Sammeln statt Wegschnippen: Landshuter will Zigarettenstummel recyceln

Der gebürtige Landshuter Florian Eder (31) will Zigarettenstummel recyceln. Ganz so einfach ist das aber nicht. Allerdings hat er schon ein klares Konzept vor Augen.
| Carmen Merckenschlager
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
Florian Eder (31) lehnt auf seinem blattgrünen Sammelaschenbecher. Die darin gesammelten Zigarettenkippen möchte er recyceln.
Florian Eder (31) lehnt auf seinem blattgrünen Sammelaschenbecher. Die darin gesammelten Zigarettenkippen möchte er recyceln. © privat

Landshut - Müll ist nicht gerade das, was Menschen gerne sammeln. Schon gar keine stinkenden Zigarettenkippen. Trotzdem hat Florian Eder (31) vergangenes Jahr genau das gemacht - er versuchte, so viele Zigarettenstummel wie möglich zu sammeln.

Rund 60.000 Stück sind es am Ende geworden. Damit hat der 31-Jährige, der in Landshut geboren wurde, einiges vor. Eder möchte daraus Filament (thermoplastischer Kunststoff, Anm. d. Red.)  für 3-Drucker herstellen und das recycelte Material verkaufen, damit daraus etwas Neues geschaffen werden kann.

"Die Giftstoffe im Filter vergiften unser Grundwasser"

Für Eder ist das Projekt eine Leidenschaft, ist er doch selbst starker Raucher, wie er sagt. "Zwangsläufig habe ich mich da irgendwann gefragt, was aus den Zigarettenstummeln wird", sagt er. Zum einen geht ihm der Müll gegen den Strich, den Raucher oftmals in der Stadt und in der Natur hinterlassen. "Die Giftstoffe im Filter vergiften unser Grundwasser", sagt Eder. Das möchte er ändern. Zum anderen will er über eben diese Verschmutzung aufklären. Deshalb hat er sich zu seinem Sammel- und Produktionskonzept auch gleich eine Aufklärungskampagne überlegt.

"R3fag" nennt er sein Unternehmen, dass das alles leisten soll. ("R3" steht dabei für Recycling, "fag" bedeutet auf Deutsch "Kippe"). Aus den Zigarettenstummeln stellt Eder dabei Filament für 3D-Drucker her. Das Material will er zum einen verkaufen und zum anderen daraus Aschenbecher fertigen, die in den Städten aufgestellt werden. Die Zigaretten, die dadurch gesammelt werden, sollen wieder zu neuem Material verarbeitet werden.

Grün in grün: So soll der Zigaretten-Eimer aussehen.
Grün in grün: So soll der Zigaretten-Eimer aussehen. © privat

An dem Konzept sollen Städte teilnehmen und die Sammelbehälter über "R3fag" mieten. Außerdem träumt Eder von einem Bonussystem für alle Zigarettensammler, welches über eine App zugänglich sein soll. "Ich könnte mir eine Kooperation mit ansässigen Geschäften vorstellen und so die lokale Wirtschaft unterstützen - zum Beispiel: Für zehn gesammelte Zigaretten gibt es einen Kaffee geschenkt oder so", sagt Eder. Auch auf Festen wie der Dult würde er seine Ascher gerne aufstellen.

"Das ist leider etwas zu schön, um wahr zu sein"

Dass das Konzept per se gut und sinnvoll klingt, das denkt auch Richard Geiger von den Bauamtlichen Betrieben, Sachgebiet kommunale Abfallwirtschaft. Aber: "Das ist leider etwas zu schön, um wahr zu sein", so Geiger. Das Problem seien die Schadstoffe, die bei dem Konzept zwar eingeschlossen werden, niemand könne aber garantieren, dass die Gifte aus dem Filament mit der Zeit nicht wieder austreten. "Im schlimmsten Fall landet dann das Material in einem Bobbycar", spekuliert Geiger.

Außerdem seien nicht die Zigarettenstummel in der Stadt das Problem. "Wieso sollten wir teure Aschenbecher in der Stadt aufstellen, wenn das Problem die Kippen in der Natur sind. In der Stadt fährt die Kehrmaschine, in der Flutmulde geht das nicht, da liegt aber das Problem", so Geiger.

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Am sinnvollsten sei zur Zeit immer noch die thermische Verwertung der Zigarettenkippen; sie also zu verbrennen. "Dabei wird der Großteil der Giftstoffe vernichtet, weil sie organisch sind. Der kleine Rest Schwermetal wird durch die Verbrennung eingeschlossen", erklärt der Sachgebietsleiter. Als Abfallwirtschaftler könne er die Idee von R3fag oder ähnlichen Konzepten derzeit also nicht unterstützen. Allerdings sagt Geiger auch: "Der Ansatz ist auf jeden Fall der richtige." Am wichtigsten sei aber, die Leute zu erziehen - Stichwort Ramadama als Bildungsmaßnahme. "Kippen wegzuschnippen ist kein Kavaliersdelikt, das müssen die Menschen verstehen."

Auch der Umweltsenat entschied bereits vergangenes Jahr, dass beim Konzept des Zigaretten-Recyclings ein positives Kosten-Nutzenverhältnis nicht gegeben sei und unter anderem die Schadstoffe nicht sachgemäß entsorgt würden.

Enthusiasmus ist vorhanden, nur am Geld mangelt es noch

Florian Eder lässt sich allerdings durch diesen Beschluss nicht verunsichern und arbeitet weiter voller Leidenschaft an seinem Projekt. "Ich weiß, dass es funktionieren kann und die Schadstoffe nicht mehr austreten können, da sie völlig umschlossen werden", sagt er.

An Enthusiasmus fehlt es Eder also nicht, nur am Geld mangelt es aktuell noch. Laut eigener Aussage stehe Eder zwar schon mit dem Grünen Punkt in Kontakt und sogar ein Tabakkonzern habe Interesse bekundet. Aber: "Ich bin auf der Suche nach Investoren und sogenannten Businessangels, die mit mir in eine saubere Zukunft investieren wollen. Denn darum geht es mir", so Eder.

  • Themen:
Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren