Ehemaliger "Kuhstall" von Maria und Margot Hellwig steht zum Verkauf
Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) macht mit seiner "Denkmal-Börse" regelmäßig auf zum Verkauf stehende Immobilien aufmerksam. Damit will das BLfD nach eigenen Angaben dabei helfen, "dass verkäufliche Baudenkmäler und Denkmalinteressierte" zusammenfinden.
"Sie möchten ein Baudenkmal verkaufen oder suchen ein historisches Wohnhaus mit unverwechselbarem Charme? Dann sind Sie hier richtig", schreibt das BLfD dazu auf seiner Website.
Mitunter sind dort auch historische Häuser im Privateigentum zu finden. Bei diesem Exposé, das die AZ über die besagte "Denkmal-Börse" des BLfD entdeckt hat, geht es um ein touristisch bekanntes Gebäude. Es stehe aktuell noch zum Verkauf, sagte eine Sprecherin des BLfD auf AZ-Nachfrage, und verwies als Ansprechpartner auf den zuständigen Immobilienmakler, der der AZ ebenfalls bestätigte, dass das Haus noch käuflich sei.
Ehemalige Gaststätte von Maria Hellwig und Tochter Margot Hellwig steht zum Verkauf
Das historische Gebäude befindet sich den Angaben zufolge mitten im beliebten Ferienort Reit im Winkl. "Der denkmalgeschützte Wohnteil des traditionellen Traunsteiner Gebirgshauses wurde 1766 in Massivbauweise errichtet", heißt es auf der Website vom BLfD.
"In seinem Wirtschaftsteil entstand 1964 das Restaurant-Café ‘Zum Kuhstall’, dessen ‘Kuhstall Bar’ im Untergeschoss bei Prominenten aus Sport, Kultur und Politik sehr beliebt war", heißt es zu der berühmten Geschichte. Und weiter: "Lange Jahre war die von Maria Hellwig und ihrer Tochter (Margot Hellwig, Anm. d. Red.) betriebenen Gaststätte ein Hotspot der volkstümlichen Musik."
Reit im Winkl war zudem der Heimatort der im Jahr 2010 verstorbenen Volksmusiksängerin Maria Hellwig, dem sie zeitlebens eng verbunden war.

Doch zurück zu dem besagten Exposé: Heute biete das "traditionelle Bauernhaus" mit Wohn-, Gastronomie- und Gewerbeteil "in bester Innerortslage vielfältige Möglichkeiten für eine Neunutzung", heißt es. In dem über die "Denkmal-Börse" des BLfD abrufbaren Exposé ist unter anderem die Rede von ungefähr 1466 Quadratmetern Grundstücksfläche sowie von einer "Gesamtnutzfläche" von ungefähr 933 Quadratmetern.
Allein die Wohnfläche beträgt den Angaben zufolge rund 342 Quadratmeter. Kaufpreis: "Auf Anfrage".
Das ehemalige "Edermaier-Anwesen" am historischen Ortsrand von Reit im Winkl habe eine jahrhundertelange Geschichte, teilte eine Sprecherin des BLfD auf AZ-Anfrage mit. "Im Kern stammt es wohl aus dem frühen 16. Jahrhundert. Nach einem Brand 1766 baute man es dann als lokaltypisches, spätbarockes Traunsteiner Gebirgshaus neu auf", so die Sprecherin.

Der stattliche Massivbau mit seinem verputzten Blockbaugiebel sei für das Ortsbild von Reit im Winkl "bis heute prägend – vor allem durch den qualitätvoll ausgebildeten Frontgiebel mit seiner breiten Giebellaube, originaler Hochlaube sowie dem weit vorkragenden Giebelvordach mit profilierten Pfettenköpfen", so die Sprecherin des BLfD.
"Trotz Anpassungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts hat der denkmalgeschützte Wohnteil sein historisches Erscheinungsbild bewahrt." Besonders hervorzuheben sei zudem, „dass im Inneren mit dem tonnengewölbten Flez, originalen Putz- und Farbschichten sowie der Bauernstube mit Deckenvertäfelung“ wesentliche historische Ausstattungs- und Raumstrukturen bis heute erhalten seien.
Der rückwärtige Wirtschaftsteil dagegen, in dem zum Teil noch Preußisches Kappengewölbe erkennbar sei, sei von Maria Hellwig und ihrem Mann zum "Kuhstall" umgebaut worden, heißt es vom BLfD. Hellwig galt als Inbegriff der deutschen Volksmusik, trat oft mit ihrer Tochter Margot gemeinsam im Dirndl auf. Sie verstarb 2010 mit 90 Jahren. Bis heute dürften sich über die oberbayerische Gemeinde hinaus Volksmusik-Fans gerne an sie und die Gaststätte zurückerinnern.
"Wir als Gemeinde würden es begrüßen, wenn sich ein neuer Eigentümer findet"
In Reit im Winkl hat die Abendzeitung telefonisch den Bürgermeister der Gemeinde, Matthias Schlechter, erreicht. Er sagte auf AZ-Nachfrage: "Wir als Gemeinde würden es begrüßen, wenn sich ein neuer Eigentümer findet, der die Energie und das nötige Kleingeld investieren kann, um das altehrwürdige Gebäude auch wieder einer entsprechenden Nutzung zuzuführen". Denn eine Renovierung wäre natürlich mit Kosten verbunden. Der historische Wohnteil steht zudem unter Denkmalschutz.
In einem Teil des Gebäudes nutzt das Landratsamt Traunstein einige Räume zur Unterbringung von Geflüchteten, wie die Behörde auf AZ-Nachfrage mitteilte – diese seien vom Landratsamt am 1. Juni 2024 angemietet worden, sagte dort ein Sprecher.
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