90-Jähriger wartet seit Wochen auf den Telefonanschluss

Der Senior lebt allein und ist nun seit dem 22. Dezember von der Außenwelt abgeschnitten - denn die Telekom hat bislang keine Lösung parat. Bauarbeiten sind schuld an der Misere.
| Ramona Rangott
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Von der Misere der Familie Eckl zeugt derzeit nur ein einzelnes schwarzes Kabel, das etwa zwei Kilometer vor Baierbach aus der dicken Schneedecke entlang einer Landstraße ragt.
Von der Misere der Familie Eckl zeugt derzeit nur ein einzelnes schwarzes Kabel, das etwa zwei Kilometer vor Baierbach aus der dicken Schneedecke entlang einer Landstraße ragt. © privat

Landshut - Fritz Eckl ist sauer. Auch sein Vater ist sauer. Seit sieben Wochen nun schon führen die beiden Männer eine intensive Auseinandersetzung mit dem Telekommunikations-Riesen Telekom.

Kupfergabel beschädigt: Seit Wochen Festnetz-Anschluss tot

Der Grund des Disputs: Bei einer Glasfaser-Verlegung nahe Baierbach beschädigte ein von der Telekom beauftragtes Subunternehmen das Kupferkabel, das den Festnetz-Anschluss des 90-Jährigen Vaters von Fritz Eckl bedient. Der Senior lebt allein und ist nun seit dem 22. Dezember von der Außenwelt abgeschnitten - denn die Telekom hat bislang keine Lösung parat.

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Von der Misere der Familie Eckl zeugt derzeit nur ein einzelnes schwarzes Kabel, das etwa zwei Kilometer vor Baierbach aus der dicken Schneedecke entlang einer Landstraße ragt. Daneben steht ein grauer Sicherungskasten, vorne angeklebt ein Flyer, der verrät: "Turbo-Internet für alle! Das Bundesprogramm für superschnelles Breitband". Von "superschnell" kann derzeit aber kaum die Rede sein: Die Bauarbeiten, bei denen das Glasfaserkabel verlegt werden sollte, wurden nicht abgeschlossen.

Telekom: Schon mehrfach tagelange Ausfälle

Und auch das daneben verlaufende Kupferkabel - für Fritz Eckl senior die einzige Möglichkeit per Telefon zu kommunizieren - ist nach wie vor beschädigt. Auch die Telekom bestätigt, dass es sich um ein unterirdisches Problem handelt. Dass der Telefonanschluss des 90-Jährigen nicht funktioniert ist nicht das erste Mal. Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt der Senior, dass es bereits Ausfälle im Oktober und November letzten Jahres gegeben hätte.

"Diese dauerten aber nur so etwa acht Tage an", erklärt Fritz Eckl senior. Dass sich jetzt seit sieben Wochen schon nichts an der Lage gebessert hat, obwohl sein Sohn sich sofort mit der Telekom in Verbindung gesetzt hat, enttäuscht den Rentner. "Ich bin seit 70 Jahren Kunde bei der Telekom. Und ich bin enttäuscht, dass mir da niemand hilft und es immer wieder zu diesen Ausfällen kommt", sagt der Senior.

Der 90-Jährige hat ein Mobiltelefon - aber technische Probleme

Sein Alltag erschwere sich dadurch enorm: Zwar hat ihm sein Sohn, kurz nachdem die Störung im Dezember auftrat, ein Mobiltelefon gekauft - doch mit der Technik hat der 90-Jährige verständlicherweise Probleme. Er hat Mühe die kleinen Tasten zu bedienen und das Telefon ein- und auszuschalten, auch versteht er am Handy - trotz Hörgerät - nur mühevoll, was sein Gegenüber am anderen Ende der Leitung sagt. Hinzu kommt, dass er an Herzproblemen leidet und es ihn beunruhigt, derzeit so schlecht erreichbar zu sein. "Ich bin in der momentanen Situation wirklich ein armer Hund", meint Fritz Eckl senior traurig und hofft, dass die Störung seines Festnetz-Anschlusses bald behoben wird.

Angekündigt hat die Telekom das bereits einige Male, so sein Sohn, Fritz Eckl junior. Doch jedes Mal stellte sich heraus, dass das Telefon im Hause seines Vaters noch immer nicht funktioniert. Fritz Eckl junior telefonierte sämtliche Zweigstellen des Telekommunikations-Riesen ab, von Ungarn, Kroatien über Mecklenburg-Vorpommern oder Berlin.

"Es wirkt, als ob es der Telekom egal wäre"

Niemand konnte ihm weiterhelfen. "Oder wollte", fügt Fritz Eckl junior missmutig hinzu. Denn nachdem der Festnetz-Anschluss nun seit sieben Wochen nicht funktioniert und sich - trotz mehrmaliger Nachfrage - nichts getan hat, drängt sich ihm diese Vermutung auf. "Es wirkt, als ob es der Telekom egal wäre, ob ein 90-Jähriger gut an die Außenwelt angebunden ist oder nicht. Da mein Vater herzkrank ist, kann das mitunter über Leben und Tod entscheiden. Das ist eine echte Sauerei", ärgert er sich.

Antwort der Telekom: Technik soll Problem prüfen

Bei der Telekom ist die Störung seit den 22. Dezember bekannt. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt Marianthi Kokkini-Hanne, Sprecherin der Telekom: "Unsere Technik ist daran, das Problem genau zu prüfen. Wir wollen hier so schnell wie möglich eine Lösung finden. Momentan lässt sich nicht genau sagen, woran es liegt. Ob das Problem unter- oder oberirdisch liegt, wird momentan untersucht." Vonseiten der Telekom habe man Verständnis für den Ärger des Kunden: "Wir sind für ihn da", sagt Kokkini-Hanne und betont, dass man dem Kunden eine Gutschrift für den Ausfallzeitraum zukommen lassen werde.

Doch das Vertrauen von Fritz Eckl junior ist angekratzt, in seiner Not hat er sich auch an die Regierung von Niederbayern gewendet - doch von dort: Keine Hilfe zu erwarten. "Der Mitarbeiter verwies mich auf den Paragraphen 78 des Telekommunikationsgesetzes und betonte, dass unser Fall eine Privatangelegenheit sei. Es interessierte sie nicht. Und dann wurde einfach aufgelegt", erzählt der Vilsheimer. Auf dieses ernüchternde Telefonat hin hat er sich mit der Bundesnetzagentur in Verbindung gesetzt - und von dieser Stelle habe er dann tatsächlich telefonisch die Zusicherung bekommen, dass man sich des Problems annehmen werde. "Ich bin gespannt, ob sich jetzt endlich etwas tut", sagt Fritz Eckl junior. Die Hoffnung wollen weder sein Vater noch er aufgeben.

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