Martinskirche: 13 Millionen Euro für 29 neue Fenster

Sie haben 500 Jahre gehalten. Die 15 Meter hohen Langhausfenster der Landshuter Stiftsbasilika müssen saniert werden.
| Franziska Hofmann
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Das Fenster links ist das neue und bereits sanierte Musterfenster.
Christine Vinçon 3 Das Fenster links ist das neue und bereits sanierte Musterfenster.
Stiftspropst Franz Joseph Baur und Martin Gastberger, Leiter der Abteilung Bauaufsicht in der Erzbischöflichen Finanzkammer: 2021 wird mit der Sanierung begonnen.
Christine Vinçon 3 Stiftspropst Franz Joseph Baur und Martin Gastberger, Leiter der Abteilung Bauaufsicht in der Erzbischöflichen Finanzkammer: 2021 wird mit der Sanierung begonnen.
Projektsteuerer Andreas Held (l.) und Stiftspropst Franz Joseph Baur erläutern die geplanten Maßnahmen am Donnerstag direkt vor Ort.
Christine Vinçon 3 Projektsteuerer Andreas Held (l.) und Stiftspropst Franz Joseph Baur erläutern die geplanten Maßnahmen am Donnerstag direkt vor Ort.

Es ist wie bei einem lädierten Knie", sagt Architekt Bernhard Fischer. Wenn die Gelenke kaputt und spröde sind, können sie das Gewicht nicht mehr halten. "Im schlimmsten Fall brechen die Knochen." Im Falle von St. Martin sind die Gelenke die Streben, die auf den 15 Meter hohen Fenstern sitzen.

Doch Wind, Wetter und vor allem der Zahn der Zeit haben Stein und Eisen im Laufe der Jahre so zugesetzt, dass Ende 2017 schließlich die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet war: Die Fenster wurden mit Holzklammern und einem Gerüst zusätzlich gesichert. "Alles hat angefangen mit ein paar kleinen Brocken, die wir am Fuß der Kirche gefunden haben", erinnert sich der Stiftspropst Franz Joseph Baur. Durch winzige Risse kam Wasser in die Gelenkstellen, das rostende Eisen quoll auf und sprengte Mörtel und Steinteile ab.

Martinskirche: Sanierung startet im Frühjahr 2021

Damit die Verkehrssicherheit weiterhin gewährleistet werden kann, beginnt im Frühjahr 2021 die "Expedition", so Martin Gastberger, Leiter der Abteilung Bauaufsicht in der Erzbischöflichen Finanzkammer. An deren Ende sollen 29 Fenster stehen, die weitere 100 Jahre halten.


Ein erstes Vordringen auf unbekanntes Terrain war die exemplarische Sanierung eines "Musterfensters" auf der Nordseite der Martinskirche. Um sich einen Eindruck zu verschaffen, wie groß der Schaden an den Fenstern wirklich ist, wurde von Mitte 2018 bis Herbst 2019 ein Fenster bereits instand gesetzt.

Dabei stellte sich heraus, dass die Steinstreben deutlich größere Schäden aufweisen, als zunächst angenommen. "Man kann alles gut vorbereiten, aber prinzipiell wissen wir bei jedem Fenster aufs Neue erst, was uns erwartet, wenn wir daran arbeiten", sagt Architekt Bernhard Fischer. Pro Jahr könne man, nach den Terminberechnungen von Projektsteuerer Andreas Held, voraussichtlich fünf Fenster fertigstellen.

"Portland Limestone" statt Mittenwalder Sandstein

Die Arbeiten an den einzelnen Fenstern sollen dabei folgendermaßen ablaufen: "Zunächst werden die einzelnen Fensterscheiben ausgeglast, in der Werkstatt gereinigt und das Bleinetz repariert", so Fischer. Anschließend wird das Steingewände der Fenster sandgestrahlt. Bei dem Material, das damals für die Streben und Gewände verbaut wurde, handelt es sich um Mittenwalder Sandstein, einen besonders weichen Sandstein.

Das Vorkommen ist laut Fischer aber mittlerweile erschöpft - den Mittenwalder Sandstein gibt es nicht mehr. Eine Alternative habe man europaweit nur in Südengland mit dem "Portland Limestone" gefunden - eine Steinart, die dem Mittenwalder Sandstein in ihren Eigenschaften sehr ähnlich sei. An den Stellen, an denen die Quereisen in den Wänden eingebunden sind, werden die Eisen dann zunächst entrostet und mit Bitumen gefüllt. Dieses soll Wasser künftig abhalten und ist zudem elastisch genug, um die wetterbedingte Schwingung der Fenster aufzufangen.


Als begleitende Maßnahme sollen neben den Fenstern auch die Wandmalereien unterhalb und zwischen den einzelnen Fenstern gereinigt und konserviert werden. Die Engelsdarstellungen zwischen den Fenstern stammen wohl, so Kunstreferentin Martina Außermeier vom Erzbischöflichen Ordinariat München, aus der Zeit um 1600 und sind stark beschädigt. "Die Malereien wurden erst übermalt und nach dem Krieg wieder entdeckt - und eher rabiat freigelegt." Um das zu beheben, sollen die Wandflächen nun gereinigt, Risse geschlossen und die Malereien - wo nötig - nur minimal retuschiert werden.

Gottesdienst läuft weiter

Für die gesamte Baumaßnahme, die bis Ende 2026 andauern soll, habe man circa 13 Millionen Euro veranschlagt - ein Fenster koste dabei großzügig veranschlagt rund 500.000 Euro. Den Großteil in Höhe von knapp 9,9 Millionen Euro übernimmt dabei die Erzdiözese München und Freising.

Der Eigenanteil der Kirchenstiftung St. Martin beträgt knapp 414.000 Euro. Die restlichen Kosten in Höhe von rund 2,6 Millionen Euro sollen mit diversen Zuschüssen und Fördergeldern finanziert werden. Im Frühjahr 2021 sollen die Arbeiten beginnen.

Damit der Gottesdienst-Betrieb während der gesamten Dauer der Baumaßnahme nicht beeinträchtigt wird, werden die Arbeiten nur außerhalb der Messe-Zeiten verrichtet. Bis zur nächsten Landshuter Hochzeit, die aufgrund der Corona-Pandemie auf das Jahr 2023 verschoben werden musste, soll zumindest auf der Südseite der Kirche das Gerüst wieder rückgebaut sein.

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