LGCY: Was steckt hinter Dennis Schröders vier Buchstaben?

Die herkömmlichen Basketball-Bühnen dieser Welt hat Dennis Schröder quasi durchgespielt. WM-Finale in Manila, EM-Endspiel in Riga, dazu große Playoff-Partien der NBA von Los Angeles im Westen bis New York an der Ostküste Amerikas. Es gibt fast nichts mehr, was für den 32 Jahre alten Profi der Cleveland Cavaliers neu sein könnte - an diesem Samstag wartet dennoch eine Premiere auf Schröder.
Denn der Kapitän und seine Nationalmannschaftskollegen Franz Wagner, Andreas Obst und Isaac Bonga schlüpfen in Rollen, die im Fußball seit einigen Jahren vergeben sind. Denn was Gerard Piqué (Kings League), Mats Hummels (Baller League) und Toni Kroos (Icon League) seit Jahren machen, wollen Schröder und Co. nun beim Basketball etablieren.
Ihr Projekt heißt "LGCY" und startet an diesem Samstag vor 2.000 Zuschauern in der als ausverkauft gemeldeten Uber Eats Music Hall von Berlin. Die zweite Show folgt am 9. August in München, dazwischen gibt es in der kommenden Woche ein Streetball-Event in Schröders Heimat Braunschweig.
Was bedeutet "LGCY" und wer ist dabei?
"LGCY" ist die Abkürzung für das englische Wort "Legacy" (Vermächtnis). Schröder, Wagner, Obst und Bonga haben ihre Teilnahme zugesagt und gehen jeweils mit eigenen Teams an den Start. Erst kurz vor der erstmaligen Austragung veröffentlichten die Veranstalter viele der Details.
Hinter dem Projekt, das sich in einigen Aspekten an ihren Fußball-Vorbildern orientiert, steht das Gründerteam um Basketball-Funktionär Philipp Dembowski, Rapper Jalil Berkholz sowie Yoran Henzler, der für Kroos und die Icon League tätig war. Der größte Unterschied zum Fußball soll sein, dass sich die Formate nicht auf Ehemalige und Amateure konzentrieren, sondern auf Profis.
Dementsprechend ist "LGCY" zunächst als Sommerpausen-Serie angelegt. Angesichts der vollen Terminkalender 2027 (WM in Katar) und 2028 (Olympia in Los Angeles) könnte es in den kommenden Jahren komplizierter werden, die Events unterzubringen. Das ist in diesem Sommer verhältnismäßig einfach.
Schröders Motiv für die Serie
Schröder will das junge Publikum für seinen Sport gewinnen. Innovative Regeln und eine stärkere Verbindung zur Musik und zur Kultur sind klare Ziele des deutschen Basketball-Botschafters. In einem Instagram-Post teilte die Serie ein Foto mit dem Slogan: "Das Spiel neu definieren. Dennis Schröder bricht die Regeln."
Selbst Basketball-Koloss Shaquille O'Neal konnte für ein kurzes Grußwort gewonnen werden. "Die Legacy Series ist die Zukunft des Basketballs", sagte der viermalige NBA-Champion O'Neal, ohne ins Detail zu gehen. O'Neal ist in den USA einer der renommiertesten TV-Experten.
Ergänzung zur Bundesliga - oder Konkurrenz?
Sowohl die Bundesliga als auch der Deutsche Basketball Bund (DBB) sind bei den privat organisierten Events zunächst in der Zuschauerrolle. "Grundsätzlich zeigt sich, dass das gesamte Basketball-Ökosystem wächst und gedeiht. Im Handball gibt es so etwas nicht. Es wird experimentiert. Ich finde es prinzipiell positiv", sagte Bundesliga-Boss Stefan Holz der Deutschen Presse-Agentur.
Einige Aspekte, die vor allem das jüngere Publikum ansprechen, könnten auch für die BBL von Interesse sein. Denn trotz der unerwarteten Erfolge von Schröders Nationalteam bei WM und EM tut sich die Bundesliga weiter schwer, auf dem umkämpften deutschen Sportmarkt zu bestehen.
Alle Partien sind beim Pay-TV-Sender Dyn zu sehen. Die Öffentlich-Rechtlichen haben die Möglichkeit, insgesamt zwölf Partien in ihren Programmen zu zeigen. Dies geschah jüngst zum Beispiel beim fünften BBL-Finale zwischen Bayern und Alba, das neben dem Bayerischen Rundfunk auch im Livestream der ARD-Mediathek gezeigt wurde. BBL-Geschäftsführer Holz sagte, man sei sich bei "LGCY" noch unschlüssig, "ob das unser Bier ist oder nicht".
Die Unterschiede zum Liga-Basketball
Gespielt werden soll auf einem digitalen Glasboden, auf dem zusätzliche Einblendungen wie ein Vierpunktspot einfach dargestellt werden können. Als Spielzeit sind zunächst viermal fünf Minuten veranschlagt - die Partien werden also deutlich kompakter gehalten als in der Bundesliga (viermal zehn Minuten) oder der NBA (viermal zwölf Minuten).
Identisch ist, dass im Fünf-gegen-Fünf gespielt wird. Doch es soll insgesamt weniger Pausen und Unterbrechungen geben als im Vereins-Basketball, dazu eine Angriffsuhr mit 20 statt 24 Sekunden. Bei Dunks sind zudem drei statt wie üblich zwei Punkte angedacht, um das Spiel attraktiver zu gestalten.