Karmeliten finden keinen Nachwuchs: Kloster Reisach schließt

Weil die Karmeliten keinen Nachwuchs finden, wird ihr Konvent in Reisach aufgelöst. Was damit passiert, liegt nun am Freistaat.
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Idyllisch gelegen und seit fast 300 Jahren von Mönchen bewohnt: das Kloster Reisach bei Oberaudorf.
imageBROKER/Manfred Bail Idyllisch gelegen und seit fast 300 Jahren von Mönchen bewohnt: das Kloster Reisach bei Oberaudorf.

Oberaudorf - Pater Paul, Pater Matthäus und Pater Slawek werden als die letzten drei Karmeliten-Patres des Klosters in Reisach in Oberaudorf (Landkreis Rosenheim) in die Geschichte eingehen. Die polnischen Karmeliten-Brüder kehren, so ist es einer Mitteilung des Erzbistums München-Freising zu entnehmen, auf Wunsch ihres Provinzials in ihre Heimat zurück.

Der deutsche Orden der unbeschuhten Karmeliten (Teresianische Karmeliten) hat "kein Personal, das er hinschicken könnte", sagt Christoph Kappes, stellvertretender Sprecher der Erzdiözese München-Freising, der AZ. "Deswegen haben die unbeschuhten Karmeliten ihr Nutzungsrecht an den Freistaat zurückgegeben."

Nach fast 300 Jahren nimmt Kloster Abschied

Laut Homepage des Ordens, der auf Teresa von Avila zurückgeht, gibt es noch 30 Brüder in Deutschland sowie fünf Konvente, die von Brüdern ausländischer Provinzen geführt werden – darunter Reisach.

Das Nutzungsrecht hatte der Orden bereits 1837 vom Eigentümer, dem Freistaat Bayern, bekommen. Die ersten Mönche lebten aber schon 1728 in dem Kloster. Damit ist es nun, nach fast 300 Jahren, vorbei. Dabei hat das Erzbistum, so schildert es Kappes, nichts unversucht gelassen: "Wir haben verschiedene Nutzungsmöglichkeiten angedacht, aber die haben sich alle zerschlagen. Wir wollten ein Hospiz einrichten, haben über eine Tourismuspastoral nachgedacht, aber Reisach ist dafür zu abgelegen." Auch ein Burnout-Zentrum für kirchliche Mitarbeiter war im Gespräch, zusammen mit der Diözese Salzburg, die sich dann aber "nicht zuletzt aus finanziellen Gründen" von dem Projekt verabschiedet hat.

Nachwuchsproblem habe sich abgezeichnet

Letztendlich hätten die zu erwartenden Sanierungskosten auch den Bauetat des Erzbistums überstiegen. Und so lehnte München-Freising das Kaufangebot des Freistaats ab. Dass das klösterliche Leben in Reisach nicht mehr lange dauern wird, habe sich schon vor Jahren abgezeichnet. "Das Nachwuchsproblem ist ja nicht neu", sagt Kappes.

"Das Wichtigste für uns ist, die Seelsorge für die Menschen vor Ort zu gewährleisten", sagt er auch und gibt sich zufrieden, denn Pfarrer Hans Huber, derzeit in Seeon und Baumburg tätig, übernehme ab September die Leitung des Pfarrverbands Oberes Inntal. Geklärt werden müsse aber noch, wie und an welchem Ort die Aktivitäten, die mit dem Kloster Reisach verbunden sind, weitergeführt werden könnten.

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