Packerl ohne Ende: Auf Tour mit einem Paketzusteller

Corona und Weihnachten lassen den Online-Handel boomen. Die AZ begleitet Paketzusteller Wolfgang Niedermeier durch die Innenstadt.
| Kerstin Petri
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Die Landshuter Altstadt - hier ist Wolfgang Niedermeier Stammzusteller. Er kennt die Leute - und sie kennen ihn.
Die Landshuter Altstadt - hier ist Wolfgang Niedermeier Stammzusteller. Er kennt die Leute - und sie kennen ihn. © Kerstin Petri

Landshut - Es ist kurz vor 9 Uhr, als am Depot der Deutsche Post DHL Group im Landshuter Gewerbegebiet leichter Schneefall einsetzt. Paketzusteller Wolfgang Niedermeier (55) lädt das letzte Paket in seinen Transporter. "Heute sind es nur 191 Stück", sagt er. Normal sind derzeit 220 pro Tag.

Zu Ostern sind neun Millionen Pakete am Tag ausgeliefert worden

Es geht zunächst stadteinwärts. Erster Halt: die Packstation an der Zweibrückenstraße. Niedermeier nimmt die Retourenpakete aus den Fächern heraus und legt neue Packerl hinein. Nicht alle davon haben Platz. Drei nimmt er wieder mit. Diese kommen später in die Packstation im CCL, die größere Fächer hat.

Erster Halt: die Packstation an der Zweibrückenstraße. Aus ihr entnimmt Wolfgang Niedermeier Pakete und legt neue hinein.
Erster Halt: die Packstation an der Zweibrückenstraße. Aus ihr entnimmt Wolfgang Niedermeier Pakete und legt neue hinein. © Kerstin Petri

Um einen Eindruck von der Entwicklung der Paketzustellungen zu bekommen, sieht man sich am besten die bundesweiten Zahlen an. An einem normalen Tag transportieren die Zusteller der Deutschen Post etwa 5,2 Millionen Pakete. Seit Corona ist die Zahl auf sechs bis sieben Millionen Pakete angestiegen. "An Spitzentagen in der Osterzeit waren es neun Millionen - ein Niveau, das wir sonst nur Mitte, Ende November haben", sagt Erwin Nier, Pressesprecher der Deutschen Post.

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Rekord des Paketboten: 357 Pakete an einem Tag

Den Rekord hat am 16. August 2019 aufgestellt, einen Tag nach Mariä Himmelfahrt. "Da wir da frei hatten, hatten wir am nächsten Tag mehr Arbeit." Das letzte Paket habe er um 17.15 Uhr zugestellt. Weiter geht es mit Zwischenstopps am Isargestade und an der Heilig-Geist-Kirche in die Altstadt, wo Niedermeier Stammzusteller ist. "Jetzt geht's ans Eingemachte", sagt er. Dort werden hauptsächlich Geschäfte, aber auch Privatkunden beliefert. In einer Modeboutique bekommt er einen Schoko-Nikolaus. Kleine Geschenke sind keine Seltenheit. Darüber freut er sich. "Wertschätzung ist alles."

Für einen Kunden hat Niedermeier an diesem Tag eine sogenannte eID-Sendung. Oft handelt es sich dabei um Lieferungen von Telekommunikationsunternehmen. Dafür muss der Paketzusteller als Nachweis mit seinem Scanner ein Foto des Ausweises des Empfängers machen. Nach dem ersten Lockdown sind die Onlinebestellung stets auf einem hohen Niveau geblieben. Laut Pressesprecher Nier ist zu beobachten, dass nun auch vermehrt Menschen im Internet bestellen, die zuvor nicht oder kaum bestellt haben. Diejenigen, die schon Erfahrung mit Onlinegeschäften haben, bestellen nun sogar noch regelmäßiger. Nier: "Bereits in der zweiten Novemberwoche haben wir das Paketvolumen des Jahres 2019 erreicht.

"Jeder Tag ist ein hartes Geschäft"

Die Elf-Millionen-Marke, die wir letztes Jahr an Spitzentagen erreicht hatten, haben wir jetzt schon im November an einzelnen Tagen geknackt", sagt Nier. Derzeit pendle die Paketmenge bundesweit zwischen zehn und elf Millionen pro Tag. Bis Weihnachten wird noch mal ein Schub erwartet. Nier: "Dann müssen alle Zusteller an Bord sein. Jeder Tag ist ein hartes Geschäft." Hinzu kommt, dass viele lokale Geschäfte mittlerweile Onlineshops betreiben. Auch diese Pakete nimmt Niedermeier mit und liefert sie aus.

Der vollgepackte Transporter. 191 Pakete sind es an diesem Tag.
Der vollgepackte Transporter. 191 Pakete sind es an diesem Tag. © Kerstin Petri

Dass seine Arbeit stressiger geworden ist, kann der 55-Jährige jedoch nicht behaupten. "In der Weihnachtszeit ist zwar die Zahl an Paketen höher, aber das Auto ist genauso schnell leer, wenn man für einen Empfänger mehrere Pakete hat", sagt Niedermeier, der nun von Laden zu Laden eilt. Den Großteil der Strecke legt er zu Fuß zurück. "Andere fahren jedes Stück, aber gehen spart Batterie und man bleibt in Bewegung." Zeit zum Ratschen nehme er sich auch. "Das muss schon drin sein", sagt Niedermeier. Den Goldmann grüßt er mit einem "Lugge, Servus", wenn er ihn sieht. Er kennt die Menschen in der Altstadt. Seit 29 Jahren arbeitet Niedermeier bei der Deutschen Post, seit 15 Jahren ist er Zusteller. Niedermeier war auch schon im Innendienst tätig. "Aber den ganzen Tag drin sitzen, ist nicht meine Sache." Der Kontakt zu den Menschen ist das, was der gebürtige Landshuter an seinem Beruf schätzt.

Saisonarbeiter werden über Weihnachten hinaus beschäftigt

Doch wie lassen sich diese Paketmengen bewältigen? Nier erklärt, dass für das Weihnachtsgeschäft jedes Jahr ab Oktober bundesweit rund 10.000 saisonbedingte Mitarbeiter eingestellt werden, die teilweise bis Februar bleiben. "Als im Februar dieses Jahres abschätzbar war, dass der Lockdown kommt, haben wir etwa 4.000 Mitarbeiter bundesweit weiterbeschäftigt. So waren wir gut aufgestellt, als der Lockdown kam." Zu diesen 4.000 habe man ab Oktober wieder 10.000 Mitarbeiter eingestellt, dazu wurden zusätzlich 13.000 Fahrzeuge organisiert.

Ist der Empfänger nicht da, bekommt er einen Abholschein.
Ist der Empfänger nicht da, bekommt er einen Abholschein. © Kerstin Petri

Niedermeiers Tour neigt sich mittlerweile dem Ende entgegen - für heute. Wenn er ein Paket nicht zustellen kann, gibt er es in einem Geschäft nebenan ab. Sein Weg führt ihn noch zum Dreifaltigkeitsplatz, in die Ländgasse und wieder zurück. Selber bestellt Niedermeier übrigens fast nie im Internet. "In den letzten fünf Jahren vielleicht drei Mal", sagt er. "Ich will sehen, was ich kaufe." Deswegen kauft er am liebsten vor Ort ein, in seiner Heimatstadt, wo er lebt und arbeitet. "Ich mag die Stadt nicht missen und sie mich auch nicht."

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