eine Singbewegung. Martin Luther wollte, dass die Menschen ihren Glauben nicht nur hören, sondern selbst zum Ausdruck bringen. Alle sollten deshalb mitsingen können", sagte Kopp.
Zu Luthers Zeiten war es in der katholischen Kirche üblich, dass nur Messgesänge auf Latein zu hören waren, die einfachen Gläubigen konnten weder mitsingen noch verstehen, worum es ging. Inzwischen freilich singen auch die Katholiken in ihrer Landessprache - und manchmal auch Lieder von Paul Gerhardt.
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