Neue Hotspots in Landshut: Der verdoppelte Inzidenzwert

Warum die Corona-Fallzahlen innerhalb kurzer Zeit in Landshut in die Höhe geschnellt sind.
| Uli Karg
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Leer wie auf diesem Archivbild sind im Klinikum Landshut aktuell keine Intensivbetten mehr.
Leer wie auf diesem Archivbild sind im Klinikum Landshut aktuell keine Intensivbetten mehr. © Christine Vincon

Landshut - "Ich war ziemlich erschüttert", kommentierte Dr. Uwe Schubart am Montag gegenüber unserer Zeitung den Inzidenzwert im Stadtgebiet. Wie dem regionalen Versorgungsarzt dürfte es auch vielen Landshutern gegangen sein - hat sich der Inzidenzwert doch während der vergangenen Woche mehr als verdoppelt.

Neue Hotsports verdoppeln den Inzidenzwert

Lag er am 22. Dezember noch bei 159, wurde er am Montag auf 325 taxiert. Der Grund: Hotspots in vier Pflegeeinrichtungen, Infektionen in einer Asylbewerberunterkunft sowie 30 neue Fälle beim Brandt-Werk. Von dort wurden bereits Mitte Dezember zehn Corona-Fälle gemeldet.

Wie eine Brandt-Sprecherin mitteilte, habe es "aufgrund des weiterhin dynamischen Infektionsgeschehens in Landshut und dem Umkreis" am 22. Dezember eine präventive Testung unter den Beschäftigten am Standort Landshut gegeben. Dabei seien 30 Personen positiv getestet worden, "bei denen die Infektion bisher ohne Symptome verlaufen ist".

Produktion im Brandt-Werk läuft weiter

Von den zehn bereits bekannten Fällen seien sieben wieder genesen. "Mit den nun insgesamt 33 bestätigten Fällen liegt das Werk auf einem für die Region Landshut erwartbaren und nicht überraschenden Wert", so die Sprecherin. Die Erkrankten stammten aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen und Arbeitsschichten, ein Hotspot sei nicht erkennbar. Das Unternehmen geht davon aus, dass sich der überwiegende Teil im privaten Umfeld angesteckt hat.

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Nach Absprache mit dem Gesundheitsamt laufe die Produktion im Brandt-Werk weiter. Dabei achte man wie bisher auf die "stringente Umsetzung des Hygienekonzeptes". So werde etwa bei jeder Person, die das Werk betritt, die Temperatur gemessen, um etwaiges Fieber zu erkennen. Am 2. Januar werde es eine weitere Testung der gesamten Belegschaft geben, um Ansteckungen zwischen den Feiertagen aufzudecken und eine weitere Verbreitung zu begrenzen.

Corona-Ausbrüche in Pflegeeinrichtungen

Die neuen Corona-Fälle beim Brandt-Werk nennt auch Oberbürgermeister Alexander Putz als einen der Gründe, warum der Inzidenzwert in der Stadt zuletzt so stark gestiegen sei. Außerdem weist Putz auf Infektionen in einer Asylbewerberunterkunft hin, die unter Quarantäne stehe. Insgesamt habe das Gesundheitsamt im Bereich der Kontaktpersonen intensiv getestet, so Putz - "da waren dann auch viele Familienangehörige dabei, die positiv waren".

Ein weiterer Grund für den Anstieg seien vermehrte Fälle in Pflegeeinrichtungen. Putz: "Es wurde in den letzten Tagen intensiv im Umfeld bereits bekannter Hotspots in vier von 14 städtischen Alten- und Pflegeheimen getestet." Von 1.220 Bewohnern in den insgesamt 14 Heimen im Stadtgebiet hätten sich 70 Bewohner und 34 Mitarbeiter infiziert. Unter den Heimen, die zuletzt von Infektionen verschont geblieben sind, ist das St.-Jodok-Stift. "Und wir sind jeden Tag dankbar dafür", sagt Pflegedienstleiterin Roswitha Nitzl. Von den 190 Bewohnern des Altenheims in der Freyung sei aktuell niemand an Covid-19 erkrankt. Zudem hätten am Sonntag 114 Bewohner die erste von zwei Corona-Schutzimpfungen erhalten.

Laut Putz gibt es ein diffuses Infektionsgeschehen

Abgesehen von den positiven Testungen bei Brandt, in Pflegeeinrichtungen und in der Asylbewerberunterkunft gibt es laut Putz noch einen vierten Grund für den Anstieg des Inzidenzwerts: ein breites diffuses Infektionsgeschehen, das auch durch eine verstärkte Anzahl von Testungen vor Weihnachten nachgewiesen worden sei. "An den drei Tagen vor Heiligabend hatten wir an der Teststation an der Sparkassen-Arena 700 Tests pro Tag - üblicherweise sind es maximal 500 pro Tag."

Voraussichtlich werde der Wert bald wieder fallen, da die Teststation über die Feiertage geschlossen hatte. Am Montag wurde der Betrieb wieder aufgenommen. Weshalb davon auszugehen sei, dass es in ein paar Tagen wieder nach oben gehen wird. Putz: "Wir müssen die ersten Januartage abwarten, dann erst kann man sagen, wo die Reise hingeht." Was die aktuelle Situation am Klinikum betrifft, teilte der Ärztliche Direktor Stephan Holmer am Montag auf Anfrage mit, dass die Intensivstationen mit Corona- und Non-Corona-Patienten ausgelastet seien. Auf den Corona-Normalstationen gebe es immer wieder einzelne freie Betten für Corona-Patienten beziehungsweise Verdachtsfälle.

Gerüchte um Triage im Klinikum Landshut

Gerüchten, wonach die gefürchtete Triage (also die Auswahl von Patienten, die beatmet werden oder nicht) das Klinikum bereits erreicht hat, kommentiert Holmer so: "Jeder Patient wird bestmöglich behandelt. Wenn in einem Krankenhaus die Kapazitäten knapp werden, können Patienten verlegt werden. Auch wir mussten schon Patienten in andere Krankenhäuser verlegen." Bisher sei für jeden Patienten ein Platz gefunden worden. So etwas wie Licht am Ende des Tunnels sieht Versorgungsarzt Schubart - und das nicht nur aufgrund der angelaufenen Impfungen. "Der Lockdown greift jetzt."

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