Lag es an der vegetarischen Speisekarte? Hüttenwirtin verabschiedet sich

Das Heinrich-Schwaiger-Haus hat beim Alpenverein München eine Vorreiter-Rolle: Dort gibt es seit 2025 nur noch vegetarische oder vegane Gerichte. Doch nun verlässt die Pächterin die anspruchsvolle Berghütte in Österreich. Der AZ hat sie ihre Gründe genannt und auch, wie die fleischlose Speisekarte bei den Gästen angekommen ist.
von  Rosemarie Vielreicher
Kerstin Heimberg und Åke Thamer haben das Heinrich-Schwaiger-Haus vier Jahre lang betrieben.
Kerstin Heimberg und Åke Thamer haben das Heinrich-Schwaiger-Haus vier Jahre lang betrieben. © privat

Das Heinrich-Schwaiger-Haus auf der Salzburger Seite im österreichischen Nationalpark Hohe Tauern ist eine ganz besondere Berghütte des Alpenvereins München: Erstens wird sie ausschließlich mit dem Hubschrauber versorgt (oder man muss Waren zu Fuß hochschleppen). Und zweitens: Es war die erste Hütte der Sektion, die Fleisch komplett von der Speisekarte gestrichen hat.

Jetzt steht dort ein Neustart an. Die bisherige Pächterin Kerstin Heimberg hört auf. Sie hatte mit ihrem Partner für die Saison 2025 umgesetzt, dass es nur noch vegetarische Speisen gibt. Damals sagte sie der AZ: "Wir hatten schon immer im Kopf, eine vegetarische Hütte zu führen."

In ihrem dritten Jahr packten sie diesen Wunsch an. Es ging ihnen ums Klima, die Umwelt, aber auch um die Logistik: "Wir sind auf 2802 Metern Höhe und liegen in der Kernzone des Nationalparks Hohe Tauern. Das ist einerseits wunderschön, hat aber den Nachteil, dass wir durch den Nationalpark nur wenige Flugtermine pro Saison vorgegeben bekommen."

Deswegen hört die Pächterin jetzt auf

Warum schließt sie das Kapitel nun? Sie teilt der AZ mit: "Für uns waren nach vier Hüttensaisons auf dem Heinrich-Schwaiger-Haus die Infrastruktur und die stetig wachsende Nachfrage schlicht nicht mehr in Einklang zu bringen."

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Weiter lässt sie wissen: "Wir haben gemerkt, dass wir die Qualität, die wir uns für unsere Gäste vorstellen, unter diesen Bedingungen nicht mehr dauerhaft gewährleisten können." Sie macht aber deutlich: "Es war keine leichte Entscheidung – ausgerechnet in dem Jahr, das wohl das erfolgreichste war."

Wie kam die vegetarische Ausrichtung bei den Gästen an?

Hat das Ende auch mit der fleischlosen Ausrichtung zu tun? Kam die vielleicht nicht so gut an? Im Gegenteil! Das vegetarische Angebot sei sehr gut angekommen, "und das hat uns selbst überrascht". "Die Umstellung auf eine rein vegetarische Küche war eine bewusste Entscheidung, die wir nie bereut haben. Die Gäste haben sie mit großer Offenheit angenommen."

Zum Beispiel standen auf der Karte Kaspressknödelsuppe, Brettl-Jause mit Kas und vegetarischem Aufstrich, Pasta Bolognese (vegan) oder Kässpatzen mit Röstzwiebeln.

Auf der Homepage des Hauses wird vorgerechnet: "Seit 2025 kochen wir ausschließlich vegetarisch und vegan. Im Vergleich zu 2024 (Mischkost) konnten wir dadurch rund 7,2 Tonnen CO₂‑Äquivalente einsparen – das entspricht etwa 35.000 Autokilometern."

Vereinzelt habe es Beschwerden gegeben, "die waren jedoch überraschend gering". "Es hat sich gezeigt, dass man auf einer Berghütte kulinarisch neue Wege gehen kann", sagt Heimberg.

Ein Blick in die Google-Rezensionen bestätigt, dass die meisten das sehr gute vegetarische Essen loben (zum Beispiel: "sensationelle Kaspressknödel und auch sonst sehr leckere Speisen"). Vereinzelt vermissen Besucher Fleischgerichte: "Eine sehr schöne Hütte – alles bestens –, außer dass nur vegetarische Gerichte angeboten werden. Ich persönlich finde, dass ein Imbiss mit Fleisch auf einer solchen Hütte einfach dazugehört."

Das Heinrich-Schwaiger-Haus in Österreich ist eine Berghütte der Sektion München.
Das Heinrich-Schwaiger-Haus in Österreich ist eine Berghütte der Sektion München. © imago/imageBROKER/Hermann Dobler

Auch auf der Zugspitze gibt es bereits ein Restaurant, das auf Fleisch verzichtet. Im Gletscher 2600 gibt es ausschließlich vegetarische und vegane Gerichte. Wer auf Deutschlands höchstem Berg nicht auf Fleisch verzichten will, kann es aber problemlos weiterhin im Restaurant nebenan bestellen.

Was Pächter-Interessenten wissen müssen

Zurück zum Heinrich-Schwaiger-Haus: Ob die neuen Pächter den vegetarischen Weg weitergehen werden, liege in den Händen des neuen Pächters beziehungsweise der Auswahl der Sektion, so Heimberg. Bei der Umstellung 2025 hatte der DAV dies ausdrücklich unterstützt.

Dem Alpenverein zufolge wird die Hütte je nach Witterung von Mitte Juni bis Mitte/Ende September bewirtschaftet. Die Saison 2026 ist gerade zu Ende gegangen.

Die Sektion München schreibt in der Stellenanzeige: "Dank der sehr guten Bewirtschaftung durch die Vorgänger hat die Hütte einen ausgezeichneten Ruf erworben. Die durchschnittlichen Übernachtungszahlen der letzten drei Jahre lagen bei 2400 Übernachtungen in den rund vier Öffnungsmonaten pro Jahr."

Diese Fähigkeiten sollte man mitbringen

Es gebe rund 70 Schlafplätze. "Drei gemütliche, beheizbare Gasträume schaffen die beliebte Hüttenromantik an diesem einzigartigen, alpinhistorisch so bedeutenden Stützpunkt."

Was neue Pächter interessieren könnte: "Für den Betrieb wurden sämtliche Ver- und Entsorgungsanlagen der Hütte komplett erneuert. Gleiches gilt für die Küche sowie die Lagerräume. Obwohl exponiert gelegen, verfügt die Hütte sogar über einen talseitigen Stromanschluss und eine kleine PV-Anlage."

Das Heinrich-Schwaiger-Haus liegt auf 2802 Metern inmitten der felsigen Glocknergruppe.
Das Heinrich-Schwaiger-Haus liegt auf 2802 Metern inmitten der felsigen Glocknergruppe. © imago/Eibner-Pressefoto/EXPA/Oberhauser

Ab der Saison 2027 wird ein alpin erfahrener Hüttenwirt gesucht beziehungsweise ein Team. Die Sektion München wünscht sich eine langfristige Zusammenarbeit. Mitbringen sollte man fundierte Erfahrungen im Hüttenbetrieb, sehr gute gastronomische Fähigkeiten und unter anderem auch die "Motivation, Dinge voranzubringen".

Explizit genannt ist die vegetarische Ausrichtung nicht, aber man möchte eine "nachhaltig ausgerichtete Bewirtschaftung mit klarem Bekenntnis zum Schutz der Natur und der Umwelt".

Wir gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge

Zum Abschied lässt Heimberg wissen: "Die letzten vier Jahre auf dem Heinrich-Schwaiger-Haus haben uns viel gegeben – unvergessliche Begegnungen und Momente, die man wohl in keinem Tal erlebt."

Und weiter: "Wir gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Unser herzlichster Dank gilt allen Partnern sowie der Sektion München für das entgegengebrachte Vertrauen und die tolle Zusammenarbeit, aber ganz besonders unserem Team, das Saison für Saison Unglaubliches geleistet hat. Die Berge lassen wir nicht hinter uns – wir sind gespannt, was sich entwickelt."

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