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Kleinod am See bei München: Dieser Kiosk ist ein echter Geheimtipp für Ausflügler

In einer kleinen, bunten Bretterbude am Ammersee schenkt Volker Mergen seinen Gästen ein, und zwar großzügig. Hier fasst der Aperol Spritz auch mal einen halben Liter, und das zum fairen Preis. Was den Kiosk und seinen Besitzer sonst noch auszeichnet und warum sich der Toilettenbesuch besonders lohnt.
von  Eleni Christoforis
Die Bayrische Brandung am Ammersee.
Die Bayrische Brandung am Ammersee. © privat

Wenn die Sonne über dem Ammersee tiefer wandert und ihr Licht golden auf das Wasser legt, füllt sich die Promenade vor der Bayrischen Brandung in Herrsching. Menschen setzen sich mit ihren Gläsern auf die Ufermauer, ein Dampfer zieht am Horizont vorbei.

Hinter dem Tresen der kleinen, bunten Bretterbude steht Volker Mergen (53) und hat genau das im Blick, was ihm hier am wichtigsten ist: dass die Leute eine gute Zeit haben. Und er selbst auch.

Volker Mergen (53) ist am wichtigsten, dass jeder eine gute Zeit hat.
Volker Mergen (53) ist am wichtigsten, dass jeder eine gute Zeit hat. © privat

Es ist Mergens zweite Saison an diesem Fleck Uferpromenade. Zuvor hatte Martin Gruber die Bayrische Brandung betrieben. Als es Gruber vergangenes Jahr in seine Heimat nach Utting zog, suchte die Eigentümergemeinschaft einen Nachfolger. Sie fand ihn in Volker Mergen.

Die Entscheidung fiel ihm leicht

"Ich bin gefragt worden und dann habe ich, ohne zu überlegen, Ja gesagt", erzählt Mergen im Gespräch mit der AZ. Ganz neu im Geschäft ist er dabei nicht: Er hat schon die Eismacherei in Stegen geleitet und in München ein kleines Bistro betrieben.

Aufgewachsen ist Mergen in Trier, an den Ammersee hat es ihn erst später verschlagen – "der Liebe wegen", sagt er und lacht. "Wie es so oft ist."

Die Bayrische Brandung bei Nacht.
Die Bayrische Brandung bei Nacht. © privat

Dass er in der Gastronomie gelandet ist, wirkt auf den zweiten Blick konsequent: Gelernt hat Mergen Buchbinder und hat dann über 20 Jahre in der Pflege gearbeitet. Was ihn doch dorthin gezogen hat? "Das hat mich schon immer gereizt: Menschen zusammenzubringen und Orte zu schaffen, wo man sich wohlfühlt und miteinander ins Gespräch kommen kann."

Leben und leben lassen

Von seinem Vorgänger Gruber hat Mergen mehr übernommen als nur den Pachtvertrag. Auf die Frage, was er von dessen Philosophie behalten habe, sagt er: "Schon auch dieses leben und leben lassen." Die Gäste sollen Spaß haben, ganz gleich ob jung oder alt: "Wir wollen, dass die Gäste eine gute Zeit haben – aber auch wir. Ich denke, dass das eine das andere befruchtet."

"Ich habe großen Spaß, mit dem See zu leben", sagt der Kiosk-Betreiber.
"Ich habe großen Spaß, mit dem See zu leben", sagt der Kiosk-Betreiber. © privat

15 Leute arbeiten hier, in Stoßzeiten braucht es bis zu vier gleichzeitig. Die Brandung hat längst ihre Stammgäste: "Es kommen viele Einheimische, viele Herrschinger – was mir sehr wichtig ist."

Dass der Sonnenuntergang zum inoffiziellen Live-Event der Brandung geworden ist, weiß Mergen. "Ich habe großen Spaß, mit dem See zu leben", so der 53-Jährige.

Neue Struktur, altes Herz

Ganz unverändert hat Mergen die Brandung nicht übernommen: "Was ich grundsätzlich verändert habe, war, dass ich es innen komplett renoviert habe." Es ist jetzt mehr Platz als vorher, die Arbeitsabläufe hat er anders organisiert – an der Karte selbst dagegen wenig verändert.

Eine Konstante war ihm wichtig: "Die Brandung war schon immer bekannt für großzügig eingeschenkte Getränke, und das soll auch so bleiben." Die Spritz-Getränke kommen auf 0,4 bis 0,5 Liter und kosten 7,80 Euro. "Mir ist es lieber, die Gäste trinken in entspannter Atmosphäre dann zwei, als einen zu teuren."

Sogar die Toilette ist hier bunt.
Sogar die Toilette ist hier bunt. © privat

Zu essen gibt es, mangels Küche, nur Kleinigkeiten: Croissants (2,70 Euro), Auszogene (2,90 Euro), Spinat- und Schinkenstangen (4,40 Euro) sowie selbst gemachte Cookies (2,40 Euro).

Auffällig ist zudem, was fehlt: ein Pfandsystem. "Wir haben keinen Pfand – weil wir keine Lust drauf haben", sagt Mergen. Dass dabei auch mal ein Glas kaputtgeht, nimmt er in Kauf: "Da steckt ja keine Absicht dahinter." Getrennte Toiletten für Gäste und Personal, gestaltet von der Künstlerin Monika Roll, runden die liebevoll durchdachte Hütte ab.

Achtung! Diese Zwei-Euro-Münze ist festgeklebt!
Achtung! Diese Zwei-Euro-Münze ist festgeklebt! © privat

Wer genau hinschaut, entdeckt vor dem Kiosk eine festgeklebte Zwei-Euro-Münze, die es bei Google sogar zu einem Eintrag als eigene Sehenswürdigkeit geschafft hat. Die Idee hatte Mitarbeiter Bene. Wer sich bückt, um die Münze aufzuheben, scheitert, und das ganz bewusst. Dahinter steckt dasselbe Prinzip wie hinter dem ganzen Laden: "Es geht darum, die Leute zum Lachen zu bringen und Spaß zu haben – und eine ungezwungene Atmosphäre zu schaffen, ohne nervig zu sein."

Eigene Brandungsmischung

Beim Kaffee setzt Mergen auf Regionales. Von der Kaffeerösterei am Ammersee bezieht die Brandung eine eigene Röstung, die "Brandungsmischung". Espresso kostet 2,20 Euro, Cappuccino 3,80 Euro. Beim Bier setzt er auf die Ayinger Brauerei, frisch vom Fass gezapft – für einen kleinen Kiosk keine Selbstverständlichkeit. Alle Biere, auch das Weißbier, kosten einheitlich 4,20 Euro (0,5 Liter).

Beim Wein wird es persönlich: Mergen bezieht ihn von einem Winzer an der Saar, mit dem er früher Fußball gespielt hat. "Inzwischen kommen viele Gäste gezielt wegen des Weins, weil wir bekannt sind für guten Wein mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis." Sein persönlicher Favorit ist die Riesling-Weinschorle (3,90 Euro), auch wenn meist der Aperol Spritz (7,80 Euro) über den Tresen geht.

Wer keinen Alkohol möchte, bekommt trotzdem eine große Auswahl: Die alkoholfreien Cocktails hat Mergen so zusammengestellt, dass sie ihm selbst schmecken. Von alkoholfreiem Aperol (Arnica Spritz; 7,80 Euro) bis hin zu alkoholfreiem Minga Mule (7,80 Euro) ist alles dabei. Nur bei einer Kategorie macht er eine Ausnahme: "Einen alkoholfreien Wein, der schmeckt, haben wir noch nicht gefunden."

Der Blick direkt auf den Ammersee.
Der Blick direkt auf den Ammersee. © privat

Die Bayrische Brandung liegt an der Seepromenade in Herrsching, wenige Gehminuten vom Bahnhof, an dem die S-Bahn-Linie S8 aus München endet. Geöffnet ist meist ab 12 Uhr, am Wochenende im Sommer schon ab 10 Uhr, die Klappe geht um 21.45 Uhr zu. Im Winter öffnet die Brandung spontan an schönen Tagen mit Hot Aperol, Hot Caipi, Glühwein und warmen Kakao.

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