"Ladelust statt Ladefrust": Was sich in Sachen E-Mobilität in Deutschland ändern muss

Länger als geplant und erwünscht hat es gedauert, aber jetzt scheint es mit der Elektromobilität in Deutschland wirklich voranzugehen. Das jedenfalls folgert der Tüv-Verband aus seiner jüngsten Mobilitätsstudie, die Geschäftsführer Joachim Bühler am Dienstag in Berlin präsentierte. "Die Indizien verdichten sich, dass die E-Mobilität vor dem Durchbruch steht", so der Tüv-Chef.
Von mehr als 2500 Befragten gaben dabei nur noch 35 Prozent an, dass sie bei einem Autokauf ein Benzin- oder Dieselfahrzeug bevorzugen würden. Jeweils 25 Prozent favorisierten ein reines E-Auto oder ein Hybridfahrzeug, vier Prozent warten auf ein Wasserstoff-Fahrzeug und sieben Prozent würden sich grundsätzlich kein eigenes Auto (mehr) kaufen wollen.
Selbst von denen, die einen Verbrenner erwerben wollen, zeigten sich 23 Prozent offen für ein Elektrofahrzeug.
Was E-Auto-Fahrer an ihrem Fahrzeug stört
Die Freude am elektrischen Fahren wird laut Studie allerdings getrübt. Von den befragten Stromer-Besitzern beklagten 61 Prozent, dass die Reichweite ihres Fahrzeugs im Winter deutlich zurückgeht. Auf der Beschwerdeliste stehen außerdem intransparente Preise an den Ladesäulen (49 Prozent), komplexe Bezahlsysteme beim Laden (48 Prozent), hohe Kosten für öffentliches Laden (47 Prozent) und Probleme mit blockierten Säulen (36 Prozent).

"Laden ist ein riesiges Thema", sagte Tüv-Geschäftsführer Bühler: "Wir müssen Ladelust statt Ladefrust erzeugen." Der Vertrauensvorschuss in die E-Mobilität dürfe nicht enttäuscht werden. Der politische Zickzack-Kurs sei "Gift für die Antriebswende".
Das Auto ist immer noch an der Spitze
Die jüngste Mobilitätsstudie unterstreicht die unangefochtene Spitzenstellung des Autos. 83 Prozent der Befragten gaben an, den Pkw mindestens einmal in der Woche als Verkehrsmittel zu nutzen. Als Fußgänger bezeichneten sich 63 Prozent, je 20 Prozent nutzen den ÖPNV und das Fahrrad und 14 Prozent das E-Bike mindestens einmal pro Woche. Die Regionalbahn spielt mit sieben Prozent eine untergeordnete Rolle.

Überragend ist der Wunsch der Befragten nach Förderung des ÖPNV (76 Prozent) und des Regional- und Fernbahnverkehrs (72 Prozent). Gleichzeitig lehnten es 54 Prozent der Teilnehmer ab, den Autoverkehr in den Innenstädten einzuschränken.
Anti-Auto-Politik hat Gegner
Eine knappe Mehrheit gegen eine solche Anti-Auto-Politik fand sich sogar in den Großstädten mit 49 Prozent. 47 Prozent befürworteten ein Aussperren von Pkw aus den Innenstädten.
Eine deutliche Mehrheit sprach sich dafür aus, den Autoverkehr in den Innenstädten durch Anreize wie den Ausbau des ÖPNV (91 Prozent), mehr Park-and-Ride-Plätze am Stadtrand (77 Prozent) und die Förderung des Radverkehrs (69 Prozent) zu reduzieren.
Hohe Unzufriedenheit spricht aus den Antworten auf die Frage nach der Qualität der Verkehrsinfrastruktur am Wohnort. 67 Prozent bemängelten den Zustand der Straßen sowie der Rad- und Gehwege. Zu wenige Radwege beklagten 50 Prozent, zu wenige Parkplätze 49 Prozent.