Kar- und Ostertage: Kirchen laden zu besonderen Feiern ein

In der wohligen Weihnachtswelt Ende Dezember hat ein Gottesdienstbesuch bei vielen Menschen durchaus noch Platz: Kerzenschein, schöne Lieder, die Geschichte von Jesu Geburt. An den Kar- und Ostertagen wird es komplizierter. Gerade am Gründonnerstag und am Karfreitag stehen Jesu letzte Stunden und seine Leidensgeschichte im Mittelpunkt mit all den düsteren und grausamen Details.
Und wer bei der Auferstehungsfeier in der Osternacht dabei sein will, muss nicht nur früh aufstehen, sondern auch Geduld mitbringen. Zwei Stunden oder mehr kann die Feier schon dauern.
Aber der Reihe nach: Am Gründonnerstag (2. April) erinnern die Kirchen an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern. In vielen katholischen Kirchen ist die Fußwaschung eine Tradition. Im Münchner Liebfrauendom wird der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, in diesem Jahr Angehörigen von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten die Füße waschen. Sie stünden stellvertretend für alle Haupt- und Ehrenamtlichen im Blaulichtbereich, teilte das Erzbistum mit.
Karfreitag ist ein stiller Tag
Am Karfreitag, der offiziell ein staatlich geschützter stiller Tag ist, feiert der evangelische Landesbischof Christian Kopp am Vormittag einen Gottesdienst in der Nürnberger Lorenzkirche.
In den katholischen Kirchen finden die "Feiern vom Leiden und Sterben Christi", so der offizielle Titel, meist um 15.00 Uhr statt. Eine Eucharistie gibt es an diesem Tag nicht, auch kein Orgelspiel und kein Glockengeläut. In der Kirche wird die Leidensgeschichte Jesu vorgelesen, meist ist es die Version aus dem Johannes-Evangelium.
Ein geschäftiger Tag - und ein Tag der Grabesruhe
Der Karsamstag ist in der säkularen Welt meist ein ziemlich geschäftiger Tag - nach dem Feiertag ist vor dem Feiertag: Die Einkäufe für den Osterbrunch werden erledigt, die letzten Ostergeschenke besorgt und im Baumarkt locken all die Dinge, die man für die Gartenarbeit im Frühjahr so braucht. Im kirchlichen Kontext aber ist auch der Karsamstag ein Tag der Stille, der Grabesruhe. Es war der biblischen Überlieferung zufolge der Sabbat in Jerusalem, Jesu Anhängerinnen und Anhänger waren immer noch schockiert über Urteil, Folter und Tod. Im Glaubensbekenntnis heißt es: Jesus sei "hinabgestiegen in das Reich des Todes".
Die Auferstehung Jesu feiern die Kirchengemeinden am Samstag in der Nacht oder am frühen Sonntagmorgen. Im Bamberger Dom beginnt die Feier der Osternacht um 21.00 Uhr. Erzbischof Herwig Gössl werde vor dem Fürstenportal das Osterfeuer segnen, teilte seine Pressestelle mit. Weitere Gottesdienste folgen am Sonntagvormittag und am Ostermontag.
Rund um die Kar- und Ostertage hält sich in vielen Landstrichen Bayerns noch altes Brauchtum. Wenn die Glocken nicht läuten, werden sie in manchen Gemeinden durch Klappern oder Ratschen ersetzt. In vielen Kirchen werden zudem die Heiligen Gräber, die Jesu Tod und Grabesruhe symbolisieren sollen, aufgebaut.