Ludwig Hartmann: Das ist eine Riesenchance für Landwirte und Natur

Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann nimmt im AZ-Interview Stellung zu den Vorwürfen des Bauernverbandes. "Wir brauchen wir mehr Anstrengungen für den Schutz unserer Tiere und Pflanzen", sagt er.
| Interview: Natalie Kettinger
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Chef der Grünen-Fraktion im Bayerischen Landtag: Ludwig Hartmann
Armin Weigel/dpa Chef der Grünen-Fraktion im Bayerischen Landtag: Ludwig Hartmann

Ludwig Hartmann ist Chef der Grünen-Fraktion im Bayerischen Landtag - die AZ hat mit ihm gesprochen.

AZ: Herr Hartmann, die Grünen sind gegen die von der Staatsregierung angestrebte Aufnahme des Klimaschutzes als Verfassungsziel, aber Mitinitiatoren des Volksbegehrens "Rettet die Bienen". Wie passt das zusammen?
LUDWIG HARTMANN: Wir Grünen sind für eine "Verfassungsänderung plus". Wie der Name schon sagt, müssen zusammen mit der Verfassungsänderung konkrete Maßnahmen für mehr Klimaschutz in Bayern beschlossen werden. Denn Klimaschutz ist mehr als ein Wort, sondern braucht politische Vorgaben und Ziele für die erneuerbare Stromversorgung, erneuerbare Wärme und eine Verkehrswende mit Vorfahrt für Bus, Bahn und Fahrrad. Nur so kann auch Bayern die Pariser Klimaziele erreichen.

Warum ist eine Neugestaltung des Bayerischen Naturschutzgesetzes notwendig?
Jetzt sprechen wir über das Volksbegehren Artenschutz. Wir erleben ganz konkret auch in Bayern das größte Aussterben von Tier- und Pflanzenarten seit dem Verschwinden der Dinosaurier. Der Igel, der Feldhase, der Kiebitz und eben nicht zuletzt die Wildbiene: Alles frühere "Allerweltsarten", die heute auf der Roten Liste stehen und dramatisch weniger geworden sind. Das dürfen wir nicht zulassen und deshalb brauchen wir mehr Anstrengungen für den Schutz unserer Tiere und Pflanzen.

Hartmann: Bio-Anbau große Chance für Bauern

Der Bauernverband spricht von "Bauernbashing". Haben Sie etwas gegen Landwirte?
Wir machen das Volksbegehren in erster Linie für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt in Bayern. Und wir machen den Bauern ein attraktives Angebot: Stellt um auf Ökolandbau, produziert damit gesunde, gute Lebensmittel im Einklang mit der Natur und wir werden Euch fördern und unterstützen. Wir sind heute nicht in der Lage, in Bayern die Nachfrage nach biologisch angebauten Lebensmitteln aus eigener Produktion zu decken. Da liegt für unsere Landwirte eine Riesenchance – und damit auch für unsere Natur, die Tiere, die Pflanzen.

Die Bauern befürchten, dass sie Subventionen verlieren, wenn Umweltschutzmaßnahmen zum Gesetz werden, die sie bislang freiwillig erbringen. Das klingt nach einer berechtigten Sorge, oder?
Freiwillig und Subvention – das ist doch ein Widerspruch in sich. Es gibt Maßnahmen, wie die Einführung verpflichtender Uferrandstreifen entlang unserer Gewässer, damit Dünger und Ackergifte nicht auf Dauer auch in unserem Trinkwasser landen, die sind einfach ein Muss. Das machen alle anderen Bundesländer längst so, das muss auch Bayern so machen und da gibt es nichts zu subventionieren. Ansonsten gilt: Durch das Volksbegehren geht kein einziger Euro an Agrarfördermitteln verloren. Im Gegenteil: Die Staatsregierung muss die Fördermittel aufstocken. Und am Ende sind es doch auch unsere Bauern, die von einer intakteren Natur profitieren, weil dort hochwertigere Lebensmittel gedeihen, die auf dem Markt einen besseren Preis erzielen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Forderung nach 30 Prozent Öko-Landwirtschaft bis 2030. Für so viele Bio-Produkte fehle der Absatzmarkt, argumentieren die Bauern. Das Überangebot würde die Preise kaputtmachen und das Sterben kleiner Höfe beschleunigen. Wie lässt sich das verhindern?
Die Nachfrage nach ökologischen Lebensmitteln nimmt Jahr für Jahr stärker zu, als deren Produktion durch neue Biobauern in Bayern. Deshalb müssen wir Unmengen von Bioprodukten importieren. Das ist die Grundlage, auf der wir diskutieren. Natürlich kann es in einzelnen Marktsegmenten auch mal ein Überangebot geben. Dass der Bauernverband jetzt aber ausgerechnet das Beispiel Biomilch anführt, ist ein wenig absurd.

Warum?
Der Milchmarkt ist seit Jahrzehnten der Markt mit den größten Überkapazitäten in der europäischen Landwirtschaft. Hier muss man Lösungen suchen, die langfristig tragen. Mir scheint der Vorstoß der Molkereien, Milch aus Anbindehaltung nicht mehr abzunehmen, ein bemerkenswerter Schritt. Die Verarbeiter handeln schließlich stellvertretend für die Verbraucher. Und die wollen ganz offensichtlich, dass die Kuh, deren Milch sie trinken, ein lebenswertes Leben führen kann.

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