Während Corona-Lockdown: Landshut liefert

Die Landshuter Einzelhändler haben sich im Lockdown einiges einfallen lassen, um ihre Kunden nach wie vor zu bedienen. Die ILI unterstützt mit einer Lieferseite im Internet
| Franziska Hofmann
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Dörfler-Geschäftsführerin Stephanie Jeschke präsentiert ihren Kunden am Freitag Abend zum ersten Mal Taschen im Live-Video.
Dörfler-Geschäftsführerin Stephanie Jeschke präsentiert ihren Kunden am Freitag Abend zum ersten Mal Taschen im Live-Video. © Christine Vinçon

Landshut - Wenn der Lockdown unsere Türen schließt, dann geht bei uns ein Fenster auf": Das schreibt der Männerladen auf seiner Facebook-Seite. Inhaber Christoph Jung meint das im Falle des neuen Drive-in-Angebots seines Männerladen wörtlich. Auf die ein oder andere Weise suchen sich derzeit viele Landshuter Einzelhändler ihr ganz persönliches "Fenster", um ihre Kunden auch weiterhin optimal bedienen zu können.

Durch Corona-Lockdown steigen viele ins Liefergeschäft ein

Denn seit Mittwoch sind weite Teile des Einzelhandels zum zweiten Mal dieses Jahr geschlossen. Wie schon im Frühjahr befindet sich Bayern wieder im Lockdown. Fast alle Geschäfte, die für den Kundenverkehr schließen mussten, steigen deshalb ins Liefergeschäft ein, bieten Bestellungen im Onlineshop, per Telefon oder E-Mail an - und liefern die Ware anschließend an ihre Kunden aus. Das Schlendern durch die Auslagen und Angebote auf der Suche nach einem passenden Weihnachtsgeschenk hat der Lockdown für den Einzelhandel zunichte gemacht.

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Um dem entgegenzuwirken und ihren Kunden dennoch ihr Sortiment zu präsentieren, hat sich Stephanie Jeschke, Geschäftsführerin des Taschen- und Lederwarengeschäfts Dörfler, etwas Besonderes ausgedacht. Sie will mit ihren Kunden, wenn schon nicht persönlich, künftig per Live-Video auf Instagram in Kontakt treten. Die erste "Live-Beratung" ist am Freitag Abend, 18 Uhr, auf der Foto- und Videoplattform geplant. "Ich habe zunächst eine halbe Stunde angesetzt, in der ich den Kunden, die zuschauen, zehn bis 15 Taschen zeigen möchte", sagt Jeschke. Im Gegensatz zum regulären Online-Shopping hätten die Kunden die Möglichkeit, parallel per Kommentarfunktion einzuhaken und Fragen zu stellen, die Jeschke noch im Laufe des Videos oder im Nachgang beantworten wird. "Man klickt sich nicht nur so durch, sondern sieht sein Gegenüber wenigstens virtuell mit einem Lächeln", so die Dörfler-Geschäftsführerin.

Beratungstermine per Video

Bestellungen werden im Anschluss an das Live-Video direkt angenommen oder ein erneuter, diesmal aber exklusiver Video-Beratungstermin per Whatsapp-Call und Co. vereinbart. Die Ware verschickt Jeschke anschließend per Post. Nächste Woche Freitag plant Jeschke dann zur selben Zeit ein Live-Video mit Lederwaren für Herren und nach Silvester ein "Spezial" für Schulranzen. "Ich kann natürlich nicht mein ganzes Sortiment zeigen, aber ich wollte den Kunden etwas bieten, das dem normalen Einkaufserlebnis mit persönlicher Beratung am nächsten kommt."

Markus Grünbauer, Geschäftsführer von Foto Petzold, berät Kunden bei Fragen, Wünschen und Problemen auch weiterhin virtuell per Zoom. Für die Meetings hat sich das Fotogeschäft im Laden eine professionelle Videoecke für die Beratungsgespräche mit Kunden eingerichtet.
Markus Grünbauer, Geschäftsführer von Foto Petzold, berät Kunden bei Fragen, Wünschen und Problemen auch weiterhin virtuell per Zoom. Für die Meetings hat sich das Fotogeschäft im Laden eine professionelle Videoecke für die Beratungsgespräche mit Kunden eingerichtet. © Petzold

Ein ähnliches Konzept haben sich Markus Grünbauer und Claus Zettl von Foto Petzold überlegt. Auch wenn die Kunden sie dort derzeit nicht besuchen können, sind die Mitarbeiter im Fotogeschäft in der Schirmgasse nach wie vor täglich im Einsatz und warten auf Anrufe und Bestellungen der Kunden. Wer zum Beispiel Hilfe bei der eigenen oder beim Aussuchen einer neuen Kamera braucht, hat die Möglichkeit sich per Zoom-Meeting beraten zu lassen. "Im Idealfall ruft der Kunde vorher an und schildert uns sein Anliegen, dann können wir einen Termin ausmachen, zu dem wir uns auf Zoom treffen und Fragen beantworten oder ihm live Produkte zeigen", sagt Petzold-Geschäftsführer Markus Grünbauer.

Lockdown in Landshut: Erfinderischer Einzelhandel

Diese Variante der virtuellen Beratung biete sich an, wenn es etwa um Größenvergleiche verschiedener Kameras, Fragen zu passenden Objektiven oder generell Probleme mit eigenen Geräten gehe. "Wir wollen nach wie vor, wenn auch nur virtuell für unsere Kunden da sein, nicht nur für Verkaufsgespräche", so Grünbauer. Für ihre "Zoom-Einsätze" hat sich das Petzold-Team eine professionell ausgeleuchtete Video-Ecke im Verkaufsraum eingerichtet, an der die virtuellen Beratungsgespräche stattfinden. Bei den Zoom-Treffen können dann direkt Bestellungen aufgenommen werden, die anschließend verschickt oder von den Mitarbeitern ausgeliefert werden.

Eine völlig andere, lockdown-konforme Variante bietet Christoph Jung, Inhaber des Männerladens in der Altstadt, seinen Kunden. Mit Beginn des zweiten Lockdowns hat der Männerladen nämlich einen Drive-in eingerichtet. Am Karstadt-Parkhaus vorbei können Kunden in den Innenhof im rückwärtigen Teil des Geschäfts fahren. Dort bekommen sie ihre Ware durchs Autofenster überreicht und nutzen die Ausfahrt in Richtung Altstadt.

Zwar sind Abholdienste von Ladengeschäften laut Bayerischer Infektionsschutzmaßnahmenverordnung nicht erlaubt, im Falle des Männerladens greift allerdings, so erklärt es Jung, für Teilbereiche des Sortiments eine gastrorechtliche Genehmigung. Weil der Männerladen zu Normalzeiten auch verschiedene Spirituosen-Verkostungen im Laden anbietet und Whiskey und Co. ausschenken darf, gelten für diese Bereiche die gleichen Regelungen, wie für ein Restaurant, bei dem man Speisen und Getränke abholen kann.

Christoph Jung, Inhaber des Männerladens, darf Ware wie Spirituosen dank einer Sondergenehmigung auch im Drive-in verkaufen.
Christoph Jung, Inhaber des Männerladens, darf Ware wie Spirituosen dank einer Sondergenehmigung auch im Drive-in verkaufen. © Christine Vinçon

Interessengemeinschaft Landshut Innenstadt will Geschäfte unterstützen

Der Drive-in darf deshalb aber auch nur für Waren dieser Art genutzt werden, alles weitere kann telefonisch bestellt werden und wird anschließend vom Chef persönlich ausgeliefert. "Jeder Tag, an dem der Einzelhandel geschlossen ist, spült den Online-Riesen Millionen in die Kasse", sagt Jung. "Wir wollen unseren Kunden das Gefühl geben, dass wir nach wie vor für sie da sind."

Auch die Interessengemeinschaft Landshut Innenstadt (ILI) will die Einzelhändler unterstützen und hat auf ihrer Homepage eine Übersicht erstellt, welche Einzelhändler derzeit welchen Service anbieten - und wie sie zu erreichen sind. "Das ist unser kleines Pendant zu den Seiten der Online-Riesen", sagt Daniela Rech von der ILI. "Uns war wichtig, dass Kunden wissen, dass sie auch weiterhin die Möglichkeit haben, lokal einzukaufen."

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