Der Urfaust am Stadttheater Landshut

Wie inszeniert man ein Theaterstück, bei dem wegen Corona eigentlich keine Nähe möglich ist ?
| Claudia Hagn
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Das Konzept des "Urfaust" im Theaterzelt spielt mit Treppen, Kästen, Wänden - und erzeugt so Nähe, wo eigentlich keine Nähe sein darf. Hier treffen sich Maphistopheles (Ursula Erb), Faust (Julian Ricker) und Gretchen (Friederike Baldin) auf der Bühne.
Das Konzept des "Urfaust" im Theaterzelt spielt mit Treppen, Kästen, Wänden - und erzeugt so Nähe, wo eigentlich keine Nähe sein darf. Hier treffen sich Maphistopheles (Ursula Erb), Faust (Julian Ricker) und Gretchen (Friederike Baldin) auf der Bühne. © Peter Litvai

Landshut - Die Liebe zwischen Gretchen und Faust, die Suche nach dem Sinn im Leben, nach dem, was die Welt im Innersten zusammenhält: Das sind alles eher existenzielle Dinge. Hat doch Johann Wolfgang von Goethe in seinem Klassiker all die Fragen vereint, die auch knapp 250 Jahre nach Entstehung noch (fast) jeden Menschen umtreiben. Im "Urfaust" wird das alles sogar noch konzentrierter auf den Punkt gebracht.

Wochenlang haben acht Menschen miteinander auf der Bühne geprobt, wurden mit Maske und Visier geschminkt, es gibt Requisiten, die regelmäßig desinfiziert werden mussten - der "Urfaust" ist die erste größere Produktion nach der sechsmonatigen Corona-Pause.

Aufführung war bereits vor Corona-Pause geplant

Die Aufführung des Stücks stand lange vor dem Lockdown fest. Regisseur Peter Oberdorf sagte am Mittwochabend nach einer Durchlaufprobe: "Intendant Stefan Tilch hat mich gefragt, ob ich es machen will unter den gegebenen Voraussetzungen - und ich wollte." Denn bei einem Stück wie "Urfaust" gilt: Abstand 1,5 Meter, sozusagen Liebe auf Distanz. Das ist dem Theater offenbar so gut gelungen, dass es bei der Inszenierung nicht einmal auffällt.

Es gibt Interaktion - aber anders. "Für einen Schauspieler ist es schon schwierig", sagt Julian Ricker, der den Faust darstellt. Man sei es gewohnt, dem anderen näher zu kommen, ihn anzufassen. "Das immer im Hinterkopf zu haben ist schon nicht so leicht. Das ist mir schon sehr aufgefallen. Man muss quasi gegen seinen Instinkt gehen. Aber man gewöhnt sich dran."

Die Distanz bleibe gewahrt, obwohl sich Gretchen und Faust näherkommen - "aber wir haben es geschafft, indem man trotzdem die Distanz wahrt."

Unsichtbare Plexiglasscheibe auf der Bühne

Eine Maßnahme dafür sind viele Kästen auf der Bühne, durchsichtige Stellwände und Löcher sowie Luken in Wänden - bei manchen wurde eine unsichtbare Plexiglasscheibe eingesetzt, um die Corona-Auflagen erfüllen zu können. Das fällt nicht auf in der Inszenierung und könnte auch als schlauer Schachzug durchgehen. Über Mikroports hören sich die Schauspieler trotz Plexiglastrennung.

Dennoch musste manchmal die Regie von außen eingreifen. "Ein Schauspieler, der auf der Bühne in seiner Rolle ist, geht nicht mit dem Coronagedanken auf die Bühne", sagt Oberdorf. Von außen gab es deswegen manchmal den Hinweis, sich nicht zu nahe zu kommen.


Letztendlich passt der "Urfaust" recht gut in die jetzige Zeit, mit der Grundidee, dass zwei Menschen sich gerne näherkommen würden, es aber aus diversen Gründen nicht schaffen. Anders als in Faust I geht es darum, dass sich in der Fassung des Landestheaters ein jüngerer Mann nochmal verlieben möchte - in ein Mädchen, das gar nicht zu ihm passt. "Das passiert auch im Jahr 2020 täglich nach wie vor", sagt Ricker.

Der "Urfaust" eignet sich also nach den vergangenen sechs emotionalen und fordernden Monaten vielleicht recht gut dazu, sein eigenes Dasein zu hinterfragen - und vielleicht auch, was die Welt im Innersten wirklich zusammenhält.

Premiere ist bereits ausverkauft

Die Schauspieler und Mitarbeiter sind froh, dass auch die größeren Produktionen jetzt wieder im Theaterzelt anlaufen. "Es hat mir sehr gefehlt, Theater zu spielen und auch Theater zu sehen", sagt Ricker. Er wünscht sich, dass die Leute wieder ins Theater kommen. Offenbar funktioniert das gerade beim "Urfaust" gut. Die ersten Vorstellungen bis zum 27. September sind bereits fast ausverkauft. Es gibt nur noch sehr wenige Restkarten.

Die Premiere  am Freitagabend um 19.30 Uhr im Theaterzelt ist komplett ausverkauft.

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