14-Jährigen vergewaltigt? Arzt bestreitet Vorwürfe

Sonderflug nach Niederbayern: Ein Augenarzt aus Bonn soll einen 14-Jährigen missbraucht haben. Er bestreitet die Vorwürfe jedoch.
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Roland S. beim Prozessbeginn am Mittwoch am Landgericht.
cv Roland S. beim Prozessbeginn am Mittwoch am Landgericht.

Landshut - Es gibt ein Foto von Max D., auf dem er auf einer Wiese strahlend neben einer JU 27 steht. Am Tag zuvor waren der 14-jährige Schüler und der Bonner Augenarzt Roland S. in dessen Flugzeug vom Flugplatz Borkenberge-Münsterland in Nordrhein-Westfalen aufgebrochen. Ziel war der Flugplatz Postmünster im Landkreis Rottal-Inn.

In der Nacht soll sich Roland S. dort in seinem Flugzeug an Max D. vergangen haben. Am Mittwoch wurde der Prozess gegen den 65-jährigen Mediziner vor der Jugendkammer des Landgerichts eröffnet. Zu Prozessbeginn wies Roland S. die Vorwürfe vehement von sich – und legte unter anderem das Foto von Max D. vor, das er am Morgen nach der vermeintlichen Tat selbst geschossen hat: "Sehen Sie doch selbst. Die Stimmung war super."

Vorwurf: Vergewaltigung in Tateinheit

Die Anklage sieht das anders: Sie legt Roland S. Vergewaltigung in Tateinheit mit sexuellem Missbrauch eines Jugendlichen zur Last. Es war der 10. September 2016, als der Augenarzt und Max D. nach Niederbayern geflogen waren. Übernachtet werden sollte im Flugzeug. Er mache das seit 35 Jahren so, sagte S.

Viele wollten einmal bei ihm mitfliegen – Zeugenaussagen, denen zufolge er nur Jugendliche auf seinen Flügen mitgenommen habe, tat der Mediziner als Verleumdungen ab. Laut Anklage forderte S. im Verlauf des Abends den 14-Jährigen dazu auf, seine Hose auszuziehen. "Widerwillig", so die Anklage, kam der Schüler der Aufforderung nach. Nachdem er sich hingelegt hatte, begann der Arzt, ihn unter der Unterhose zu streicheln. Obwohl sich Max D. aufforderte, damit aufzuhören, machte S. weiter, bis D. schließlich unter dem Vorwand, er müsse auf die Toilette, das Flugzeug verließ.

S. folgte ihm jedoch und fasste ihn während des Urinierens an das Gesäß. Nachdem der Schüler vortäuschte, Bauchschmerzen zu haben, sperrte S. ihm das Vereinsheim auf. Hilfe war aber auch dort nicht zu erwarten: Das Flugplatzgelände war menschenleer. Schließlich begab sich der Schüler mit Roland S. wieder in das Flugzeug. Roland S. verriegelte die Tür und verging sich erneut laut Anklage an Max D.

Arzt stellte Vergewaltigungsmöglichkeiten nach

Roland S. zitierte in der Folge die polizeiliche Aussage von Max D. vor Gericht: "Er kniete praktisch so über mir, dass meine Beine eingeklemmt waren. Dann nahm er meinen Penis in den Mund." S. hatte auf eigene Faust Ermittlungen und Untersuchungen durchgeführt, um zu beweisen, dass dies aus diversen Gründen gar nicht möglich gewesen ist. S. hatte verschiedene Vergewaltigungsmöglichkeiten in seinem Flugzeug nachgestellt und fotografisch festgehalten, um zu zeigen, dass diese wegen der beengten Verhältnisse im Flugzeug gar nicht möglich seien. Er berichtete von seinen Problemen im Schulter- und Armbereich, die es gar nicht zulassen würden, "Gewalt gegen einen jungen Kampfsportler anzuwenden".

Auch auf mögliche Motive von Max D. für eine Falschbeschuldigung ging der 65-Jährige ein. Er habe gesehen, dass der Penis des Schülers – sie sind im selben Verein – für dessen Alter ungewöhnlich klein gewesen sei, als dieser einmal neben ihm uriniert habe. "Das hat schon eine gewisse psychiatrische Relevanz", sagte S. Später vermutete er bei D. eine Persönlichkeitsstörung.

Dem Vernehmen nach ist es in Bonn "ein offenes Geheimnis", dass sich der Augenarzt gerne mit Jungen umgibt. Er sei stets offen mit seiner Neigung umgegangen, sagte Roland S. vor Gericht und wies darauf hin, dass er seit 2002 in einer eingetragenen Partnerschaft lebe. Max D., der nun an dem Prozess als Nebenkläger teilnimmt, sagte am Nachmittag unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor Gericht aus. Seinem Rechtsbeistand zufolge bestand für den heute 16-Jährigen keine Veranlassung, seine Aussage zu ändern. Der Prozess wird heute fortgesetzt.

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