Landshut: Stiller Protest der Bäume

Das Bündnis "Landshut muss handeln" kämpft mit Plakaten gegen den Klimawandel und macht auf die Baumfällaktion im Metzental aufmerksam.
| Carmen Merckenschlager
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Rund 50 solcher Plakate hängen seit Freitag an den Bäumen der Stadt. Es handelt sich dabei um eine Protestaktion des Bündnisses "Landshut muss handeln" gemeinsam mit den "Fridays for Future" und "Extinction Rebellion Landshut".
Rund 50 solcher Plakate hängen seit Freitag an den Bäumen der Stadt. Es handelt sich dabei um eine Protestaktion des Bündnisses "Landshut muss handeln" gemeinsam mit den "Fridays for Future" und "Extinction Rebellion Landshut". © Christine Vinçon

Landshut - "Ich bin ein Beatmungsgerät", steht auf einem der rund 50 Schilder, die seit Freitag die Landshuter Bäume zieren. Auch darauf zu lesen sind Sprüche wie diese: "Wir trauern um die Toten im Metzental" oder "Unbegrenztes Wachstum? Nur für Bäume".

Die Plakataktion wurde von dem Bündnis "Landshut muss handeln" initiiert. Gemeinsam mit "Fridays for Future" und der neu in Landshut gegründeten Ortsgruppe von "Extinction Rebellion" spazierte rund ein Dutzend Menschen jüngst durch die Stadt und befestigte die Botschaften an den Bäumen. "Wir wollen mit der Aktion die Klimaproblematik ins Bewusstsein der Landshuter bringen", erklärt Evi Hierlmeier. Sie ist eine der Sprecherinnen von "Landshut muss handeln" und Teil des sogenannten Aktionskreises.

Baumfällungen waren der Auslöser für die Aktion

Auslöser für die Baumplakate waren laut Hierlmeier Baumfällarbeiten im Metzental, die vergangene Woche begonnen hatten. Als einen "Kahlschlag" und "Waldfrevel" bezeichnete das Bündnis die Aktion. Auch viele Anwohner störten sich an den Fällarbeiten, organisierten eine Mahnwache und eine Demonstration gegen das Fällen der Bäume.

Die Plakate wurden mit Schnüren an den Bäumen befestigt.
Die Plakate wurden mit Schnüren an den Bäumen befestigt. © Christine Vinçon

Außerdem hätten sich laut Hierlmeier viele Anwohner bei "Landshut muss handeln" gemeldet. "Das war für uns das Momentum für die Aktion. Wir koordinierten außerdem die Demos. Wir wollten eben etwas tun, die Leute fühlten sich enttäuscht und ohnmächtig", so die Sprecherin.

Die Idee, die Bäume sozusagen für sich selbst sprechen zu lassen, ist nicht neu. So habe man sich in Landshut von einer ähnlichen Aktion in München inspirieren lassen. Dabei werden die Plakate nicht einfach nur mit Schnüren an die Bäume angebracht, sondern zusätzlich auch ein paar Ästchen, die aussehen wie kleine Hände - so wirkt es, als würden die Bäume die Schilder selbst halten. Denn: "Landshuts Bäume sind sauer", so das Bündnis.

Auch am Ländtor hängt ein Plakat.
Auch am Ländtor hängt ein Plakat. © Christine Vinçon

"Wir wollten damit einen Hingucker schaffen und Aufmerksamkeit generieren", so Hierlmeier. Wichtig sei es dabei, immer charmant zu bleiben und mit den Aktionen niemandem zu schaden. "Wir haben in Zukunft weitere Aktionen geplant. Aber von der Martinskirche werden wir uns sicher nicht aus Protest abseilen", sagt die Sprecherin und lacht.

Zwar mögen die Schilder durchaus charmant wirken, jedoch handelt es sich dabei genau genommen um eine Ordnungswidrigkeit, wie Fritz van Bracht, Leiter des Ordnungsamts erklärt. Das Plakatieren ist laut Paragraf fünf, Absatz eins der Sicherheitsverordnung der Stadt nur an ausgewiesen Flächen gestattet. Das Bußgeld für die Aktion kann theoretisch bis zu 1 000 Euro betragen. Allerdings sei dies in diesem Fall sehr unwahrscheinlich, wie van Bracht erklärt: "Das ist immer eine Ermessensfrage". Die Bäume wurden nicht beschädigt und die Aussagen auf den Plakaten seien eher gemäßigt. Entfernt werden müssen die Plakate trotzdem. Entweder durch den Bauhof oder durch das Bündnis selbst.

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