Landshuter Kultbar "Bradbury's" steht vor dem Aus

Die AZ hat den Landshuter Barkeeper Brad Macdonald auf einen letzten Gin Tonic getroffen.
| Ingmar Schweder
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Brad Macdonald sagt, für ihn lohnt es sich nicht, seine Bar für 15 Gäste aufzusperren. "Dann zahle ich 100 Prozent drauf."
Ingmar Schweder 2 Brad Macdonald sagt, für ihn lohnt es sich nicht, seine Bar für 15 Gäste aufzusperren. "Dann zahle ich 100 Prozent drauf."
Das "Bradbury's im Taubengäßchen in Landshuts Altstadt.
Ingmar Schweder 2 Das "Bradbury's im Taubengäßchen in Landshuts Altstadt.

Landshut - "Nach mir die Gin-Flut", und "Ich bin Gin und weg": Die Welt ist manchmal eine Gurkenscheibe. Als der Brad'sche "Gurkenskandal" im Februar 2017 im Internet die Gemüter erregte, hätte der Kultbarkeeper aus dem Landshuter Taubengäßchen wohl niemals gedacht, dass er sich nur drei Jahre später einen neuen Job suchen muss.

Bar unter Corona-Auflagen betreiben? "Utopisch"

Doch dann kam Corona und nun, so Brad Macdonald, ist es so gut wie sicher, dass er kurz vor Beginn des Lockdowns seinen wohl letzten Gin Tonic im "Bradbury's" serviert hat. Macdonald sagt, dass er anfangs noch überzeugt war, dass im Herbst die Bars und Diskotheken ohne Auflagen wieder öffnen können. Doch das habe sich als utopisch herausgestellt. "Utopisch ist aber auch, meine Bar unter Corona-Auflagen und mit Abstandsregeln zu betreiben."

Erst kürzlich berichtete die AZ über die Pläne der Landshuter Barszene. Gefehlt hat im Artikel jedoch Brad Macdonald, den die AZ zunächst vergeblich versuchte, zu erreichen.

Er sei auf der Arbeit gewesen, richtete er über Facebook aus. "Aber nicht in der Gastro", schrieb der Kanadier, der seit über 30 Jahren im Geschäft ist und zu Landshuts Vollblutbarkeepern zählt.

 

Dieses Wochenende hätte das Bradbury's wieder öffnen dürfen

Diesen Samstag hätte Macdonald nun tatsächlich wieder öffnen können. Bars dürfen dann unter strengen Hygienevorschriften wieder Drinks servieren, inklusive Masken-, Platz- und Servierpflicht - und eben noch ein paar Auflagen mehr. Das "Bradbury's" wird hingegen wohl für immer geschlossen bleiben.

 

Dichtes Gedränge am Tresen wird es - so Bayerns Ministerpräsident Markus Söder - mit der Wiedereröffnung der Bars nämlich nicht geben. Wie Benedikt Neumeier vom Ordnungsamt Landshut sagt, sollen für Bars aller Voraussicht nach dieselben Regeln wie für Speisewirtschaften gelten.

Das "Bradbury's im Taubengäßchen in Landshuts Altstadt.
Das "Bradbury's im Taubengäßchen in Landshuts Altstadt. © Ingmar Schweder

Das heißt: Keine Musik, kein Tanzen, Getränke müssen am Tisch serviert werden. Wer das 50 Quadratmeter große "Bradbury's" kennt - die Bar besteht mindestens zu einem Drittel aus einer Theke -, weiß: Das kann vom Umsatz her nur schwer klappen. Macdonald: "Ich kann die Bar nur uneingeschränkt öffnen oder gar nicht. Für maximal 15 bis 20 Gäste aufsperren und meinen sicheren Job dafür aufgeben, das lohnt sich nicht. Von so wenig Gästen können wir dann auch nicht leben."

Bald wird die Zukunft des Lokals besprochen

Wie sehr Macdonald überzeugt war, dass es im Herbst ohne Auflagen weitergeht, zeigen die Renovierungsarbeiten. Der Barkeeper hat frisch gestrichen, die Theke abgeschliffen und neu lackiert. Demnächst soll es ein Treffen mit seinem Verpächter geben, um die Zukunft des Lokals zu besprechen.

Macdonald überlegt, ob es sich lohnen könnte, ausschließlich private Feiern für Gruppen anzubieten, um noch etwas Zeit rauszuschlagen. "Im Herbst und Winter ist normal meine stärkste Zeit. Im April beginnt dann die schöne Zeit, um draußen zu sitzen. Wenn ich da erst wieder den Normalbetrieb aufnehmen kann, müsste ich das auch noch mitschleppen. Das ist keine Frage der Leidenschaft, sondern der Vernunft." Seine Stammkunden können ihm aber weiter auf Facebook folgen. Macdonald will nicht ausschließen, "vielleicht irgendwann noch einmal eine Bar zu eröffnen".

Gurke in Spalten oder Scheiben ? Das war damals die entscheidende Frage

Für die AZ hat sich Macdonald trotz seiner wohl sicheren Entscheidung noch einmal hinter den Tresen gestellt und seinen in Landshut mittlerweile berühmten Gin Tonic mit Gurkenscheiben gemixt.

2017 war im Internet nämlich ein Streit um einen servierten Gin Tonic in seiner Bar entbrannt. Macdonald hatte nicht - wie von einem Gast gewünscht - einen Gin Tonic mit Gurkenspalten serviert, sondern mit Gurkenscheiben, der wegen seiner Machart der Dame dann aber zu wenig Gurkengeschmack enthielt. Die Frau beschwerte sich daraufhin in epischer Breite auf Facebook. Daraufhin flogen im Internet verbal die Fetzen zwischen den Bargästen. Nach einer Glosse in der "Landshuter Zeitung" zeigten sich aber die meisten Streithähne versöhnlich. Statt zu meckern, wurde nun gemeinsam über den ungewollten "Gurkenskandal" gelacht und im "Bradbury's" gab's darauf Gin Tonic mit Gurke satt. Denn viele wollten wenigstens einmal den skandalumwobenen Drink mit Gurkenscheibe probiert haben.

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