Kinderheim-Mitarbeiter soll Bub missbraucht haben - Suizid
Ein leitender Mitarbeiter eines Kinderheims in Wunsiedel soll sich einen Tag nach der Anklage gegen ihn wegen Kindesmissbrauchs und Vergewaltigung im Gefängnis das Leben genommen haben. Das teilten das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Hof mit. Hinweise auf Fremdeinwirkung gebe es nicht. Der 49-Jährige hatte seit Anfang März in Untersuchungshaft gesessen. Er sei am Dienstagabend bei einem Kontrollgang tot in seiner Haftzelle in der Justizvollzugsanstalt Hof gefunden worden.
In der Anklage zum Landgericht Hof vom Montag, die ihm laut Staatsanwaltschaft noch nicht zugestellt worden war, werden dem Mann mehrere Delikte nach dem Sexualstrafrecht vorgeworfen. Darunter sind der mehrfache, schwere, sexuelle Missbrauch und die Vergewaltigung eines Jungen sowie der Besitz und das Herstellen kinderpornografischer Inhalte.
Mann galt zeitweise als suizidgefährdet
Der 49-Jährige war den Ermittlern zufolge zeitweise als suizidgefährdet eingestuft, entsprechende Maßnahmen seien in der JVA erfolgt. Hinweise auf ein Verschulden der Gefängnismitarbeiter gibt es nach Worten von Oberstaatsanwalt Andreas Cantzler nicht.
Übergriffe wohl nicht im Heim
Nach Angaben der Ermittler sollen sich die mutmaßlichen Taten nicht im Kinderheim abgespielt haben, sondern am Wohnort des Mannes in Hof. Die Mutter des mutmaßlichen Opfers, das zur Tatzeit zwischen sieben und neun Jahre alt gewesen sein soll, hatte im Herbst 2025 Anzeige gegen den Verdächtigen erstattet.
Der Mann war in leitender Position im Kinderheim beschäftigt. Die mutmaßlichen Missbrauchstaten soll er zwischen 2023 und 2025 begangen haben. Der Junge selbst befand sich bis September 2024 in dem Kinderheim. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll es danach noch Privatkontakte zu dem Verdächtigen gegeben haben.
Hunderte Beweise
Bei Durchsuchungen im Dezember 2025 und Ende März 2026 am Wohnort, an der Arbeitsstelle des 49-Jährigen und an weiteren Orten hatten Beamte eine Vielzahl an Beweismitteln sichergestellt, darunter zahlreiche Datenträger.
Bereits vor der Festnahme des Beschuldigten sollen mobile Endgeräte zurückgesetzt worden sein - sprich: Jemand hatte versucht, die Daten auf den Geräten unwiederbringlich zu löschen. "In kleinteiliger Ermittlungsarbeit werteten die Polizisten tausende von digitalen Spuren aus und vernahmen mehr als hundert Personen", teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit.
"Die Ermittler fanden eine vierstellige Anzahl an Dateien mit kinder- und jugendpornografischen Inhalten. Der Tatverdächtige stand im Verdacht, eine dreistellige Anzahl dieser Dateien selbst hergestellt zu haben."
Verteidiger kannte Ermittlungsergebnis
Wie Oberstaatsanwalt Cantzler sagte, kannte der Verteidiger des Verdächtigen das Ergebnis der Ermittlungen. Ob er dies auch seinem Mandanten mitgeteilt hat, sei unbekannt.
Das Kinderheim in Wunsiedel war 2023 Schauplatz eines Verbrechens: Ein damals zehn Jahre altes Mädchen war dort sexuell missbraucht und getötet worden. Nach derzeitigen Erkenntnissen der Ermittler gibt es zwischen dieser Tat und dem Fall des 49-Jährigen keinen Zusammenhang.
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