667 Euro für 23-Quadratmeter: Mietwahnsinn im Grünen Haus

Im Grünen Haus wohnt es sich nicht schick, dafür aber teuer: Dort werden Warmmieten von 667 Euro für 23-Quadratmeter-Wohnungen aufgerufen.
| Christina Werner
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36 Zimmer befinden sich im Grünen Haus. In Sabrina F.s Fall übernimmt das Jobcenter die Kosten für die Miete.
cw 36 Zimmer befinden sich im Grünen Haus. In Sabrina F.s Fall übernimmt das Jobcenter die Kosten für die Miete.

Landshut - Sabrina F. wohnt zentral. Für ihre Zwei-Zimmerwohnung zahlt sie 667,45 Euro warm. Wer jetzt an ein Schnäppchen denkt, der täuscht sich. Die Warmmiete wird für nur 23 Quadratmeter berechnet. Sabrina F. wohnt im Grünen Haus an der Luitpoldstraße.

Ein eigenes Bad oder eine Küche sind im Mietpreis nicht enthalten. Die Wohnung hat F. aus der Not heraus bezogen: "Ich wäre im Oktober 2017 fast obdachlos geworden und war froh, dass ich irgendwas gefunden habe, damit meine Tochter nicht in eine Pflegefamilie muss."

Seitdem sucht sie eine Alternative, und in der Zwischenzeit zahlt das Jobcenter den Miethöchstsatz für die Miniwohnung.

Nutzen manche Vermieter die Notsituation aus?

"Ist das alles?", ist die erste Frage, die man auf den Lippen hat, wenn man Sabrina F.s Wohnung betritt. Ein Raum mit zwei Fenstern, einem Tisch und Regalen. Mehr passt in das möblierte Zimmer nicht rein. Eine Trockenbauwand trennt das Schlafzimmer ab, in dem ein Bett und ein Kleiderschrank stehen. "Hier schlafen meine Tochter und ich", sagt F. Die Führung durch die Wohnung ist damit beendet.

Ein Bad haben F. und ihre Tochter nicht. Dafür müssen sie raus auf den Gang zum Etagenbad, das sie sich mit weiteren Mietern teilen. F.: "Eigentlich hieß es, dass wir noch eine Gemeinschaftsküche bekommen, aber bisher gibt es auf unserer Seite der Etage keine Küche."

Im Grünen Haus verteilen sich neun möblierte Appartements und ein Gemeinschaftsbad auf vier Stockwerke. Die Mieten dafür zahlt häufig das Amt. Maximal 660 Euro Warmmiete darf im Fall F. eine Wohnung kosten. Auf die Anzahl der Zimmer komme es dabei nicht an. Bei F. macht das dann runtergerechnet 24 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. Die Frage, die sich an dieser Stelle aufdrängt: Heizt das Jobcenter durch die Übernahme der 24 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter nicht die angespannte Wohnungssituation in Landshut weiter an?

"Ja, es ist ein erheblich hoher Mietpreis", sagt auch Marianne Wolfsecker , Geschäftsführerin des Jobcenters Landshut. "Ich bin ganz froh, dass das Thema angesprochen wird. Denn es ist durchaus so, dass einige Vermieter wissen, welche Sätze wir übernehmen, dann auch Notsituationen ausnützen und Wohnraum, der vielleicht gar nicht vermietet werden könnte, zu einem erheblichen Preis vermietet wird."

Das Problem: Die Miete in Höhe von 667,45 Euro bewege sich nach den Richtlinien des Jobcenters am oberen Rand, sei aber preislich in Ordnung. Auch wenn F. mit ihrer Tochter eine Wohnung mit 65 Quadratmetern zustehen würde, sei sie den Mietvertrag für die Wohnung mit 23 Quadratmetern ohne Küche und ohne Badezimmer eingegangen. Wolfsecker: "Jeder darf eine Wohnung wählen, die er möchte, wenn sie unterhalb des Richtwerts liegt."

Warum aber rechnet das Jobcenter die Mietkosten nicht auf den Quadratmeter um, damit Vermieter erst gar keine überteuerten Mieten aufrufen können? "Das verbietet eine Rechtssprechung des Bundessozialgerichts", sagt Wolfsecker. Nach der vom Bundessozialgericht festgelegten Produkttheorie berechnet sich die angemessene Höhe der Kaltmiete aus dem Produkt der Wohnungsgröße und dem Quadratmeterpreis.

Demnach kann zum Beispiel die Wohnung größer sein, wenn dafür der Quadratmeterpreis geringer ausfällt, sodass die Wohnung im Ergebnis noch angemessen ist. "Wir haben tatsächlich Situationen, in denen man sich als Sachbearbeiter an den Kopf fasst und sich fragt, ob jemand wirklich auf Dauer so wohnen will", sagt Jobcenter-Teamleiter Andreas Hippauf. Es seien aber die Kunden, die ihre Wohnung auswählen, da dürfe das Jobcenter keine Vorschriften machen.

Die Gefahr, dass sich durch die Übernahme der überteuerten Mieten durch das Jobcenter Geringverdiener keine Wohnung mehr leisten können, sieht Wolfsecker nicht. Nur fünf Prozent aller Landshuter bekommen ALG-II-Leistungen. "Ich glaube aber, dass manche Vermieter genau diesen beschränkten Markt bedienen und dann überteuerte Mieten verlangen. Ein Verhalten, das durchaus verwerflich ist."


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