Ludwigschorgast: Drama um Paul (2) - ein Ort unter Schock

Ein Bub entwischt aus dem Kindergarten - und ertrinkt in einem Wasserbecken. Ein Markt in Oberfranken trauert. Wer hat Schuld?
| Helmut Reister
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Trauer um den kleinen Paul. Der Zweijährige ertrank im fränkischen Ludwigschorgast in einem Wasserbecken. (Symbolbild)
imago images/Wedel/Kirchner-Media Trauer um den kleinen Paul. Der Zweijährige ertrank im fränkischen Ludwigschorgast in einem Wasserbecken. (Symbolbild)

Bayreuth – In der ländlichen Idylle des Frankenwalds, in der oberfränkischen Marktgemeinde Ludwigschorgast (1.000 Einwohner), ist ein Albtraum zur Wirklichkeit geworden. Alle stehen nach dem Tod des kleinen Paul (2) unter Schock.

Wie Paul an einem Dienstag Ende Juli unbemerkt den Kindergarten verlassen und trotz eines Zauns und dichter Bewachsung auf das Nachbargrundstück gelangen konnte, lässt sich zweifelsfrei nicht mehr rekonstruieren. Am tragischen Geschehen ändert das nichts. Paul ertrank in einem eineinhalb Meter tiefen Wasserbecken.

Die Frage, was in den etwa 45 Minuten nach Pauls Verschwinden bis zu seinem Auffinden auf dem Nachbargrundstück passierte, ist für die Staatsanwaltschaft und die Kriminalpolizei aus Bayreuth die zentrale Frage. Sie haben wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ein Ermittlungsverfahren gegen die drei Erzieherinnen des Kindergartens eingeleitet.

Die Erzieherinnen, die Eltern - in Ludwigschorgast kennt jeder jeden

In den überschaubaren gesellschaftlichen Strukturen einer Gemeinde von der Größenordnung Ludwigschorgasts wiegt ein derart tragisches Geschehen besonders schwer. Hier kennt jeder jeden, die Erzieherinnen genauso wie die Eltern von Paul, für die er ein lang ersehntes Wunschkind war. Sie mussten seelsorgerisch betreut werden, als sie vom Tod ihres Sohnes erfuhren.

Tränen konnte einem Bericht der Lokalzeitung zufolge selbst Bürgermeisterin Doris Leithner-Bisani nicht zurückhalten, die von einem "entsetzlichen" Vorgang sprach und trotzdem auch die Erzieherinnen nicht aus den Augen verlor. Sie seien völlig am Boden zerstört, erklärte sie.

Nur drei Tage vor Pauls Tod gab es in der Kindertagesstätte nur Lachen und strahlende Gesichter. Nach einer umfassenden Renovierung war die Einrichtung im Beisein der Kinder, Eltern, Erzieherinnen und zahlreicher Gäste mit einer großen Feier eingeweiht worden. Umso tiefer fiel dann der Schmerz über den Tod des Buben aus.

Kinder fanden den toten Paul im Wasser

Den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler zufolge unternahmen die Erzieherinnen zusammen mit Kindern aus der Mittagsbetreuung und Privatpersonen eine Suchaktion. Kinder waren es dann auch, die Paul auf dem Nachbargrundstück leblos in dem Wasserbecken entdeckten. Ersthelfer von Rettungsdienst und Feuerwehr unternahmen noch Reanimationsversuche - vergeblich. Wenig später wurde in der Intensivstation der Bayreuther Kinderklinik der Tod des Kindes festgestellt.

Der Kulmbacher Rechtsanwalt Alexander Schmidtgall warnt vor schnellen Vorverurteilungen. Er vertritt jene der drei Erzieherinnen, die speziell für die Betreuung von Paul zuständig war. Rein juristische Aspekte wie etwa die Frage, ob überhaupt ein Sorgfaltspflichtverstoß seiner Mandantin und ihrer Kolleginnen festgestellt werden kann, ist für den erfahrenen Strafverteidiger aber nur die eine Seite.

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Auch für die Betreuerin ist es eine Tragödie, sagt ihr Anwalt

Wie groß der Schmerz der Eltern über den Verlust ihres Kindes unter den Umständen ist, steht für den Anwalt völlig außer Frage. "Das", sagt er, "kann vielleicht nur jemand ermessen, der das selbst erleben musste." Seinen Worten zufolge ist Pauls Tod, völlig unabhängig von der juristischen Bewertung am Ende der Ermittlungen, aber auch eine menschliche Tragödie für die Erzieherin, die er vertritt. "Die moralische Schuld wird sie bis an ihr Lebensende begleiten."

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