Kurzgutachten gibt neue Details zum Brand am Kehlsteinhaus preis: Mutmaßlicher Brandstifter wohl psychisch krank

Update, 16 Uhr: Der als mutmaßlicher Verursacher des Großbrandes am historisch bedeutsamen Kehlsteinhaus am Obersalzberg festgenommene Mann ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft Traunstein psychisch krank. Das habe ein psychiatrisches Kurzgutachten ergeben, das ein Sachverständiger über den 33 Jahre alten Deutschen erstellt habe, sagte Staatsanwalt Rainer Vietze auf einer Pressekonferenz in Berchtesgaden.
Der Mann sei am Samstag einem Untersuchungsrichter in Rosenheim vorgeführt worden. Ziel sei, eine Unterbringung in einer forensischen Einrichtung für psychisch kranke Straftäter zu erwirken. Man müsse von zumindest verminderter Schuldfähigkeit ausgehen, sagte Vietze. Auch ein mögliches politisches Motiv werde geprüft - da seien die Ermittler aber erst ganz am Anfang.
Zuvor hatte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) der Polizei für ihr Eingreifen am Obersalzberg gedankt. Der mutmaßliche Brandstifter war den Einsatzkräften auf einem Motorrad auf der engen und steilen Kehlsteinstraße entgegengekommen. Es sei nicht leicht gewesen, ihn zu stellen. Nach dpa-Informationen hat der Mann auch einen Fluchtversuch auf seinem Motorrad unternommen.
Update, 15.40 Uhr: Der mutmaßlich absichtlich gelegte Brand am Kehlsteinhaus am Obersalzberg hat einen riesigen Sachschaden angerichtet. "Der Schaden geht sicher in die Millionen", sagte der Vorsitzende des Zweckverbands Bergerlebnis Berchtesgaden, Bartl Wimmer. Nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) müssten nun Brandsachverständige den genauen Schaden feststellen.
Er hatte bereits zuvor betont, das Haus sei gut versichert, mögliche Ansprüche gegenüber der Versicherung würden bereits geprüft. Der Wiederaufbau werde einige Zeit dauern, er sagte jedoch zu, nach einer vernünftigen Lösung zu suchen. Der Freistaat Bayern ist Eigentümer des Gebäudes. Wegen des historisch schwierigen Bezuges sollen auch Historiker in den Prozess einbezogen werden.
Update 24.10.10 Uhr:
Am Morgen nach dem Brand zeigen Webcam-Bilder das Ausmaß der Zerstörung am Kehlsteinhaus. Das Gebäude sieht komplett ausgebrannt aus, immer noch ziehen Rauchschwaden in den Himmel.

Update 24.10. 9:00 Uhr:
Bei dem Feuer im Kehlsteinhaus am Obersalzberg in Berchtesgaden laufen die Löscharbeiten und die Ermittlungen zur Brandursache auf Hochtouren. Eine verdächtige Person sei vorläufig festgenommen worden, teilte die Polizei in Oberbayern am frühen Morgen mit. Ob die festgenommene Person mit dem Brand in Zusammenhang steht, werde noch untersucht. Die Kriminalpolizei Traunstein habe die Ermittlungen übernommen.
Laut einem Polizeibeamten brannte es am Morgen gegen 7.00 Uhr immer noch in der Berggaststätte, die zur Zeit des Nationalsozialismus errichtet worden war. Die ersten Rettungskräfte waren nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd am Freitagabend um 21.52 Uhr eingetroffen und hatten einen Großbrand festgestellt.

Zugang zur Berggaststätte schwierig
Die Anfahrt zum Kehlsteinhaus mit den Löschzügen gestaltete sich demnach wegen der Lage des Gebäudes schwierig. Zudem könnten das nähere Umfeld der Gaststätte sowie das Gebäude selbst nur mir schwerer Atemschutzausstattung betreten werden.
Von Verletzten geht die Polizei aber nicht aus. Nach bisherigen Erkenntnissen habe sich niemand im Kehlsteinhaus aufgehalten.
Laut der Internetseite des Zweckverbandes Bergerlebnis Berchtesgaden sollte das Kehlsteinhaus - auch Eagle's Nest (Adlernest) genannt - in dieser Saison noch bis zum 8. November geöffnet sein.

Erbaut in NS-Zeit
Das Gebäude auf 1.834 Metern Höhe ist seit 1952 eine Berggaststätte. Es wurde 1938 fertiggestellt und befand sich in einem abgeriegelten und für die Öffentlichkeit gesperrten Wohn- und Regierungsareal der nationalsozialistischen Führung. Eine Ausstellung dort widmet sich der Geschichte des Gebäudes.
Der Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden schreibt auf seiner Seite über das Haus: "Erbaut 1937/38, sollte in der NS-Zeit das damals sogenannte Teehaus als politischer Repräsentationsort abseits der Öffentlichkeit dienen. Tatsächlich blieb die Bedeutung des Kehlsteinhauses gering." Adolf Hitler habe dort Diplomaten oder andere ausländische Gäste empfangen. "Viel häufiger nutzte es die am Obersalzberg versammelte NS-Entourage zur Erholung und für private Feiern."