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"Jetzt sind die Würfel gefallen": Michaela Gerg verkauft ihre Skischule

Warum die viermalige Weltcup-Siegerin nun einen Nachfolger für ihr „Herzensprojekt“in Lenggries sucht, wie es mit ihrer Stiftung weitergeht - und welche Preisvorstellung sie hat. 
von  Natalie Kettinger
Schlag ein! Gerg begrüßt ein Skischul-Kind, das auf dem sogenannten Zauberteppich den Hang hinauffährt.
Schlag ein! Gerg begrüßt ein Skischul-Kind, das auf dem sogenannten Zauberteppich den Hang hinauffährt. © Thomas Griesbeck / Skischule Michi Gerg

"Lernen beim Champion“ – mit diesem Slogan wirbt die Skischule Michi Gerg am Fuß des Braunecks in Lenggries für sich. Doch der Claim könnte bald anders lauten. Denn die viermalige Ski-Weltcup-Siegerin Michaela Gerg möchte ihr "Herzensprojekt in gute Hände weitergeben", wie sie der AZ sagt.

2008 eröffnet, zählt Gergs Skischule mit einem Pool von rund 60 Lehrerinnen und Lehrern heute zu einer der größten der Region. Ob Ski, Snowboard, Langlauf oder Schneeschuh-Wandern – das Angebot ist breit gefächert. Im Schnitt üben hier in der Saison täglich rund 100 Kinder und Erwachsene den Brettl-Sport.

2008 hat Michaela Gerg ihre Skischule in Lenggries eröffnet – nun will sie kürzertreten und den Betrieb in „gute Hände weitergeben“.
2008 hat Michaela Gerg ihre Skischule in Lenggries eröffnet – nun will sie kürzertreten und den Betrieb in „gute Hände weitergeben“. © Skischule Michi Gerg

"Ich möchte einfach ein bisschen kürzertreten", sagt Gerg


Warum also will Michaela Gerg verkaufen? Die AZ erreicht sie in Kolumbien, der letzten Station ihrer elfwöchigen Hochzeitsreise durch Lateinamerika. Am 12. Dezember 2025 hat sie an einem Traumstrand in Belize ihrem langjährigen Lebensgefährten, dem Münchner Unternehmer und ehemaligen Amateurrennfahrer Achim Winter (67), das Ja-Wort gegeben. Als das Telefon klingelt, sind die beiden gerade auf dem Weg zu einem Ausflug.

Die Verkaufspläne hätten weder damit zu tun, dass die schwierige Wirtschaftslage viele Menschen zum Sparen zwingt, noch mit dem Klimawandel, sagt Gerg. Und Winter ergänzt: "Es gibt Langzeitstudien von Lenggries, die reichen fast 100 Jahre zurück. Die Tage, an denen man Skifahren kann, sind etwas weniger geworden. Aber die Schneemenge ist im Prinzip dieselbe geblieben." Außerdem verfüge die Schule über moderne Technik wie Schneekanonen. Schneesicherheit sei – vor allem im Kinderland und dem Anfängerbereich – also gegeben.

Kurz nach der Trauung am 12. Dezember 2025 in Belize: Michaela Gerg und Achim Winter lächeln vor Glück.
Kurz nach der Trauung am 12. Dezember 2025 in Belize: Michaela Gerg und Achim Winter lächeln vor Glück. © privat

Die "Stiftung Schneekristalle" will das Ehepaar weiterführen


"Aber wissen Sie", sagt Michaela Gerg, "ich bin im November 60 geworden, und möchte einfach ein bisschen kürzertreten." Zwar ist sie selbst nicht mehr täglich vor Ort in Lenggries und arbeitet remote, weil sie ihren Lebensmittelpunkt im österreichischen Kitzbühel hat. Doch selbst in den Flitterwochen ist Gerg für ihr Team erreichbar, beantwortet E-Mails, kümmert sich um die Buchhaltung. "Das ist schon eine Belastung."

Zumal da noch die "Stiftung Schneekristalle" ist, die Gerg 2011 gegründet hat, und mit der sie sozial oder körperlich benachteiligte Kinder unterstützt. "Wir fördern die Kinder im Sport und bringen ihnen die Werte des Sports näher, stärken durch Sporttage ihr Selbstwertgefühl und ihr Selbstvertrauen", erklärt sie. Rund 5000 Sporttage für Kinder ermöglicht die Stiftung jedes Jahr."Das wollen wir weitermachen", sagt Achim Winter, der als ehrenamtlicher Vorstand tätig ist. "Es ist uns eine Herzensangelegenheit, etwas zurückzugeben von dem Leben, das wir führen dürfen."

In der Saison üben hier täglich rund 100 Kinder und Erwachsene das Skifahren.
In der Saison üben hier täglich rund 100 Kinder und Erwachsene das Skifahren. © Skischule Michi Gerg

Das ist ein vollausgestatteter Betrieb, es gibt keinen Investitionsstau, der Laden läuft

Dieses Leben möchte das frischgebackene Ehepaar künftig flexibler gestalten, zum Beispiel häufiger im Winter verreisen. Da Gergs Sohn Matthias (aus ihrer ersten Ehe mit dem früheren österreichischen Ski-Trainer Christian Leitner) beruflich eigene Pläne hat, wird nun eben ein anderer Nachfolger für die Skischule gesucht.

Was alles zur Skischule gehört

"Das ist ein vollausgestatteter Betrieb, es gibt keinen Investitionsstau, der Laden läuft", sagt Michaela Gerg voller stolz. Und Achim Winter zählt auf: ein modernes Gebäude mit Büro-Ausstattung und Aufenthaltsraum, Verkaufs-Container, Kinder-Skilift, Zauberteppich, mehrere Hundert Paar Leih-Ski, Snowboards, Skischuhe – "also die komplette Ausrüstung für Alpin und dasselbe nochmal im Langlaufbereich". Dazu Schneeschuhe und und und.

Michaela Gerg im Januar 1995 bei einem Rennen in Cortina d'Ampezzo.
Michaela Gerg im Januar 1995 bei einem Rennen in Cortina d'Ampezzo. © Dal_Zennario / dpa

Welche Preisvorstellung das Paar hat

Rund 200.000 Euro hätten Gerg und Winter gerne für die Betriebsausstattung. Der Betrieb selbst sei Verhandlungssache – und "gut profitabel". Ein Pärchen, das im Herbst und Winter vier Monate lang hart arbeite – "also auch an den Wochenenden" –, könne das Jahr über "locker davon leben", sagt Winter. Außerdem bestehe die Möglichkeit, das Repertoire in den warmen Monaten zu erweitern, etwa durch einen Fahrrad-Verleih oder Sommersport-Aktivitäten.

Tatsächlich hatten die beiden schon 2025 Kontakt zu einigen Interessenten. Doch die Angebote seien nicht ernsthaft genug gewesen. "Und vielleicht waren wir auch selbst noch nicht so ganz bereit dazu, die Skischule abzugeben", sagt Winter. "Aber jetzt sind die Würfel gefallen."

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