Ist das Craft Bräu in Dießen in Gefahr? Betreiber der beliebten Kultkneipe äußern sich
Das Craft Bräu in der Mühlstraße 12 in Dießen ist für viele ein lieb gewonnener Treffpunkt. In dem kleinen Hinterhof kann man entweder draußen auf der Bank sitzen – oder in der gemütlichen Schankwirtschaft ein Bierchen trinken. Im rechten Teil des Gebäudes befindet sich direkt die Brauerei.
Nicht nur für die lokal gebrauten Biere, die hier ausgeschenkt werden, ist die Kneipe bekannt – sondern auch für ihre Kulturveranstaltungen, darunter Live-Konzerte, der "Craft Talk" mit Gästen aus der Region, der "Segler-Hock" oder zum Beispiel wechselnde Kunstausstellungen. Und das alles bei freiem Eintritt oder auf Spendenbasis.
Doch wie geht es mit dem Betrieb in Zukunft weiter? Diese Frage sorgt im Ort derzeit für Gesprächsstoff, nachdem bekannt geworden ist, dass die seit mehr als einem Jahrzehnt in der Mühlstraße 12 ansässige Brauerei zum Ende dieses Jahres schließen soll. Bierbrauer Martin Hug schließe "zum 31.12.2026 seine Brauerei", heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Genossenschaft Craft-Schaft eG, die die Schankwirtschaft seit 2020 betreibt.

Eine der "zentralen Säulen und auch satzungsgemäßer Zweck der Genossenschaft" sei jedoch das handgemachte und in Dießen gebraute Bier, heißt es weiter. Dieser wesentliche Zweck falle damit vorerst weg. Zudem sei die Genossenschaft gezwungen, den Mietvertrag für die Schankhalle in der Mühlstraße "vorsorglich und fristgerecht zum 31. März 2027 zu kündigen".
Brauerei in Dießen soll Ende des Jahres schließen: Was sind die Beweggründe?
Die AZ hat Martin Hug zu seinen Beweggründen gefragt, der die Brauerei schon seit rund zwölf Jahren betreibt (früher gemeinsam mit Claus Bakenecker und seit vier Jahren allein). Er stellt in seiner Brauerei das nach dem bayerischen Reinheitsgebot gebraute Bier her. "Es ist extrem schade, und ich habe mir die Entscheidung auch nicht leicht gemacht", sagt er. "Aber die Brauerei über das Jahr 2026 hinaus weiterzuführen, ist in dieser Konstellation für mich persönlich wirtschaftlich nicht mehr darstellbar." Hug verweist dabei auf die "brutal hohen Energiekosten", genauso wie auf die gestiegenen Rohstoffkosten – "bei gleichzeitigem Rückgang des Bierkonsums".

Wie Brauerei und Schankhalle zusammenhängen, erklärt man auf der Webseite folgendermaßen: Unter der Marke Craft Bräu "vereinen sich die einzige lokale Brauerei Dießens, die Schankhalle für frisch gezapftes Bier mit Kulturprogramm und der Sitz der Genossenschaft Craft-Schaft eG".
Auf der Getränkekarte der Kneipe stehen entsprechend die Biere der hauseigenen Brauerei, die man zu den Öffnungszeiten auch in Flaschen mitnehmen kann – darunter das malzbetonte "Craftsport" oder zum Beispiel die süffige "Hellene" (jeweils 5,20 Euro für die Halbe). Der dunkle Bock namens "Blackout" kostet mit 5,60 Euro ein wenig mehr. Wer es lieber alkoholfrei mag, muss dagegen auf "Fremdbiere" zurückgreifen.
Das Craft Bräu in Dießen: eine Kultkneipe schon seit vielen Jahren
Viele in Dießen bedauern die zum Jahresende angekündigte Schließung der Brauerei. Schließlich gehöre sie seit mehr als einem Jahrzehnt zum Ort dazu. Damals hatten Martin Hug und Claus Bakenecker die kleine Brauerei in dem Hinterhof gegründet. Danach wurde relativ schnell auch die dazugehörige Schankhalle geöffnet, wo das Bier verkauft wurde.
Das Besondere bei der Schankhalle sei schon damals gewesen, dass dort regelmäßig Live-Konzerte stattgefunden hätten, heißt es bis heute. "Das war schon früher das Besondere, warum die Kneipe so schnell – vor allem am Westufer des Ammersees und darüber hinaus – so bekannt und beliebt wurde", sagt Klaus Gattinger, der Aufsichtsratsvorsitzende der Craft-Schaft eG, im Gespräch mit der AZ.

Wie kam es 2020 zur Gründung der Genossenschaft? "Mit den Jahren wurde den Hobby-Brauern die lange Arbeit als Wirt in den Nächten in der Schankhalle zu viel", blickt Klaus Gattinger zurück. "Sie hatten deshalb im Jahr 2019 entschieden, die Schankhalle zu schließen. Das hat bei den Stammgästen und Fans des Bieres eine riesige Welle ausgelöst." Deshalb habe man damals eine Genossenschaft gegründet, die die Schankhalle samt Kulturbetrieb übernommen habe.
Wie geht es weiter mit diesem Treffpunkt am Ammersee?
"Ich finde es schade, dass unser Brauer Martin Hug zum Ende des Jahres mit dem Brauen aufhört", so Gattinger zur AZ. "Weil er einfach ganz hervorragendes Bier macht." Gleichzeitig verweist Gattinger auf die schwierige wirtschaftliche Lage aus Brauereisicht. "Parallel haben wir in der Genossenschaft das Problem, dass wir mit unseren Bierpreisen nicht weiter hochgehen können und wollen." Unabhängig davon sei es für die Genossenschaft "schon seit einiger Zeit schwierig, ausreichend Schankpersonal zu rekrutieren, damit der Betrieb kontinuierlich laufen kann".

Trotz alledem: Da das Craft Bräu "nie nur Kneipe, sondern auch Treffpunkt für Begegnungen, Musik und Kultur ist, ist der Wunsch und das Engagement aller Beteiligten für ein weiteres Bestehen mit einem gegebenenfalls neuen und wirtschaftlich tragfähigen Konzept groß", heißt es in der Mitteilung der Craft-Schaft eG. In den nächsten Wochen werde "eine außerordentliche Generalversammlung der Genossinnen und Genossen einberufen, auf der über die weitere Zukunft beraten und entschieden werden" solle.
"Dass wir den Mietvertrag kündigen mussten, ist allein der kaufmännischen Situation geschuldet", sagt Gattinger und verweist auf die sechsmonatige Kündigungsfrist. Auch er gibt sich auf AZ-Nachfrage zuversichtlich. "Wenn es das Craft Bräu nicht mehr gäbe, würde ein wichtiger Treffpunkt für die Menschen am Ammersee wegfallen", sagt er. "Das wollen wir auf gar keinen Fall. Deswegen überlegen wir, wie das nächste Kapitel des Craft Bräus aussehen könnte." Die Schankhalle hat aktuell immer dienstags und donnerstags von 18 bis 23.30 Uhr geöffnet.
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