Lawinenabgang: Schüler (20) stirbt am Breitenberg

Die Serie der Lawinenunglücke in Bayern reißt nicht ab: Bei einem Lawinenabgang am Breitenberg nahe Pfronten starb ein Schüler. Er wurde am Donnerstag tot aufgefunden. Das Tragische: Er war nur wenige Zentimeter tief verschüttet, konnte sich aber scheinbar nicht mehr befreien.
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In Bayerns Alpen herrscht weiterhin große Lawinengefahr.
dpa In Bayerns Alpen herrscht weiterhin große Lawinengefahr.

PFRONTEN/BRANNENBURG - Die Serie der Lawinenunglücke in Bayern reißt nicht ab: Bei einem Lawinenabgang am Breitenberg nahe Pfronten starb ein Schüler. Er wurde am Donnerstag tot aufgefunden. Das Tragische: Er war nur wenige Zentimeter tief verschüttet, konnte sich aber scheinbar nicht mehr befreien.

Der 20-Jährige war nach Angaben der Polizei in Kempten bereits am Mittwoch nach der Schule zu einer Skitour zu dem 1838 Meter hohen Berg im Ostallgäu aufgebrochen. Ebenfalls am Donnerstag wurde am Wendelstein bei Brannenburg in Oberbayern ein Skifahrer verschüttet und schwerst verletzt. Der Mann aus dem Raum Rosenheim konnte geborgen und wiederbelebt werden, schwebte aber zunächst in Lebensgefahr, wie das Polizeipräsidium in Rosenheim mitteilte.

Der 47-Jährige hatte bei der Abfahrt im Wendelsteingebiet bei Brannenburg ein 250 Meter breites Schneebrett ausgelöst, das ihn mitriss. Am Abend hieß es, sein Zustand haben sich stabilisiert. „Der Schwerverletzte befindet sich aber weiter auf der Intensivstation“, sagte Polizeisprecher Franz Sommerauer. „Er ist noch nicht über den Berg.“

Die Lawinen forderten bereits drei Todesopfer

Damit gab es in Bayern binnen zwei Tagen vier schwere Lawinenunglücke mit wahrscheinlich drei Toten. Am Mittwoch war ein Skifahrer am Laber bei Oberammergau abseits der Pisten in einer Lawine gestorben. Ein zweiter Verschütteter am Hochgrat im Allgäu wurde noch immer nicht gefunden. Es gibt so gut wie keine Hoffnung mehr, ihn noch lebend zu bergen.

Der Schüler aus dem Ostallgäu war offenbar aufgebrochen, ohne jemandem Bescheid zu geben. Sein Vater meldete ihn am Donnerstag vermisst. Bei der Suche wurde zunächst das Auto des Schülers an einem Parkplatz in Pfronten gefunden. Ein Polizeihubschrauber mit Beamten und Lawinenhund entdeckten dann zuerst einen Ski, später fand der Hund den Verschütteten. Der Schüler lag auf rund 1700 Metern Höhe am Ende eines rund 200 Meter langen Lawinenstrichs. Er wollte den Angaben zufolge offenbar die die sogenannte Ostler Rinne befahren. Noch vor der Abfahrt wurde er jedoch von einer Lawine misstgerissen, die sich aus ungeklärter Ursache oberhalb des Tourengehers gelöst hatte.

In einem Wettlauf um Leben und Tod gelang es hingegen bei dem Unglück am Wendelstein vier Begleitern sowie einem weiteren Helfer, den Verschütteten nach einer halben Stunde über sein Lawinenverschüttetensuchgerät in zwei Metern Tiefe unter dem Schnee zu orten. Er konnte nach etwa einer Stunde ausgegraben werden, musste jedoch rund 20 Minuten lang reaminiert werden, bevor er nach Rosenheim ins Krankenhaus geflogen wurde. Er sei stark unterkühlt gewesen, sagte Polizeisprecher Sommerauer. Rund 50 Retter der Bergwacht und der Alpinen Einsatzgruppe der Polizei sowie sechs Hubschrauber waren im Einsatz.

Im steilen Gelände unterwegs, als sich die Lawine löste

Der Mann war mit zwei 48 und 51 Jahre alten Männern aus Rosenheim sowie einem Ehepaar am Sudelfeld zu einer Skitour zum 1720 Meter hohen Wildalpjoch gestartet und dann Brannenburg abgefahren. Die Gruppe war im schwierigen, sehr steilen Gelände unterwegs, als sich die Schneemassen lösten. Mitglieder der Gruppe alarmierten um 12.39 Uhr die Rettungskräfte.

Sowohl die Seilbahn als auch die Zahnradbahn am 1838 Meter hohen Wendelstein waren wegen Lawinengefahr nicht in Betrieb. Auch am Donnerstag herrschte bei viel Neuschnee noch erhebliche Gefahr und damit Stufe drei auf insgesamt fünfstufigen Skala.

Am Hochgrat in den Allgäuer Alpen suchten am Nachmittag bis zum Einbruch der Dämmerung erneut rund 60 Helfer von Bergwacht und Polizei mit neun Lawinenhunden nach dem noch immer vermissten Verschütteten. Zuvor musste laut Polizei an der Abrisskante des Schneebretts durch drei Sprengungen eine neue Lawinenauslösung verhindert werden, da die Suche sonst zu gefährlich gewesen wäre.

"Ihn lebend zu finden wäre ein Wunder"

Die Hoffnungen, den 40 Jahre alten Allgäuer noch lebend zu finden, waren verschwindend gering. „Wenn man ihn wirklich lebend finden würde, wäre es ein Wunder“, sagte ein Sprecher. Der Mann war mit einem Snowboarder unterwegs gewesen und als Erster vom 1832 Meter hohen Gipfel des Hochgrat abgefahren. Dabei löste er eine Lawine aus.

Zuvor war bereits am 1686 Meter hohen Laber bei Oberammergau ein 47 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen in einer Lawine ums Leben gekommen. Die Schneemassen hatten sich auf rund 1400 Metern unterhalb eines Grates gelöst und den 47-Jährigen rund 200 Meter in eine steile Rinne gerissen. Seine 42 Jahre alte Frau und ein 43-jähriger Bekannter aus München blieben unverletzt.

(dpa)

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