Laternen: Anwohner siegen vor Gericht gegen Gemeinde

Nachts leuchten die Sterne über Feldkirchen-Westerham im Alpenvorland - doch noch heller leuchten zwei Straßenlaternen. Eine Familie versucht seit Jahren, eine Lösung im Streit mit der Gemeinde zu finden. Nun sind die Eheleute vor Gericht gezogen.
| dpa
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Eine LED-Straßenlampe. Foto: Fabian Sommer/Archiv
dpa Eine LED-Straßenlampe. Foto: Fabian Sommer/Archiv

München (dpa/lby) - Die Gemeinde Feldkirchen-Westerham (Landkreis Rosenheim) muss laut einem Urteil zwei Straßenlaternen austauschen oder abdunkeln, die Anwohner vom Schlafen abhalten. Das Verwaltungsgericht München folgte am Mittwoch der Einschätzung eines Gutachtens, das von einer "erheblichen Beeinträchtigung" ausgeht, und verpflichtete die Gemeinde dazu, Licht-Grenzwerte für die psychologische Belastung einzuhalten. Die Anwältin der Gemeinde kündigte an, in Berufung gehen zu wollen (Az.: M19K17.4863).

Geklagt hatte ein Ehepaar, das aufgrund des Lichts nicht mehr ungestört schlafen kann. Die zwei Laternen vor seinem Haus wurden 2013 erneuert. Seitdem sei es im Schlafzimmer so hell, dass "wir nur noch in einer von zehn Nächten durchschlafen. Früher war das nie ein Problem", erklärte Kläger Robert Rypacek vor dem Prozess.

Er und seine Frau Elvira versuchen schon seit Jahren, sich gegen die waagerecht strahlenden LED-Birnen zu wehren, und wollten nach eigenen Angaben eigentlich gar nicht vor Gericht ziehen. Doch mit Gemeinde und Bürgermeister sei keine Einigung möglich gewesen, sagte Rypacek. Auch als das Ehepaar anbot, die Kosten für einen Umbau selbst zu übernehmen, habe sich die Gemeinde quergestellt.

Die Anwältin der Gemeinde begründete das so: Sonst käme jeden Tag jemand ins Rathaus und möchte etwas anderes. Auch solle ein Präzedenzfall vermieden werden. Die Gemeinde sieht sich außerdem im Recht, da sie die DIN-Normen einhalte. Außerdem seien die Werte der sogenannten psychologischen Blendwirkung subjektiv und für Straßenbeleuchtung nicht relevant.

Deren Wert werde in den Räumen der Rypaceks teils deutlich überschritten, stellte ein Lichttechniker für das Gutachten fest. Er schrieb von "störenden Lichtimmissionen", die als grell empfunden würden. Außerdem spricht der Gutachter von "einem unerheblichen Aufwand für die Beseitigung". Die Kosten würden sich auf lediglich etwa 1600 Euro belaufen.

Das Streitthema trifft in der 11 000-Einwohner-Gemeinde Feldkirchen-Westerham übrigens nur die Rypaceks: In umliegenden Straßen seien andere, weniger störende Laternentypen gebaut worden, sagte Robert Rypacek.

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