Grünen-Stadtrat fordert Tempo 30 für gesamten Stadtkern

549 Unterschriften für ein "einheitliches Gesicht der Innenstadt": Stephan Reinkowskiund Grünen-Stadtrat Christoph Rabl fordern Tempo 30 für den gesamten Stadtkern.
| Franziska Hofmann
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Grünen-Stadtrat Christoph Rabl (rechts) fordert gemeinsam mit Initiator Stephan Reinkowski Tempo 30 in der gesamten historischen Innenstadt - so auch hier in der Regierungsstraße.
Grünen-Stadtrat Christoph Rabl (rechts) fordert gemeinsam mit Initiator Stephan Reinkowski Tempo 30 in der gesamten historischen Innenstadt - so auch hier in der Regierungsstraße. © Christine Vinçon

Landshut - Drei Straßenzüge sind es, die auf dem Stadtplan von Stephan Reinkowski rot hervorstechen. Der Rest ist grün und gelb markiert. Grün hat Reinkowski die Bereiche im Herzen Landshuts eingezeichnet, in denen bereits Tempo 30 gilt, gelb sind die Strecken, die ohnehin nur für Fahrradfahrer und Fußgänger zugelassen sind.

In Rot leuchten derzeit noch das Isargestade, die Maximilianstraße, die in die Regierungsstraße inklusive Regierungsplatz übergeht, die Jodoksgasse und Teile der Freyung sowie die Kolpingstraße, der alte Franziskanerplatz, Am Prantlgarten und die Bindergasse - überall dort dürfen Autofahrer derzeit noch 50 Stundenkilometer fahren.

"Als Anwohner der Kramergasse ist mir besonders aufgefallen, wie uneinheitlich die Geschwindigkeitsbegrenzungen im Herzen Landshuts geregelt sind", sagt Reinkowski, der Mitglied bei den Grünen und deren Arbeitskreis Stadtentwicklung ist. Bei Rundgängen durch die Landshuter Innenstadt hat er eine Karte angefertigt, die zeigt, wie die Tempozonen in der Innenstadt geregelt sind.

"Diese vereinzelten Tempo-50-Straßen sind wie Blinddärme, die in die Eingeweide der Stadt führen", beschreibt es auch Christoph Rabl, Grünen-Stadtrat und Sprecher des Arbeitskreises Stadtentwicklung, der gemeinsam mit Reinkowski zu diesem Thema einen Stadtspaziergang Anfang Oktober organisierte. "Weite Teile des historischen Zentrums von Landshut sind bereits verkehrsberuhigt oder Tempo-30-Zonen. Wir fordern, dass auch die übrigen Straßen oder Gassen in diesem Bereich in die Tempo-30-Zone einbezogen werden."

Von Anfang Juli bis Mitte Oktober sammelte Reinkowski Unterschriften in den betroffenen Bereichen. "Bei vielen Geschäftsinhabern habe ich da offene Türen eingerannt", sagt er. Viele legten die Listen auch in ihren Geschäften aus.

20 Stundenkilometer langsamer "ändern nichts"

Reinkowski und Rabl kritisieren besonders ein fehlendes Gesamtkonzept: "Es wurde mit der Zeit immer angestückelt, etwas verändert, aber das große Ganze hatte man nicht im Blick", so Rabl. Eine Tempo-Reduzierung in der gesamten Innenstadt wäre nur logisch: "Es würde sich nichts ändern, außer dass man an ohnehin kritischen Stellen 20 Stundenkilometer langsamer fahren müsste", so die Meinung des Stadtrats.

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Sowohl der Fußgängerüberweg auf Höhe der Bushaltestelle an der Maximilianstraße, als auch die gesamte Freyung seien Teil des Schulwegs vieler Landshuter Kinder. "In der Freyung gilt nur auf einer Seite Tempo 30. Wenn man aus der Jodoksgasse in Richtung Kolpingstraße fährt, dürfen Autofahrer dort 50 fahren", führt Reinkowski auf. Dort würden allerdings viele Schüler die Freyung kreuzen, die häufig zwischen parkenden Autos hervorkämen. "Das macht die unübersichtliche Situation noch gefährlicher", so Reinkowski.

Für das Grünen-Mitglied eine Problematik, die leicht und ohne große finanzielle Mittel geändert werden könnte - genauer durch nur drei ohnehin schon vorhandene Straßenschilder: "Wenn man das Tempo-30-Schild vom Anfang der Neustadt einfach an die Kreuzung Podewilsstraße in Richtung Maximiliansstraße versetzen würde, das Schild aus der Bindergasse bereits in der Freyung aufstellen würde und das Zonen-Schild an der Ecke Maxwehr/Isargestade einfach schon an die Kreuzung Podewilsstraße stellen würde, wäre die Situation von vornherein viel klarer."

Die drei roten Straßenzüge Maximilianstraße mit Regierungsstraße und Regierungsplatz, Jodoksgasse über die Freyung, Kolpingstraße und die Bindergasse sowie das Isargestade sollen entsprechend der übrigen Straßen und Gassen der Landshuter Innenstadt zur Tempo-30-Zone werden - das fordern Stephan Reinkowski und Christoph Rabl.
Die drei roten Straßenzüge Maximilianstraße mit Regierungsstraße und Regierungsplatz, Jodoksgasse über die Freyung, Kolpingstraße und die Bindergasse sowie das Isargestade sollen entsprechend der übrigen Straßen und Gassen der Landshuter Innenstadt zur Tempo-30-Zone werden - das fordern Stephan Reinkowski und Christoph Rabl. © ho

Stadtrat Christoph Rabl sieht in einer solchen Vereinheitlichung gleichzeitig einen potenziellen Anstoß für noch größere Veränderungen: "Wenn man aus der Verkehrssituation in den betroffenen Bereichen etwas Dampf rausnimmt, könnte der Raum auch ganz anders genutzt werden", so Rabl. "Die Leute würden viel mehr zum Flanieren eingeladen, wenn man alle Straßen in der Innenstadt sicher überqueren kann." Nach Ansicht des Grünen-Stadtrats könnte das sogar die "Vorstufe für weitere, noch verkehrsberuhigtere Konzepte in der Innenstadt" sein. "Wenn man weiterdenkt, wäre das die Chance, etwas auszuprobieren, das vielleicht zu einem Umdenken führt. Eine verkehrsberuhigte Innenstadt wäre ein Raum, der ganz neue Möglichkeiten bietet."

Ruhe als positive Nebeneffekt für Anwohner

Mit diesen Anregungen übergaben Reinkowski und Rabl vor Kurzem 549 gesammelte Unterschriften für eine Tempo-30-Zone im gesamten historischen Zentrum an Oberbürgermeister Alexander Putz. Die Forderung werde aktuell von der Verwaltung geprüft, heißt es vonseiten der Stadt. Dass nicht jeder diese Idee sofort befürworten wird, ist Rabl und Reinkowski bewusst: "Es gibt sicher einige, die erst einmal skeptisch sind. Natürlich wäre das eine Umgewöhnung", so Rabl. Der Stadtrat sieht in der Tempo-30-Forderung "einen kleinen Schritt auf dem Weg zum einheitlichen Gesamtkonzept" für die Stadt.

Einen "schönen Nebeneffekt" sieht Reinkowski überdies am Beispiel der Freyung auch in der Lautstärke: "Je langsamer man über ein Kopfsteinpflaster fährt, desto leiser und angenehmer ist es auch für die Anwohner."

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