Lilienthal über südfranzösische Verhältnisse in Bayern

Deutschland sollte nach Ansicht des scheidenden Münchner Kammerspiel-Intendanten Matthias Lilienthal mit Blick auf die Corona-Pandemie deutlich mehr Theatervorstellungen ins Freie verlegen. "Sollte der Bund nicht eine Anschubfinanzierung vorlegen, um Open-Air-Bühnen für freie Gruppen und Stadttheater zu schaffen?", sagte der 60-Jährige der Deutschen Presse-Agentur anlässlich seines Abschieds aus München.
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Matthias Lilienthal schaut in die Kamera. Foto: Peter Kneffel/dpa
dpa Matthias Lilienthal schaut in die Kamera. Foto: Peter Kneffel/dpa

München - Deutschland sollte nach Ansicht des scheidenden Münchner Kammerspiel-Intendanten Matthias Lilienthal mit Blick auf die Corona-Pandemie deutlich mehr Theatervorstellungen ins Freie verlegen. "Sollte der Bund nicht eine Anschubfinanzierung vorlegen, um Open-Air-Bühnen für freie Gruppen und Stadttheater zu schaffen?", sagte der 60-Jährige der Deutschen Presse-Agentur anlässlich seines Abschieds aus München. "Open air ist etwas mehr möglich, als in geschlossenen Räumen, das muss zum Bestandteil des Denkens werden." Er ist überzeugt, dass das Virus noch länger Thema sein wird. "Ich glaube nicht an ein Wundermittel am 1. Januar 2021."

Vorbild könnte Südfrankreich sein: "Ich wäre für ein großes Theaterfestival in Deutschland à la Avignon, wo 80 Prozent der Aufführungen Open Air stattfinden." Und er schlägt schon gleich einen Ort vor, ein berühmtes Kloster im Süden Münchens: "Andechs würde sich dafür ideal eignen." Schließlich habe München mittlerweile so ein Wetter wie Avignon.

In wenigen Tagen wird Lilienthal München nach fünf Jahren als Intendant der Münchner Kammerspiele verlassen und Platz für seine Nachfolgerin Barbara Mundel machen. Dann kehrt er nach Berlin zurück. Er freut sich nach eigenen Angaben auf seine alte Heimat, wo er früher etwa am Hebbel am Ufer war. Doch die Stadt habe sich drastisch verändert. "Der Prenzlauer Berg ist total verschickimickisiert. Neukölln und Kreuzberg sind die gehypten Viertel und Mitte hat einen Totalabsturz hinter sich. Da ist inzwischen nicht mehr der aufregende Tourismus, sondern eher das übliche Elend deutscher Innenstädte, wo kein Mensch mehr wohnt und nur noch teure Geschäfte sind."

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