Liegt hier das Gold der Nazis?

1267 Meter über dem schwäbischen Ort Pfronten thront die Ruine der Burg Falkenstein. Ein geheimnisvoller Mythos zieht Schatzsucher an.
| Birgit Klimke
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Geheimnisumwitterer Felsen: Rund um die Burgruine schießen Pflanzen ins Kraut – und Gerüchte.
imago Geheimnisumwitterer Felsen: Rund um die Burgruine schießen Pflanzen ins Kraut – und Gerüchte.

Pfronten - Es ist nicht mehr als ein Gerücht. Trotzdem lockt die alte verfallenen Burg Falkenstein bei Pfronten jede Menge Abenteurer und Schatzjäger an. Angeblich sollen Nazis in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs auf dem Berg einen geheimnisvollen Goldschatz versteckt haben. „Es hat immer wieder Leute gegeben, die hier nachGold suchen“, berichtet der Pfrontener Heimatforscher Bertold Pölcher. Gefunden habe man nichts – bislang. Auch gebe es keine Hinweise oder Augenzeugen, die dem Mythos eine Grundlage geben könnten. „Aber solange die Leute daran glauben wollen, werden die Gerüchte nicht verstummen.“

Auch Hubert Haf kennt die Erzählungen vom vermeintlichen Schatz. Wie viele andere Pfrontener hat er nicht mehr als ein Schmunzeln dafür übrig. Doch im vergangenen Herbst hat es dem 73-Jährigen mächtig Ärger eingebracht. Fünfmal waren Goldgräber in seinen Feldstadel unterhalb der Burgruine eingebrochen. „Die haben das Schloss aufgebrochen, den Holzboden aufgerissen und einfach drauflos gegraben. Immer an einer anderen Stelle.“ Gestohlen wurde bei den nächtlichen Einbrüchen im Abstand von vier bis sechs Wochen nichts, sagt Haf. „Darum ging es ihnen nicht. Die haben alle Sachen weggeräumt, damit sie an den Boden hinkommen.“ Durch einen Bewegungsmelder wurden die Einbrecher schließlich überführt und von der Polizei geschnappt. Es waren zwei Männer aus Tirol.

Mit einem der Einbrecher haben sich Haf und sein Sohn sogar später noch einmal zum gemeinsamen Graben getroffen. „Wir wollten, dass endlich Ruhe ist. Er sollte sehen, dass es keinen Schatz gibt.“ Schon lange vor dem Einbruchwaren Haf die Geschichten um das Nazi-Gold bekannt. „Man erzählt sich, dass der Falkenstein von der SS von Oktober 1944 bis März 1945 abgesperrt war. Man weiß aber nicht, was da los war.“ Haf kennt auch Erzählungen über einen Goldtransport Anfang 1945 von München nach Kempten, dessen Spur sich danach verliert.

Diese Gerüchte blieben nicht ohne Folgen. So kamen nach Hafs Angaben in den 50er Jahren Suchmannschaften aus ganz Europa an den Falkenstein. „Aber gefunden wurde nichts.“ Wie Heimatforscher Pölcher sagt, sind der angebliche Goldschatz und die vielen Geschichten über ihn nicht erst seit der Nazi-Zeit ein Thema in dem Allgäuer Ferienort. „Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte von Pfronten.“ Der Grund ist wohl der Falkenstein – Deutschlands höchstgelegene Burgruine.

„In alten Sagen werden Burgen gerne mit einem vergrabenen Schatz in Verbindung gebracht.“ Laut Pölcher gibt es ein altes Pfrontener Spottgedicht aus dem Jahr 1840, das von einem Mann handelt, der dort oben einen Schatz heben wollte und dabei von anderen Männern reingelegt wurde. Noch viel weiter zurück liege eine Sage der Venediger, wonach ein unterirdischer Gang vom Falkenstein nach Füssen existiert, in dem unermessliche Schätze untergebracht sind. Legenden über einen Goldschatz gibt es laut Pölcher auch im Zusammenhang mit König Ludwig II., der die Burgruine Falkenstein 1883 kaufte, um an ihrer Stelle eine romantische Märchenburg im Stil von Schloss Neuschwanstein zu errichten.

Nach den Erzählungen soll Ludwig II. bei seiner Flucht mit einer Kutsche königliches Gold dort hinauf gebracht haben. „Es ist unglaublich, wie viele solcher Geschichten im Laufe der Jahre weitergegeben wurden.“ Wie Pölcher sagt, ist der Falkenstein aber nicht der einzige Ort im Ostallgäu, an dem Schatzsucher Wertvolles vermuten. Auch über den Alatsee halten sich Gerüchte, wonach die Deutsche Reichsbank dort zum Ende des Zweiten Weltkriegs einen Goldschatz versenkt haben soll. „Damit muss man leben. Es gibt in Deutschland viele Orte, die Anlass für Spekulationen geben“, sagt Pfrontens Bürgermeister Beppo Zeislmeier. Dass die Ruine Falkenstein dazu gehört, wundere ihn nicht.

Weit sichtbar ragt sie auf einem schroffen Felsen in 1267 Meter Höhe über Pfronten. „Eine solche Burg eignet sich immer für spannende Geschichten.“

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