Ludwig-Legende: Das Rätsel um die Nixe vom Badersee

Der Badersee ist berühmt für sein glasklares Wasser und birgt ein Geheimnis: Die Statue einer Nixe ist dort versenkt worden, angeblich mit den Gesichtszügen von Lola Montez. Doch wer hat die Skulptur veranlasst und was hatte König Ludwig II. damit zu tun? Eine Spurensuche.
von  Rosemarie Vielreicher
Im Badersee befindet sich die Figur einer Seejungfrau. Um sie ranken sich Legenden, die mit dem Kini zu tun haben.
Im Badersee befindet sich die Figur einer Seejungfrau. Um sie ranken sich Legenden, die mit dem Kini zu tun haben. © imago/stock&people

Die Pegel an Flüssen und Seen sind in den zurückliegenden Hitze-Wochen in Bayern massiv gesunken. Sei es am Chiemsee, dem Starnberger See, dem Bodensee oder an der Donau.

Auch ein Naturjuwel nahe der Zugspitze war betroffen: der Badersee. Sowohl der Bürgermeister von Grainau als auch das an den Badersee grenzende und gleichnamige Hotel Das Badersee bestätigen der AZ auf Nachfrage im August, dass der Wasserstand niedriger als üblich war.

Bürgermeister Stephan Märkl teilte sogar mit, er habe so einen niedrigen Wasserstand am Badersee noch nie gesehen.

Geheimnis im Wasser: eine rätselhafte Nixe

In Zusammenhang mit niedrigem Wasserstand muss die AZ an eine Besonderheit im Badersee denken: Während die großen Touristenmassen in der Regel zum Eibsee strömen, birgt der kleinere, klare Badersee ein Geheimnis. Eine Nixe ruht dort mehrere Meter tief im Wasser. Um sie rankt sich eine märchenhafte Legende rund um Ludwig II.

Die lebensgroße Skulptur im Badersee.
Die lebensgroße Skulptur im Badersee. © imageBROKER/Martin Siepmann

Wie Rüdiger Liedtke und Jochen Reiss in ihrem Buch "111 Orte Ludwigs II., die man gesehen haben muss" schreiben, fand der Kini das Gewässer anziehend: "Auch Ludwig II. ist vom Badersee fasziniert, den ihm der Revierförster zeigt. Gemeinsam machen sie Brotzeit am Ufer, dann lässt sich der König übers Gewässer rudern."

Das Geheimnis um Ludwig II. und seine Badersee-Faszination

Der Wittelsbacher habe sogar von einem neuen Jagdschloss dort geträumt, ihm wird davon abgeraten. Trotzdem soll er sich dort verewigt haben: "Er lässt eine menschengroße Nixe modellieren und auf einem Felsplateau in fünf Metern Tiefe versenken." So steht es jedenfalls in dem Buch.

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Aber hatte die Nixe wirklich mit Ludwig II. zu tun? Und wie bekommt man sie zu Gesicht? Was man wissen muss: Man darf im Badersee nicht schwimmen. Vom Hotel heißt es: "Der See befindet sich in Privatbesitz und steht unter Naturschutz. Zudem ist das Wasser durch unterirdische Grundwasserquellen extrem kalt und erreicht selbst im Hochsommer selten mehr als elf bis 14 Grad Celsius."

Vor der Kulisse der Zugspitze spazieren Besucher am Ufer entlang, unter der glasklaren Oberfläche ruht die sagenumwobene Nixe.
Vor der Kulisse der Zugspitze spazieren Besucher am Ufer entlang, unter der glasklaren Oberfläche ruht die sagenumwobene Nixe. © imago

Aber: Man kann sich in dem Hotel ein Ruderboot ausleihen. Wenn nicht gerade der Wasserstand zu niedrig ist. Vom Boot aus soll die Nixe gut zu sehen sein.

Verwirrung um Datum für die versenkte Skulptur

Nun zu der Sache mit dem Kini. Auf der Seite des Hotels heißt es ebenfalls: "Der Legende nach soll König Ludwig II. eine Bronzefigur von Lola Montez versenkt haben, deren Züge noch heute im Wasser zu erkennen sind." Lola Montez war die Geliebte seines Großvaters König Ludwig I. von Bayern, wegen der Tänzerin dankte er 1848 ab.

In der Zeitachse für diese Kini-Legende wird auf der Homepage aber das Jahr 1896 angegeben. Da war der Kini schon zehn Jahre tot. Er starb 1886 im Starnberger See. Da kann etwas nicht stimmen.

Ludwig II. und sein Leibarzt Bernhard von Gudden.
Ludwig II. und sein Leibarzt Bernhard von Gudden. © imago

Vom Hotel heißt es auf erneute AZ-Nachfrage: "Ein genaues Datum oder Jahr für das Versenken der Badersee-Nixe ist nicht überliefert; es gibt nur eine Legende."

Von einem Zusammenhang mit dem berühmten Wittelsbacher weiß das Haus der Bayerischen Geschichte nichts. Weitere Historiker können der AZ dazu ebenfalls keine Auskunft geben. Eine Nixe, viele Fragezeichen.

Wanderführer aus Grainau mit anderer Theorie

Das Haus der Bayerischen Geschichte verweist allerdings auf einen Geologischen Wanderführer der Gemeinde Grainau aus dem Jahr 2004. Dieser ist im Netz abrufbar und auf Seite 12 steht eine andere, weniger royale Erklärung für die Figur im Wasser: "Einige Meter westlich der Insel liegt auf einem Felsblock in einer Wassertiefe von rund fünf Metern die lebensgroße Bronzeguss-Skulptur einer Nixe."

Und weiter: "Die Gattin des damaligen See-Eigentümers Staatsrat Rudhart von Schwaigwang ließ dieses Kunstobjekt Mitte des 19. Jahrhunderts anbringen. Es war nicht zuletzt diese Skulptur, die dem See zu seiner Bekanntheit verhalf."

Rund drei Kilometer vom Badersee entfernt liegt der deutlich bekanntere Eibsee am Fuß der Zugspitze.
Rund drei Kilometer vom Badersee entfernt liegt der deutlich bekanntere Eibsee am Fuß der Zugspitze. © imago/Marius Bulling

Auch der Bürgermeister von Grainau hält diesen Ursprung für zutreffend. Für Erzählungen rund um die Wittelsbacher gibt es aus seiner Sicht keine Belege.

Ob es nun der Kini war oder nicht: Gefallen hätte ihm dieses Rätsel mit Sicherheit, ist er doch bekannt für dieses Zitat: "Ein ewig Rätsel will ich bleiben, mir und anderen."

Und das Ruderboot, das man sich im Hotel bei ordentlichem Wasserstand ausleihen kann, heißt passend zur Legende: Lola.

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