Kritik an Söders Plan, Mundart zum Schulfach zu machen

Söders Plan, Dialekt in die Lehrpläne aufzunehmen, stößt auf Kritik. Selbst ein Mundart-Förderer stimmt ihm nicht bedingungslos zu.
| Ruth Schormann
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, nach der CSU-Vorstandssitzung auf einer Pressekonferenz.
Peter Kneffel/dpa Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, nach der CSU-Vorstandssitzung auf einer Pressekonferenz.

Erst die Kreuze in bayerischen Behörden, jetzt Mundart an bayerischen Schulen – ein neuer Plan von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) lässt manche kopfschüttelnd, andere erfreut zurück.

Kritik an Söders Plan, Mundart als Schulfach einzuführen

Humorist Toni Lauerer etwa. Er ist für seine Mundart-Geschichten und Theaterstücke bekannt und sagt zur AZ: "Es ist besonders für junge Menschen wichtig, sich ihrer Identität und ihrer Wurzeln bewusst zu sein, und da gehört meiner Meinung nach der Dialekt auf jeden Fall dazu!" Er findet den Vorschlag "parteiunabhängig sehr gut".

Siegfried Bradl, Vize-Vorsitzender des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte (FBSD), findet Söders Ansatz "positiv, aber nicht durchweg". Ministerpräsident Söders Zitat "Dialekt macht intelligent" findet er "stark reduziert – und damit wirkt es lächerlich", sagt er zur AZ.

Freilich seien dem FBSD Dialekte wichtig. Alle Dialekte, sagt Bradl gleich vorweg, egal, ob Mittelbairisch, Fränkisch oder Plattdeutsch.

Kinder mit Dialekt tun sich beim Sprachenlernen leichter

Und ein bisserl hat Söder mit seiner Aussage schon recht, denn laut Studien tun sich Kinder, mit denen daheim Dialekt gesprochen wird, sodass sie die Schriftsprache nicht mit der gesprochenen gleichsetzen können, beim Sprachenlernen später leichter. "Das ist die beste Basis, um später Fremdsprachen zu lernen", sagt Bradl.

Gut findet er, dass Söder auf die Lebensart und die regionale Kultur und Verankerung hinweist, die mit der Mundart zusammengehört. "Das ist ein Kulturgut, das es zu bewahren gilt", sagt Bradl. Dazu zählen für ihn Musik, Tanz, Sitten und Bräuche – und eben auch die Sprache.

Kindern fehlt es an Vorbildern

"Kinder wissen fast gar nix mehr", bedauert er, der viele Kitas und Schulen besucht, um Werbung für Mundart zu machen. "Aber da geht es um die Familie, die Schule kriegt immer mehr aufs Auge gedrückt. Lehrer haben gar nicht die Zeit, sich mit der Region, in der sie unterrichten, intensiv zu beschäftigen. Das wäre sehr wichtig, weil sie oft ganz wo anders sozialisiert wurden", sagt er. Bradl lebt in Altomünster. Dort gebe es besonders viele Lehrkräfte aus Franken. "Da sollte man ansetzen, an der Lehrerausbildung", sagt er. Und es fehle an Vorbildern. "Bei einer Veranstaltung zum Thema 100 Jahre Freistaat ist der Dialekt mehrmals angesprochen worden von Promis und Politikern, aber im Dialekt geredet hat keiner, ob Söder, Stamm oder Magdalena Neuner", sagt Bradl.

"Es sollte nicht nur Lippenbekenntnisse geben", ist seine Meinung, das sei unglaubwürdig. Der vorgestellte Plan sieht vor, Dialekt und Mundart in Lehrpläne der achten Klassen von Realschule und Gymnasium aufzunehmen. Dazu sagt Bradl: "Die sprachliche Lernfähigkeit von Kindern ist zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr sehr groß." Dialekt gehöre in alle Schularten "und die Kindergärten darf man dabei auch nicht vergessen", sagt der Experte.

Auch Migranten müsse unser Dialekt, unsere Kultur mit Respekt vor der ihren nahe gebracht werden, findet Bradl. "Das wäre die beste Brücke, damit Integration gelingt"

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren